Zahl der Insolvenzen bleibt 2007 hoch
Bei Unternehmenspleiten keine Besserung in Sicht

Der Kreditversicherer Euler Hermes sieht bei den Unternehmensinsolvenzen für das Jahr 2007 keine weiteren Besserungen. Im nächsten Jahr werden 32 000 Unternehmen pleite gehen. Damit zeichnet sich eine Stagnation auf dem hohen Niveau des Jahres 2006 ab, nachdem die Zahl der Firmenpleiten zuvor mehrere Jahre in Folge gesunken war.

HB HAMBURG. Trotz der positiven Konjunkturprognosen für 2007 bleibt die wirtschaftliche Lage für manche Unternehmen durchaus angespannt. Nach einem Rückgang der Firmenpleiten um 13 Prozent auf 32 000 Insolvenzen im jetzt zu Ende gehenden Jahr erwartet der Chefvolkswirt von Deutschlands größtem Kreditversicherer Euler Hermes, Romeo Grill, für 2007 keine weitere Verbesserung erwartet. „Wir rechnen für 2007 erneut mit 32 000 Insolvenzen, eine wirtschaftliche Trendwende ist nicht in Sicht“, sagte Grill der Nachrichtenagentur AP.

Damit bleibe Deutschland - gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich - das Land mit den absolut meisten Insolvenzen in Europa. Allerdings ist Deutschland auch das größte Land in Europa. Auch die Wirtschaftsauskunftei Creditreform erwartet für 2007 eine Stagnation bei den Firmenpleiten und rechnet mit 30 000 bis 32 000 Insolvenzen. „Die Pleitewelle wird voraussichtlich wieder die Branchen besonders belasten, die schon in den vergangenen Jahren am meisten darunter zu leiden hatten“, sagte Grill.

Dazu zählen laut Euler Hermes die Bauwirtschaft, das verarbeitende Gewerbe, der Dienstleistungsbereich und der Handel. Auch wenn sich die Lage 2006 deutlich gebessert habe und beispielsweise der Bausektor einen Rückgang der Pleiten von 21 Prozent erzielte, bleibe die Situation in diesen Branchen weiterhin schwierig. Zugleich litten viele Unternehmen weiterhin darunter, dass Rechnungen entweder verspätet oder gar nicht gezahlt würden. „Die Zahlungsmoral in Deutschland ist unverändert schlecht und daran dürfte sich auch in Zukunft nichts ändern“, sagte Grill.

Hauptursache für Unternehmenspleiten sind nach einer aktuellen Euler-Hermes-Umfrage unter 125 Insolvenzverwaltern Managementfehler. Dazu zählen betriebswirtschaftliche Fehler und falsche Produktplanung ebenso wie ein autoritärer Führungsstil. Zugleich bemängeln 72 Prozent der Verwalter, dass Insolvenzanträge zu spät gestellt werden. Fast alle Experten sind überzeugt, dass die Chancen auf eine Rettung des Unternehmens wesentlich höher wären, wenn die Unternehmen früher Insolvenz beantragen würden. Dass dies meist nicht geschehe, habe vor allem psychologische Gründe, heißt es in der Studie. So fürchteten viele Chefs die Bloßstellung vor Bekannten und in der Branche.

Zwar wird die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland laut Grill 2007 an Fahrt gewinnen, allerdings würden neue Belastungen einen echten Aufschwung verhindern. Grund dafür seien insbesondere die Erhöhung der Mehrwertsteuer und steigende Krankenkassen-Beiträge, was die Höhe des verfügbaren Einkommens belaste. Und während die Wirtschaftsforschungsinstitute Ifo und RWI für 2007 ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent vorhersagen, erwartet Euler Hermes lediglich eine Steigerung von 1,5 Prozent, denn: „Die strukturellen Probleme in Deutschland sind noch nicht beseitigt und das Wachstumspotenzial ist noch nicht ausgeschöpft“, meint Grill.

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