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03.03.2008 

Auch an Schimmel zog die Krise nicht vorbei. Der Hersteller war bis in die 90er-Jahre hinein der „VW-Käfer“ der Branche, wie Hannes Schimmel-Vogel beschreibt. In großer Menge fertigten die Braunschweiger einst Klaviere im Mittelpreis-Segment und fuhren damit solange gut, wie die Konkurrenz aus Fernost fernblieb und Klaviere in deutschen Haushalten beliebte Einrichtungsgegenstände waren. Doch das Mittelsegment ist schwer zu verteidigen – gegen Billigkonkurrenz und auf dem insgesamt schrumpfenden Markt.

1885 war die Lage ganz anders. In dem Jahr gründete Wilhelm Schimmel in Leipzig nach der Lehre eine eigene Klavierwerkstatt und wurde wenig später zum „Hoflieferanten für Seine Königliche Hoheit den Großherzog von Sachsen-Weimar“. 1961 übernahm sein Enkel Nikolaus Schimmel die Firma und führte sie zur späteren Blüte.

Als in den 1980er-Jahren die Japaner nach Westeuropa drangen, entschloss sich Schimmel dazu, die Konkurrenten ins Boot zu holen: Mit knapp 25 Prozent ist noch heute Yamaha an dem Familienunternehmen beteiligt. Es sei eine Finanzbeteiligung, man habe keine Kooperationen, sagt Schimmel-Vogel.

Wer Einblick in eine Klavierproduktion bekommt, der ahnt, was die Produkte auszeichnet, zugleich aber das Geschäft schwierig macht: In feinster Handarbeit werden teure Hölzer verarbeitet und lackiert, werden Saiten gezogen und Klaviaturen montiert. In Deutschland lohnt sich das nur für die Herstellung von Flügeln und Klavieren, die höchsten Ansprüchen genügen: hochglänzende, massive Instrumente, die für Konzerthäuser und Künstler bestimmt sind und locker zwischen 30 000 und 100 000 Euro kosten.

Auf solche Premiumprodukte für eine überschaubare Käuferschicht konzentrieren sich heute viele deutsche Klavierbauer. Grotrian etwa baut 600 Flügel und Klaviere im Jahr, etwa die Hälfte davon geht ins Ausland. Schimmel schlug eine Strategie ein, die eine andere Gruppe der verbliebenen Hersteller charakterisiert: Das Unternehmen brach aus der immer enger werdenden Mitte des Marktes aus und positionierte sich mit unterschiedlichen Marken in verschiedenen Preissegmenten. Nikolaus Schimmel hatte in den 90er-Jahren damit begonnen, als die Firma in die Fertigung hochwertiger und teurer Konzertflügel einstieg. Im Jahr 2003 übernahm sein Schwiegersohn Hannes die Führung. Auf diese Nachfolgelösung hatte sich die Familie geeinigt, nachdem keine der drei Töchter an die Spitze wollte. Schimmel-Vogel baut die Firma in der vierten Generation seither weiter um: Das Premiumsegment rückt ins Zentrum der Firma, zugleich platzierte er eine eigene Marke für Einsteiger im unteren Preissegment. Vier Produktlinien mit jeweils eigenem Namen hat Schimmel heute.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die neue Markenstrategie des Unternehmens.

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