Wissensmanagement
Mittelständler lassen kluge Köpfe ziehen

Jeder fünfte Mittelständler will in den nächsten Monaten Stellen abbauen, auch Fachkräfte sind dabei betroffen. Mit dem Kahlschlag verschwindet auch wertvolles Know-How, denn zu wenige Firmen dokumentieren Wissen systematisch. Der richtige Umgang mit dem firmeneigenen Know-how umfasst neben der Dokumentation auch die Mitarbeitermotivation.

DÜSSELDORF. Tschüss Wissen: Jeder fünfte Mittelständler will in den nächsten Monaten Stellen abbauen. Dabei trifft es zunehmend auch Fachkräfte. Doch die Unternehmen übersehen beim Kahlschlag oft, dass mit einem Namen von der Gehaltsliste auch wertvolles Know-how verschwindet. "Wissen beim Personalabbau zu erhalten ist eine schwierige Aufgabe, an der viele scheitern", sagt Urban Schmalbrock, Geschäftsführer der Düsseldorfer Unternehmensberatung Formita.

Gerade für technologiegetriebene Mittelständler kann das brenzlig werden - zumal sie noch eine andere Herausforderung bewältigen müssen: Wegen der demographischen Entwicklung werden bald auf einen Schlag viele erfahrene Mitarbeiter in Rente gehen. Doch an qualifiziertem Ersatz herrscht schon jetzt Mangel.

Lösungen versprechen einfache Anwendungen für das Wissensmanagement. Doch mittelgroße Unternehmen seien in dieser Hinsicht eher unbedarft, sagt Schmalbrock. "In innovationsstarken Branchen wie der Chemie-, Pharma- und Automobilindustrie ist das Thema hingegen angekommen - ohne Wissensmanagement läuft da nichts."

Alarmierend sind die Ergebnisse einer Studie des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) über kleine und mittlere Unternehmen in Baden-Württemberg. Nur vier Prozent haben eine Wissensbilanz, in der sie das immaterielle Betriebsvermögen erfassen - etwa Mitarbeiter-Fähigkeiten oder Spezialwissen. Und aussagekräftige Daten zum intellektuellen Unternehmenskapital finden sich nirgends.

Bei einem Unternehmensverkauf lässt sich so kein angemessener Preis erzielen, ebenso wenig gute Konditionen für eine Finanzierung mit Fremdkapital. Zudem arbeitet die strategische Planung mit falschen Annahmen. "Viele Unternehmen gehen fahrlässig mit ihren Ressourcen um, wenn sie kein Wissensmanagement betreiben", sagt BDU-Studienleiter Günter Monjau.

Der richtige Umgang mit dem firmeneigenen Know-how umfasst aber neben der Dokumentation auch die Mitarbeitermotivation. "Die beste Software bringt gar nichts, wenn die Unternehmenskultur nicht stimmt", sagt Stephan Gross, bei der Strategieberatung Booz & Company für das Thema Wissensmanagement zuständig. "Das ist keine Frage von Datenbanken, sondern vom Austausch der Mitarbeiter." Er sieht die Personalentwickler in der Pflicht: Diese könnten Belohnungssysteme wie Erholungsreisen auf Firmenkosten oder Auszeichnungen einrichten.

Booz selbst hat gar eine eigene Einheit für das Thema geschaffen. Aus gutem Grund: Gerade hat sich das Beratungshaus vom US-Partner Booz Allen Hamilton getrennt - und muss nun Bestände sichern und ausbauen. Bei Kunden stoßen die Berater mit ihren Botschaften aber meist an Grenzen, weiß Experte Gross aus Erfahrung: "Wissen ist Macht, daher wird es nicht immer gern geteilt."

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