Working Capital Management
Verborgene Schätze in Lager und Rechnungsmappe

Working Capital Management ist für viele Unternehmen eine elegante Möglichkeit, an Liquidität zu gelangen. Das Prinzip ist einfach: Wo das eigene Kapital unnötig gebunden ist, etwa in Lagerbeständen oder offenen Forderungen, sollen Mitarbeiter es schneller freisetzen.

KÖLN. "Kapital freisetzen" - an allen Ecken und Enden. Das predigt Frank Gneiting, Prokurist beim mittelständischen Elektro-Werkzeughersteller TTS Tooltechnic Systems in Wendlingen bei Stuttgart, seinen Mitarbeitern seit Jahren. Die angestaubten Kettensägen im Lager sollen sie endlich verkaufen. Und die Kunden sollen ihre Rechnungen zum vereinbarten Zeitpunkt zahlen. Das setzt nämlich Kapital frei. Und das benötigt das Unternehmen in Krisenzeiten dringend.

Was Gneiting da predigt, nennt sich Working Capital Management. Für viele Unternehmen ist es vor allem in Krisenzeiten eine elegante Möglichkeit, an Liquidität zu gelangen. Das Prinzip ist einfach: Wo das eigene Kapital unnötig gebunden ist, etwa in Lagerbeständen oder offenen Forderungen, sollen Mitarbeiter es schneller freisetzen.

Ein relativ neues Instrument, Liquidität freizusetzen, ist das so genannte Finetrading (siehe unten: "Vorschuss vom Zwischenhändler"). Dabei wird ein Factoring-Dienstleister zum Zwischenhändler - gegen Zahlung eines Zinses bezahlt er den Lieferanten sofort. Der Kunde begleicht seine Schuld beim Finetrader erst Wochen später. Bis dahin steht ihm das Geld zur Verfügung.

"Working Capital wird für Unternehmen als Finanzierungsquelle immer wichtiger. Es hat zurzeit Vorrang vor Profitzielen", sagt Roland Schwientek, WCM-Experte bei der Strategieberatung Roland Berger. Seine Studie "Working Capital - Cash for recovery" identifizierte bei 216 Unternehmen aller Branchen ein Cash-Potential von sage und schreibe 353 Mrd. Euro. Geld, das sozusagen brach liegt.

Grundsätzlich ist Working Capital Management für alle Branchen geeignet. "Besonders stark ausgeprägt ist es im produzierenden Gewerbe, aber auch im Maschinenbau oder bei Energieversorgern", sagt Niko Hofmann, WCM-Experte bei der Unternehmensberatung Horváth und Partners aus Stuttgart. Auch die Unternehmensgröße sei nicht entscheidend, setze aber Grenzen: "Ein kleines Unternehmen kann nicht so bestimmt über Zahlungsziele verhandeln wie große, mächtige Konzerne."

Wichtig ist aber: Die Mitarbeiter müssen hinter den Maßnahmen stehen. Der Prokurist oder Controller, der die Zahlen verwaltet, hat oft nicht den Einfluss das Working Capital Management durchzusetzen. "Daher müssen Führungskräfte in die Offensive gehen", sagt Hofmann. Das ist kein einmaliges Projekt, sondern ein dauerhaftes: "Lässt man Working Capital Management einmal schleifen, nimmt das Umlaufvermögen schleichend wieder zu." Das sei wie beim Jo-Jo-Effekt nach einer Diät, vergleicht der Experte.

Für TTS-Prokurist Frank Gneiting ist Working Capital Management schon seit fünf Jahren die richtige Strategie, um die Liquidität zu erhöhen. Die TTS Tooltechnic Systems erwartet aufgrund der Finanzkrise für das Jahr 2009 rund 15 bis 20 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. Durch das freigesetzte Kapital kann der schwäbische Werkzeughersteller trotzdem investieren, benötigt keinen zusätzlichen Kredit und ist somit unabhängig von der Gunst der Banken.

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