Zeit und Geld verloren: Forschungskooperation wurde zum Flop

Zeit und Geld verloren
Forschungskooperation wurde zum Flop

„Wir machen Innovationen schneller“, schreibt die Stuttgarter Steinbeis-Stiftung für Wirtschaftsförderung auf ihrer Internetseite. Für den schwäbischen Unternehmer Hermann Schönenberger (69) klingt dies fast wie Hohn. Denn er hat mit einer Tochter der Stiftung, dem Steinbeis-Transferzentrum Verfahrensentwicklung in Reutlingen, sehr schlechte Erfahrungen gemacht.

HB DÜSSELDORF. Durch sie habe er bei der Entwicklung einer Schleifmaschine zum Schleifen von Maschinenmessern mehr als fünf Jahre Zeit verloren. Hinzu kämen Kosten von über 150 000 Euro, „die ich in den Wind schreiben kann“, beklagt er sich im Gespräch mit dem Handelsblatt. So etwas sei ihm in den mehr als 40 Jahren als Unternehmer noch nie passiert. Dabei sei er eigentlich auch in diesem Falle ganz vorsichtig gewesen.

Schönenberger ist Inhaber der H. Schönenberger GmbH in Deizisau am Neckar. Das 1965 gegründete Unternehmen fertigt heute mit rund 90 Mitarbeitern Hartmetall-Schneid- und Fräswerkzeuge. Unter anderem auch Papierschneidemesser mit zwei bis drei Meter Länge. Umgesetzt werden etwa zehn Mill. Euro. Davon kommen 70 Prozent aus dem Ausland.

Da die Produktion außerordentlich lohnintensiv ist – rund 50 Prozent Lohnanteil –, bemüht sich Schönenberger zum einen um Zulieferungen aus dem Ausland, zum anderen um verstärkte Automatisierung. Besonders problematisch sind die Papiermesser, die nacheinander auf verschiedenen Maschinen geschliffen werden müssen. Schönenberger wollte deshalb eine Maschine entwickeln, auf der die verschiedenen Schleifarbeiten in einem Arbeitsgang erfolgen können.

Auf seine Frage, wer ihm dabei helfen könnte, nannte ihm 1998 das Wirtschaftsministerium in Stuttgart die 1971 zur Förderung des Mittelstands gegründete Steinbeis-Stiftung. Diese verwies ihn an ihr Transferzentrum Verfahrensentwicklung in Reutlingen. Von dort kam dann deren Leiter, Prof. Dipl.-Ing. Karl Schekulin. Dieser sei, so Schönenberger, von der Idee ganz begeistert gewesen, und er habe ihm eine „ganz pfiffige und billige“ Maschine versprochen. Außerdem habe ihm der Professor staatliche Fördermittel in Aussicht gestellt und auch alle Anträge diktiert, die dazu einzureichen waren. Dies brachte letztlich 188 000 DM bei insgesamt 600 000 DM geplanten Kosten.

Die Kooperation mit dem Steinbeis-Transferzentrum wurde im Mai 2000 vereinbart. Dabei versprach Schekulin eine „Schleifmaschine zum Schleifen von Maschinenmessern“. Das Grundgestell mit 6,6 Meter Länge wollte er aus Stein machen. Ein schwenkbarer Magnet mit drei Meter Länge sollte die Messer halten, die nacheinander von fünf Spindeln geschliffen werden sollten.

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