Zwist im Schlachterei-Konzern
Familie Tönnies zerfleischt sich weiter

Der Machtkampf um das Familienunternehmen geht weiter. Kurz vor der geplanten Unterzeichnung einer gütlichen Einigung streiten Schalke-Funktionär Clemens Tönnies und sein Neffe um einen möglichen Teilverkauf.

HamburgDie angestrebte Einigung im Familienstreit im Hause Tönnies ist offenbar vorerst wieder vom Tisch. Weit fortgeschrittene Verhandlungen seien in dieser Woche kurz vor der Unterzeichnung eines Einigungsvertrags geplatzt, erfuhr das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen.

Der Fleischproduzent und Schalke-Funktionär Clemens Tönnies und sein Neffe Robert Tönnies streiten seit Jahren erbittert um die Macht im Schlachterei-Konzern. Am Montag steht am Bielefelder Landgericht die nächste Runde im Prozess an. Der Familienanwalt und Testamentsvollstrecker Josef Schnusenberg soll zu der Frage aussagen, ob der verstorbene Bernd Tönnies vorgesehen hatte, dass sein Bruder Clemens Tönnies die Hälfte der Anteile am Konzern halten soll. Robert Tönnies bezweifelt dies.

Vertreter der beiden Kontrahenten hatten offenbar einen fast unterschriftsreifen Vertrag ausgehandelt, der eine familienfremde operative Führung unter einer Holding vorgesehen hatte, in der beide Streit-Partner vertreten gewesen wären. Konflikte hätte ein Beirat regeln sollen. Damit wären mehrere Gerichtsprozesse erledigt gewesen.

Zu der geplanten Unterzeichnung bei einem Notar ist es allerdings nicht gekommen, angeblich weil Robert Nachbesserungen gefordert haben soll. Daher haben sich beide Kontrahenten am Donnerstag kurzfristig bei Robert getroffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Obwohl dabei Clemens Tönnes erstmals auch die kleine Tochter seines Neffen treffen konnte, gibt es noch immer keinen Familienfrieden. Das geht auch aus einem Brief von Robert an Clemens im Nachgang des Treffens hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. Darin schlägt Robert vor, innerhalb von „drei Monaten“ ein einvernehmliche Lösung für den Konflikt zu suchen. Sollte es bis dahin nicht zu einer Lösung kommen, schlägt er eine Auktion unter den beiden Verwandten vor. Den Kreisen zufolge könnten beide jeweils für den Anteil des anderen bieten. Das höhere Gebot würde siegen.

„Die Auktion hattest Du doch bereits mehrfach selber vorgeschlagen“, schreibt Robert in dem einseitigen Schriftsatz. „Mit diesem Modell wären wir in der Lage, sämtliche Prozesse noch in dieser Woche einzustellen und den Gesellschafterstreit zu beenden.“

Clemens Tönnies will darauf nicht eingehen. „Für Gespräche über einen Verkauf des von Deinem Vater und mir aufgebauten Unternehmens stehe ich allerdings nicht bereit“, schreibt Clemens in einem Antwortbrief, der dem Handelsblatt ebenfalls vorliegt. Er werde das Familienerbe nicht in fremde Hände geben. Er habe eine Auktion nie gefordert. Diese sei von Roberts Anwalt Mark Binz ins Spiel gebracht worden.

Clemens betont in dem Schreiben jedoch auch, dass er die weitgehend ausgehandelte Vereinbarung weiterhin akzeptieren würde. Andernfalls sei er bereit, die Prozesse noch Jahre weiterzuführen.

Ein Sprecher von Clemens Tönnies sagt dem Handelsblatt: „Nun kommt diese 180-Grad-Wende und der Vorschlag das Unternehmen zu versteigern. Clemens Tönnies hat immer betont, dass für ihn ein Verkauf des Familienunternehmens nicht in Frage kommt. Auch wenn die andere Seite offensichtlich Geld erlösen will.“ Ein Sprecher von Robert Tönnies wollte die Vorgänge nicht kommentieren.

Eigentlich hätte der Vertrag am morgigen Samstag unterschrieben werden sollen. Damit wäre die Zeugenbefragung in Bielefeld überflüssig geworden. Jetzt jedoch schlägt Clemens eine 14-tägige Besinnungspause vor. Danach will er die Gespräche wieder aufnehmen – falls sein Neffe zustimmt. Zunächst jedoch geht der Prozess ums Erbe in Bielefeld am Montag ab 10 Uhr im altehrwürdigen Bielefelder Landgericht weiter.

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