Zukauf
Simba Dickie setzt die Einkaufstour fort

Der Spielwarenkonzern übernimmt den Münchener Spieleverlag Zoch. Inzwischen hat sich der fränkische Unternehmer Michael Sieber dank zahlreicher Zukäufe zu einem der größten Spielzeugfabrikanten hochgearbeitet. Doch der Dickie-Gruppe ging zuletzt leicht zurück.
  • 0

MÜNCHEN. So lang wie ein Mercedes und so hoch wie ein VW-Bus ist das rote Rutschauto, das sich Michael Sieber vor seine Firmenzentrale an der Fürther Werkstraße gestellt hat. Gleich neben dem Spielzeug für Riesen steht eine zehn Meter hohe Werbesäule mit Marken des fränkischen Mittelständlers: Simba, Dickie, Eichhorn, Schuco, Big und so weiter. Heute kommt ein weiteres Schild dazu: Zoch. Die Simba-Dickie-Gruppe übernimmt den Münchener Spieleverlag für einen ungenannten Preis.

So geht es schon seit Jahren: Der fränkische Unternehmer Michael Sieber kauft eine Marke nach der anderen und hat sich so mit der Zeit zu einem der größten europäischen Spielzeugfabrikanten hochgearbeitet. Vergangenes Jahr lag der Umsatz seiner Simba-Dickie-Gruppe bei einer halben Mrd. Euro, das sind etwa fünf Prozent weniger als 2008. Aber: "Dieser Rückgang hat nichts mit der Krise zu tun", erklärt Geschäftsführer Manfred Duschl. Vielmehr hätten Währungsschwankungen die Erlöse gedrückt. Zudem wurden unprofitable Bereiche zurückgefahren. Zum Gewinn macht die Firma keine Angaben.

Die mit Abstand bekannteste Marke unter dem Dach von Simba Dickie ist Big, der legendäre Produzent der roten Rutschautos "Bobby Car". Nach dem Tod von Big-Gründer Ernst Bettag hat Sieber die Firma vor sechs Jahren übernommen. Zuvor hat der Unternehmer bereits Marken wie Dickie (1993), Eichhorn (1998) und Schuco (1999) integriert. Aus diesen Akquisitionen entstand die Simba-Dickie-Gruppe. Lange hat Simba Dickie nur importiert. Inzwischen stammt jedoch rund ein Drittel der Waren aus eigenen Werken in Europa.

Simba fährt damit eine ganz andere Strategie als große Konkurrenten wie Ravensburger, Playmobil und Lego, die auf eine einzige starke Marke setzen. Playmobil ist mit dieser Strategie zuletzt gut gefahren und hat den Umsatz vergangenes Jahr um fünf Prozent auf 518 Mio. Euro gesteigert. Für 2010 peilt die Familienfirma ein ebenso kräftiges Plus an. Der Spieleverlag Ravensburger und der Klötzchenproduzent Lego werden ihre Zahlen kommende Woche vorstellen. Am nächsten Donnerstag beginnt in Nürnberg die Spielwarenmesse, der weltweit führende Branchentreff.

Trotz sinkender Erlöse investiert Simba Dickie kräftig. 30 Mio. Euro macht Eigentümer Michael Sieber dieses Jahr locker, ein Drittel davon fließt in die Erweiterung des Logistikzentrums im thüringischen Sonneberg. "Für uns ist das jetzt die Phase, in der wir die Weichen stellen für Wachstum 2011/2012", betont der Unternehmer.

Das laufende Jahr wird nach Ansicht von Geschäftsführer Duschl schwierig. "Die Wirtschaftskrise hat Simba Dickie, aber auch die ganze Spielwarenindustrie noch gar nicht erreicht." Vergangenes Jahr gingen in Deutschland Spielautos, Puppen und Plüschtiere im Wert von 2,4 Mrd. Euro über die Ladentheken, ein Plus von fünf Prozent gegenüber 2008. Lediglich das Geschäft mit Videospielen ist geschrumpft.

Simba Dickie beschäftigt weltweit 1 650 Mitarbeiter und erzielt 70 Prozent vom Umsatz im Ausland. Für das laufende Jahr rechnet die Firma trotz der Akquisition nur mit stagnierenden Erlösen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

Kommentare zu " Zukauf: Simba Dickie setzt die Einkaufstour fort"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%