Zur spanischen Expo kamen rund 5,5 Millionen Besucher
Auf Wiedersehen in Shanghai 2010

Nach der kleinen Weltausstellung im spanischen Saragossa richten die deutschen Expo-Macher jetzt den Blick in Richtung China. Schon jetzt sorgen die Pläne für den deutschen Pavillon für Furure, der rund 30 Millionen Euro kosten wird.

KÖLN. Die Chinesen sind bereits total begeistert. "Zum deutschen Pavillon gehen und erleben wie der Glaube Berge versetzt", titelte die Shanghaier Zeitung Dongfang Zaobao. Die Rede ist von der Energiezentrale, dem Highlight des Deutschen ,Pavillons auf der Expo in Shanghai 2010. Zwar hatten die chinesischen Journalisten nur eine virtuelle Präsentation erlebt, doch waren sie schwer beeindruckt. Denn allein durch das Rufen der Besucher soll dort künftig eine 1 000 Kilogramm schwere, mit 30 000 Leuchtdioden besetzte Kugel in Bewegung versetzt werden. Auf der Kugel entstehen dabei Bilder aus Deutschland zum Thema "Better City - Better Life", dem Motto der wohl größten Expo aller Zeiten.

Der Stuttgarter Kreative Peter Redlin steht dabei vor einer schwierigen Aufgabe: Unter seiner Leitung müssen die Spezialisten der Agentur Milla und Partner die Lösungen Deutschlands für das urbane Leben in der Zukunft präsentieren. Auf insgesamt 1 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche sollen die Exponate des Deutschen Pavillons, den das Münchener Architektenbüro Schmidhuber + Partner gestaltet und von Nüssli Deutschland aus Roth bei Nürnberg gebaut wird, Antworten auf die drängenden Herausforderungen der weiter wachsenden Städte geben. Die leuchtende Wackel-Kugel ist nur eine von vielen Ideen. Die Rekordsumme von 30 Millionen Euro an Steuergeldern steht für die Gestaltung des Pavillons inklusive Bau zur Verfügung.

Das Geld will gut investiert sein. Denn der Deutsche Pavillon erwartet einen Besucheransturm: Mit bis zu 45 000 Besuchern pro Tag - etwa die Heimspielkulisse des Bundesligisten Hamburger SV - rechnet das Bundeswirtschaftsministerium als Organisator. Der deutsche Auftritt bei der Expo steht unter dem Motto "Balancity - eine Stadt in Balance". "Mit dem Kunstwort aus City und Balance zeigen wir, dass das Dasein in einer Großstadt lebenswert sein kann, wenn es sich durch Vielfalt in Balance auszeichnet, nicht durch Gleichförmigkeit und Langeweile", sagte der Generalsekretär der deutschen Expo-Beteiligung, Dietmar Schmitz. Schmitz Dienstherr, das Bundeswirtschaftsministerium, verantwortet den Auftritt. Betrieben wird der Pavillon von der Köln Messe, die wie schon vor drei Jahren in Japan aus der Expo-typischen Ausschreibung als Sieger hervorging.

"Das Expo-Motto wollen wir erfahrbar machen", sagt Gestalter Redlin über seine Leitlinie. Der Terminplan ist eng. Bis die Expo Anfang Mai 2010 ihre Tore öffnet, ist Zeit ein knappes Gut. Antworten gilt es zu finden auf die entscheidenden Fragen hinter dem Expo-Motto ("Better City - Better Life"): Wie lässt sich städtisches Leben angesichts der immer dichter gedrängten Ballungsräume lebenswert und ressourcenschonend gestalten? Wie ist ein Gleichgewicht zwischen Stadt und Natur, Individuum und Gesellschaft, Erneuern und Bewahren herzustellen?

Von Deutschland erwarten vor allem die chinesischen Gastgeber angesichts der Vorreiterrolle bei Umwelttechnologien schlüssige Antworten, sagt Schmitz. Die Erwartungen sind auch deshalb hoch, weil die deutschen Ausstellungsstücke wie zuletzt in Saragossa oder bei früheren Weltausstellungen etwa in Lissabon in der Regel zu den Publikumslieblingen gehörten. "Wir zeichnen auf unterhaltsame Weise ein glaubwürdiges Bild von Deutschland", nennt Redlin das Erfolgsrezept. Attraktionen der Deutschen Pavillons locken inzwischen wie in Büsum die Bionis-Erlebnis-Bahn als Teil der Sturmflut-Erlebniswelt "Blanker Hans" (Expo 2005 in Japan) und wie in Wilhelmshaven die Unterwasserwelt Oceanis (Lissabon 1998) die Besucher an.

Geht es nach den chinesischen Ausrichtern, dann wird Shanghai die Spitze der Expo-Entwicklung markieren: Gut 220 Teilnehmer sollen in den sechs Monaten bis Ende Oktober insgesamt 70 Millionen Besucher aus aller Welt anlocken. "Das wäre die größte Expo aller Zeiten", sagt Schmitz - und nach den Olympischen Spielen in diesem Jahr der zweite Ausweis des neuen chinesischen Selbstbewusstseins. 95 Prozent der Besucher sollen aus China selbst kommen, fünf Prozent - immerhin noch 3,5 Millionen Menschen - aus aller Herren Länder. Klar, dass ein solcher Ansturm kanalisiert werden muss. "Wir wollen Qualität vermitteln. Das geht nicht in unbegrenzter Zahl", sagt Schmitz. Je nach Weg sollen Besucher zwischen fünf und 45 Minuten im Pavillon verbringen.

Unternehmen könnten sich beteiligen, sagt Dirk van der Coelen, Chef der zuständigen Köln Messe International. "Neben den traditionell engagierten Konzernen wie Siemens oder Bosch verzeichnen wir auch viele Anfragen kleinerer Unternehmen." Siemens ist zudem einer der Hauptsponsoren der Expo Shanghai.

Konkrete Ideen, die sich plastisch zeigen lassen, werden etwa für das von Milla und Partner geplante "Archiv der Erfindungen" gesucht. "Darunter werden wahrscheinlich ein besonders handlicher Akku-Schrauber von Bosch und eine mikroprozessorengesteuerte Beinprothese von Otto Bock sein", sagt Redlin. Die Liste ist bereits lang, spätestens Ende des Jahres soll eine dramaturgisch durchkomponierte Auswahl stehen. "Wir zeigen einen Querschnitt für jedermann. Der Deutsche Pavillon ist keine Spezialmesse für Fachbesucher", warnt Schmitz vor überzogenen Erwartungen.

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