Die Intralogistik-Branche kann sich vor Aufträgen kaum retten. Peter Günther, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Fördertechnik, erwartet weiter rasantes Wachstum – und erklärt, warum Nachwuchsmangel und Bankenkriese der Branche nichts anhaben können.
Herr Günther, die Intralogistik-Branche kann sich vor Aufträgen kaum retten. Haben wir den Höhepunkt des Aufschwungs bald überschritten?
Seit nun fünf Jahren überrascht uns jedes Jahr die gute Entwicklung aufs Neue. Natürlich kann sich so ein Boom nicht ewig fortsetzen. Wie der gesamte Maschinenbau ist auch die Intralogistik eine sehr zyklische Branche. Ich glaube aber, dass die derzeitige Aufschwungphase noch nicht vorbei ist. Für dieses Jahr liegt unsere Prognose bei einem Umsatzwachstum von acht Prozent. Wir sind zwar nicht so optimistisch wie für 2007, aber wir werden trotzdem ordentlich zulegen. Für 2009 rechnen wir dann mit einem etwas geringeren Wachstum.
Was war ausschlaggebend für den Boom?
Das war vor allem die gute Weltkonjunktur. Gerade die Intralogistik profitiert von der immer stärker werdenden Vernetzung der weltweiten Warenströme. Viele Länder mussten ihre Technik aufrüsten, oder wie im Fernen Osten sogar erst in ihren Grundzügen aufbauen. In Indien beispielsweise gab es von 2006 auf 2007 eine Steigerung von 100 Prozent.
In den Schwellenländern ist das Geschäft besonders schnell gewachsen. Welche Risiken drohen hier?
Für die Geschäfte unserer Firmen ist die politische Stabilität in diesen Ländern bislang kaum ein Risiko. Eine viel größere Rolle spielt das Thema Plagiate. Früher dachten wir, dass viele technische Lösungen nur schwer zu kopieren seien. Aber in China beispielsweise können Fälscher auch anspruchsvolle Techniken mittlerweile ganz gut nachahmen. Das wird ein immer größeres Problem für unsere Betriebe.
Die USA sind weiterhin das wichtigste Exportland. Dort droht nun eine Rezession. Wie werden die deutschen Unternehmen mit einem Rückschlag auf ihrem größten Auslandsmarkt umgehen?
Wir haben in den USA derzeit mit zwei Problemen zu kämpfen. Zum einen ist da die Bankenkrise. Allerdings spielt diese nur bei größeren Projekten eine Rolle, die eine aufwendige Finanzierung benötigen. Das betrifft nicht das Massengeschäft. Zum anderen gibt es den stark gefallenen Dollarkurs. Doch erstaunlicherweise läuft das USA-Geschäft weiterhin gut. Allein im vergangenen Jahr haben die deutschen Intralogistik-Unternehmen noch einmal 19 Prozent mehr nach Amerika exportiert – und da waren der sinkende Dollarkurs und die Finanzkrise ja schon sichtbar.
Sind die steigenden Energiepreise eine Bedrohung?
Ja und nein. Unseren Betrieben verschafft das zusätzliche Aufträge, weil die Kunden eine bessere Energieeffizienz erreichen wollen und müssen. Das Problem, das mit den steigenden Energiepreisen einhergeht, sind die höheren Transportkosten, die die ganze Logistik verteuern. Ein Bedrohungsszenario könnte sein, dass die Unternehmen mehr auf Insellösungen setzen und die Produktion auf wenige Schwerpunktstandorte konzentrieren – und so die Transportkosten reduzieren. Bisher ist das aber noch nicht sichtbar.
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Der Export ist die Konjunkturlokomotive, aber wie sieht die Marktentwicklung im Inland aus?
Nach einer fast zehnjährigen Nachfragedelle hat der Binnenmarkt angezogen. Ich erwarte hier weiter Impulse, da noch immer ein regelrechter Investitionsstau abzuarbeiten ist. Und der hält noch mindestens bis Ende 2009 an. Die Unternehmen haben gar keine andere Wahl, als ihre Produktion zu modernisieren.
Das hört sich alles sehr optimistisch an. Könnte Ihnen der Nachwuchsmangel einen Strich durch die Rechnung machen?
In der Tat ist es extrem schwierig geworden, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Selbst wir hatten im Fachverband große Probleme, drei Stellen zu besetzen. Die Intralogistik-Branche konkurriert wegen der guten Konjunktur auch mit anderen Wirtschaftszweigen um die wenigen Fachkräfte. Die Belegschaft in unseren Betrieben besteht aus einen relativ hohen Ingenieuranteil – und Ingenieure sind gerade besonders gefragt.
Was wollen Sie dagegen tun?
Wir arbeiten mit den Hochschulen zusammen, um junge Leute für die Intralogistik zu begeistern. Es zeigt sich, dass durch unsere Öffentlichkeitsarbeit der Nachwuchs die Branche stärker wahrnimmt als früher. So ist zum Beispiel der Materialflusskongress an der Universität München eine Plattform mit starker Außenwirkung auf Studenten. Zudem haben wir vor drei Jahren eine Forschungsgemeinschaft gegründet, um mit eigenem Geld industrienahe Forschung zu finanzieren. Dabei beziehen wir auch den Nachwuchs in den Hochschulen mit ein.
Wie steht der Forschungsstandort Deutschland international da?
Kein anderes Land auf der Welt bietet der Intralogistik-Branche eine solch gut ausgebaute Hochschullandschaft wie Deutschland. Wir haben hier 15 Institute, die sich zur Wissenschaftlichen Gesellschaft für Technische Logistik zusammengeschlossen haben – das ist für uns ein wichtiger Kooperationspartner. Aus technologischer Sicht müssen wir uns im internationalen Wettbewerb nicht verstecken.
