Zentralasien
Wie man in Usbekistan Geschäfte macht

Das Joint Venture Deutsche Kabel AG Taschkent (DKG) ist einer der größten Hersteller von Kabeln, Leitungen und Drähten in Zentralasien. Falk Porsche, Gesellschafter der Falk-Porsche-Technik des Hauptanteileigners des Unternehmens, gibt Auskunft über Geschäftschancen in Usbekistan. Und die sind gar nicht schlecht.
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Herr Porsche, wie beurteilen Sie die Geschäftsmöglichkeiten in Usbekistan?

Die bevölkerungsreichste Republik Zentralasiens hat einiges zu bieten: viele Rohstoffe, steuerliche Anreize für Investoren sowie eine junge, motivierte und gut ausgebildete Bevölkerung. Die Menschen sind zudem sehr deutschlandfreundlich, deutsche Produkte genießen einen guten Ruf. Das Land ist politisch stabil, es gibt kaum Sicherheitsprobleme, abgeschlossene Verträge werden prinzipiell eingehalten, und in allen Wirtschaftssektoren gibt es einen riesigen technischen Nachholbedarf.

Mit welchen Erzeugnissen ist Ihr Unternehmen im Land präsent?

In der ersten Etappe unseres Engagements 1998 bis 2002 stand der Ausbau der Kabelfertigung im Fokus. Seit 2003 produzieren wir LAN-Kabel. 2004 haben wir die Produktion von Stahldraht für die Verpackung von Baumwollballen aufgenommen und sind heute der Hauptlieferant im Land. Die 2007 gestartete Herstellung von Halbzeugen aus besonders reinen Kupferkathoden markierte den nächsten Meilenstein in unserem Usbekistangeschäft. 2008 haben unsere 600 Mitarbeiter einen Umsatz von 28 Millionen Euro erwirtschaftet.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Noch völlig ungenutzt sind in Usbekistan die Chancen im Kunststoffrecycling. Hier planen wir den Aufbau eines zweiten Standbeins. In Kooperation mit lokalen Partnern wollen wir ein Sammel- oder Pfandsystem einrichten und eine Aufbereitung und Verarbeitung von PET-Flaschen aufbauen. Unser Ziel ist die Produktion von hochfesten Bändern für die Verpackung von Baumwollballen sowie von Fasern für andere Einsatzgebiete. Hierfür sind wir bereit, einiges zu investieren.

Welche Tipps möchten Sie Newcomern auf dem Markt geben?

Usbekistan ist trotz genannter Vorteile kein einfacher Markt. Bei Behördengängen sind Geduld und Ausdauer gefragt. Auch die Beschaffung von Rohstoffen und anderen Zulieferungen sowie der Währungsumtausch kosten viel Zeit. Sehr schwierig gestaltet sich das Aufbrechen alter und die Etablierung neuer Strukturen im Betriebsablauf. Ohne gut ausgebildete lokale Fachkräfte in Schlüsselstellungen lassen sich usbekische Firmen kaum managen. Unser Leiter vor Ort hat in Deutschland Betriebswirtschaft studiert und erste Berufserfahrungen gesammelt. Grundsätzlich ist der usbekische Markt vielversprechend. Deutsche Unternehmen sollten den in letzter Zeit stark ins Land strömenden chinesischen, südkoreanischen und russischen Firmen folgen. Ich glaube, wenn sie die Marktchancen nicht jetzt nutzen, dürften sie es schon bald bereuen.

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