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22.07.2008 

In vielen deutschen Unternehmen aber ist die Zentrale noch immer übermächtig. Diese Problematik hat inzwischen auch der Chef von Siemens erkannt. „Wir sind zu eindimensional“, klagte Peter Löscher kürzlich. „Unsere 600 Spitzenmanager sind vorwiegend weiße deutsche Männer.“ Und das, obwohl Siemens über 70 Prozent des Umsatzes längst mit seinen Gesellschaften im Ausland erwirtschaftet.

Löscher wünscht sich, dass ein „richtig guter Chinese das China-Geschäft führt, und ein richtig guter Inder für Indien zuständig“ ist. Ansonsten sieht er die Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr. Löschers Konsequenz: Als Mentor betreut er fortan persönlich junge Führungskräfte unter anderem aus China, Südafrika, Pakistan und Brasilien.

Eine globale Seele für das Unternehmen schaffen und zugleich lokale Vielfalt ermöglichen, erweist sich als schwieriger Balanceakt. Das weiß auch Liu Zhengrong, Personalchef des Spezialchemieherstellers Lanxess aus Leverkusen. „Lanxess hat seine Wurzeln in Deutschland, und dazu stehen wir auch. Dennoch sind die Handlungsleitlinien für die weltweit über 15 000 Mitarbeiter, die ,Formula X’, bewusst international gehalten – damit sich alle Beschäftigten zu 100 Prozent identifizieren können.“

Als „Leitplanken, die weltweit moralische Orientierung geben“, so versteht Dachser-Chef Simon die Werte der Firma. Auch Liu betrachtet ein einheitliches Auftreten und ein weltweites Bekenntnis zu gleichen Grundwerten als sehr wichtig für eine eigenständige Unternehmensidentität. „Dennoch sollten global tätige Unternehmen den einzelnen Ländern genügend Raum für ihre lokalen kulturellen Eigenheiten ermöglichen.“ Das fängt mit ganz kleinen Dingen an: In Spanien etwa müssen auch ausländische Firmen ihre Arbeitszeiten auf die Siesta-Ruhe einstellen, sagt Rasmussen.

Eine bunte Mischung aus Lanxess-Mitarbeitern trifft jedes Jahr zum Sommerfest in Leverkusen zusammen. 60 Mannschaften aus der ganzen Welt nehmen am „Lanxess Fußball Weltcup“ teil. „Da geht es richtig international zu“, schwärmt Liu.

„Wer feiern kann, kann auch arbeiten“, davon ist Bernhard Simon überzeugt. Dachser lädt zu Festen meist auch Angehörige der Auslandsmitarbeiter ein. „Sie sind stolz, ihrer Familie zu zeigen – hier arbeite ich. Das schafft emotionale Bindung. Familie hat in vielen Ländern einen extrem hohen Stellenwert“, betont Simon.

Auch Evonik Industries versuchen, über die Familien der Mitarbeiter weltweit Brücken zu schlagen. Seit vier Jahren gibt es den Schüler-Ferienaustausch „Neue Horizonte“, ins Leben gerufen von Degussa. 665 Mitarbeiterkinder aus Deutschland, China, Brasilien, Australien, Südafrika und vielen anderen Ländern haben teilgenommen. Evonik ist überzeugt: Dieser Austausch stärkt die Bindung der Mitarbeiter zum Unternehmen.

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