Zentralasien
Zentralasien: Vom Armenviertel zum High Potential

Auf der Landkarte der Aktivitäten deutscher Geschäftsleute sind Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan schon lange keine weißen Flecken mehr. Und dennoch: Die Nachfrage hält sich in Grenzen. Dabei ist das Potenzial für Auslandsgeschäfte riesig.
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BERLIN/ASTANA/TASCHKENT. Die gemeinsame Lage im Herzen Asiens, ähnliche geografische Bedingungen, historische Wurzeln und ökonomische Probleme einen die fünf Republiken Zentralasiens. Das einstige Armenviertel der Sowjetunion hing vor der Unabhängigkeit Anfang der 90er-Jahre am Subventionstropf Moskaus. Auch der Übergang zur Marktwirtschaft verlief holprig.

Noch heute prägt das starke Gewicht der Landwirtschaft die Wirtschaftsstruktur der Länder. Eine verarbeitende Industrie gibt es nur in Rudimenten. Als Erblast der Planwirtschaft ist sie nicht oder kaum international wettbewerbsfähig. Erheblich sind die Defizite in der Infrastruktur, hoch die ökologischen Belastungen. Jedoch ist die Region an der historischen Seidenstraße eines der größten Wirtschaftsgebiete der ehemaligen Sowjetunion mit über 60 Millionen Menschen und reichhaltigen Bodenschätzen. Mit Blick auf die wirtschaftlichen Ressourcen und den industriellen Nachholbedarf haben zahlreiche internationale Unternehmen Geschäfts- und Handelsbeziehungen nach Zentralasien geknüpft.

In der Region liegen riesige Energie- und Erzvorräte. Diese Schätze sind nur zu einem Bruchteil gehoben. Enorm ist der Erneuerungs- und Ausbaubedarf in der verarbeitenden Industrie und im Dienstleistungsgewerbe. Alle Länder haben ehrgeizige Programme zur Diversifizierung ihrer Wirtschaften beschlossen. "Allein in unserer westkasachischen Region Mangistau bieten Großprojekte für mehr als 70 Milliarden US-Dollar (US$) noch auf lange Sicht viele lohnende Geschäftschancen", erläutert Natella Otjelepko, Chefin der Handels- und Industriekammer von Mangistau. "Die Gelder sollen in den Ausbau der Freien Wirtschaftszone Seehafen Aktau, die Errichtung eines lokalen Zentrums für die Energieversorgung der Kaspiregion, das große Städtebauprojekt Aktau-City, ein attraktives Tourismusgebiet am Kaspiufer und in den Bau einer Universität fließen", ergänzt Otjelepko.

Ein weiteres Standortplus ist die dynamische Bevölkerungsentwicklung. Im Jahr 2050 werden in den fünf Ländern voraussichtlich 80 Millionen Menschen leben. Die Bevölkerung ist extrem jung. In Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan ist mehr als die Hälfte der Einwohner jünger als 25 Jahre. Schon heute bietet der Handel mit hochwertigen Konsumgütern deshalb lohnende Geschäftschancen. Die jungen Menschen geben ihr Geld für Technik, Kleidung und Bildung aus. "Allein in Tadschikistan, dem ärmsten Land der Region, hat sich die Zahl der Handynutzer 2008 binnen eines Jahres auf rund 3,2 Millionen in etwa verdoppelt", bemerkt Alexej Danilin, Analytiker von ComNews Research.

Alle Länder haben ihre zum Teil tiefe Rezession in den 90er-Jahren überwunden. Der Hauptmotor des Aufschwungs war um 2000 die starke Nachfrage nach den in der Region reichlich vorhandenen Rohstoffen. Die nun rapide gesunkenen Rohstoffpreise belasten die aktuelle Konjunktur, verteuern die Kreditvergabe und lassen die Investitionen weniger sprudeln. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis die traditionellen Handelspartner wieder mehr Rohstoffe ordern. Der energiehungrige Nachbar China sorgt bereits für eine spürbare Marktbelebung in der Region.

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