Zeitenwende auf Agrarmärkten
Banken mögen Bauern

Landwirtschaftliche Betriebe hatten es in den vergangenen Jahren schwer: Die Gewinne mit dem Verkauf von Weizen, Mais oder Milch hielten sich in Grenzen, zahlreiche Reglementierungen aus Berlin und Brüssel erschwerten das Wirtschaften und Kredite von der Hausbank waren nicht leicht zu bekommen. Doch die Welt der Bauern hat sich verändert.

HAMBURG. Die Nachfrage nach Rohstoffen ist weltweit gewachsen, die Preise sind gestiegen. Geld in die Kassen der Landwirte kommt mittlerweile auch von Fonds und privaten Investoren. Die Banken und Sparkassen haben den Wachstumsmarkt Landwirtschaft entdeckt. Jetzt geht sogar der erste deutsche Bauer an die Börse.

Die KTG Agrar, eine landwirtschaftliche Firma mit Hauptsitz in Hamburg, hat ihre Pläne auf den Tisch gelegt. „Wir werden noch im November an die Börse gehen“, erklärt Finanzmanager Horst Buschmann. Die KTG Agrar ist mit 14 000 Hektar in Deutschland und Litauen einer der führenden Produzenten konventioneller und ökologischer Agrarprodukte in Europa. Das Geschäft des mittelständischen Unternehmens mit 125 Mitarbeitern ist der Anbau von Getreide, Raps und Mais. Bei Bio-Marktfrüchten ist die KTG Agrar, gemessen an der Anbaufläche, Marktführer in Deutschland. Das dritte Standbein ist die Erzeugung von Bioenergie. 2006 hat das junge Unternehmen eine Gesamtleistung von gut 18 Mill. Euro und ein Vorsteuerergebnis von 2,5 Mill. Euro erzielt.

Da die steigenden Rohstoffpreise an der Börse darstellbar seien, könnten Bauern mehr Sicherheiten vorweisen, meint Johann Schmalhofer, Bauer und Finanzexperte in Personalunion. Auf den Agrarmärkten habe sich eine Zeitenwende vollzogen. „Bauern hatten zwar schon immer viel Land, Haus und Hof und einen wertvollen Fahrzeugpark. Oftmals reichte das den Banken aber nicht als Sicherheit für einen günstigen Kredit. Das wird sich jetzt ändern“, ist sich Schmalhofer sicher. Künftig würden Bauern leichter Kredite bekommen, da sie pro Hektar Ackerfläche mehr Einnahmen hätten.

Ein Blick zurück: Vor 15 Jahren wurde KTG Agrar von Beatrice Ams und Werner Hofreiter aus der Taufe gehoben. Der heutige Chef Siegfried Hofreiter begleitete den Aufbau in beratender Funktion. Mit 25 Prozent Eigenkapital stemmten sie die Gründungsfinanzierung mit einem Betriebsmitteldarlehen. Damals wurden Landwirte von den Banken noch mit einem schlechten Rating versehen, was die Kredite teuer machte.

Die Jungunternehmer wollten trotzdem expandieren und pachteten Land, viel Land. Erst bewirtschafteten sie einige hundert Hektar, dann kamen die ersten Flächen von mehr als tausend Hektar hinzu. Hofreiter hat in Sachen Führung eines mittelständischen Agrarunternehmens viel in den USA gelernt, wo er sich in den 80er-Jahren aufhielt. „Flächen mit mehreren tausend Hektar optimal zu bewirtschaften, das war mein Ziel“, erinnert er sich. Der dreiköpfige Vorstand von KTG Agrar steuert von Hamburg und Oranienburg aus 19 landwirtschaftliche Betriebe, die zur Holding gehören.

Im vergangenen Jahr wurde der Geschäftsbereich Bioenergie aufgebaut. Die KTG Agrar produziert die notwendigen Rohstoffe dafür auf den eigenen Feldern. Mit zehn Biogasanlagen stellt KTG Agrar 6,5 Megawattstunden Strom her – im wahrsten Sinne des Wortes aus eigener Kraft. „Auf diesen optimierten Stoffkreislauf sind wir stolz“, schwärmt Horst Buschmann.

Zwar stehen Bauern für einen Börsengang nicht unbedingt Schlange, doch die wirtschaftliche Lage hat sich entspannt. Das war aus Sicht des Deutschen Bauernverbands auch nötig, da in den vergangenen Jahren manche Investitionen wegen der schlechten Erlössituation aufgeschoben worden waren, wie Christian Schneider, Finanzexperte beim Bauernverband, sagt. Fast die Hälfte der befragten Landwirte plane im kommenden halben Jahr Investitionen in Maschinen und Geräte. Geringere Investitionen seien beispielsweise in regenerativen Energien geplant.

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