Zoobedarf
Japans tierischer Konsumrausch

Der japanische Haustiermarkt boomt. Damit es ihren Lieblingen an nichts mangelt, greifen Frauchen und Herrchen tief in ihre Taschen. Mittlerweile gibt es rund um den tierischen Freund zahlreiche Produkte und Dienstleistungen. In Japan übernehmen Haustiere zunehmend die Rolle von Familienmitgliedern - sehr zur Freude der Haustierbranche.
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TOKIO. Wenn es um das liebe Haustier geht, spielt die schlechte Wirtschaftslage für Japaner keine Rolle. "Ich gebe im Monat etwa 30.000 Yen (222 Euro) für meinen Golden Retriever aus", erzählt eine Hundehalterin. Etwa die Hälfte müsse sie für das Fressen veranschlagen, noch einmal jeweils 50 Euro würden für die medizinische Versorgung und die Hygiene des Tieres fällig. "Das ist nicht wenig, aber ich habe ja auch keine Kinder", meint sie etwas entschuldigend.

So wie sie denken viele Japaner. Gerade angesichts einer rasch alternden und schrumpfenden Bevölkerung sowie einer wachsenden Zahl von Singlehaushalten werden Tiere zunehmend zu Familienmitgliedern. Immer öfter werden vor allem Vierbeiner sogar als Kinderersatz gesehen. So gab es 2008 in Japan 17 Millionen Kinder im Alter von höchstens 14 Jahren, dafür aber fast 27 Millionen Hunde und Katzen, rund zehn Prozent mehr als noch 2006. Hinzu kam eine unbekannte Zahl von Kleintieren wie Kaninchen, Hamster, Frettchen oder Ziervögel und-fische. Da das Halten von Tieren in Wohnungen im Gegensatz zu früheren strikten Verboten heute meistens erlaubt ist, besteht Raum für weiteren Zuwachs.

Besonders in den Großstädten wählen die Besitzer wegen der geringen Wohnfläche häufig kleine Tiere. Populäre Hunderassen sind zum Beispiel Dackel, Chihuahua und Zwergpudel. Aber auch große Vierbeiner wie etwa Berner Sennenhunde oder Dobermänner werden gehalten. Selbst Falken sind in manchen Haushalten anzutreffen. Zwar sei die Deckenhöhe seiner Wohnung niedrig, gesteht der Halter ein, "dafür aber kann der Vogel frei herumfliegen", fügt er lachend hinzu.

Der Nachfrageboom der letzten Jahre hat die Haustierbranche zu einem der großen und florierenden Zweige der japanischen Wirtschaft gemacht. Nach einer Erhebung der Wirtschaftszeitung "Sankei Shinbun" hatte der Markt 2007 ein Volumen von fast zehn Milliarden Euro. Das waren drei Mal so viel wie in Deutschland. Damit lag er auf einem ähnlichen Umsatzniveau wie die japanische Bierbranche (zehn Milliarden Euro) oder die Werkzeugmaschinen- und die Kosmetikindustrie (jeweils rund elf Milliarden Euro).

Mit dem Verkauf lebender Tiere, darauf ausgerichteter Erzeugnisse und Dienstleistungen, wie ärztliche Versorgung, Frisier- und Schönheitssalons sowie Tierhotels und-pensionen, erwirtschaftete die Branche 2007 etwa die Hälfte des Gesamtumsatzes. Auf Tierfutter entfielen knapp 36 Prozent des Marktes, weitere rund 14 Prozent auf verschiedenes Zubehör, angefangen von Streusand, Käfigen oder Spielzeug bis hin zu Decken, Halsbändern und Leinen.

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