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29.11.2007 
Betreibermodelle

Aufträge für die nächsten 30 Jahre

von Florian Vollmers

Die öffentliche Hand schreibt immer häufiger Betreibermodelle aus, so genannte „Public Private Partnership“ (PPP) Modelle. Das Besondere: Neben Planung und Bau sind die Baufirmen auch gleichzeitig Betreiber der jeweiligen Immobilie. PPP-Projekte eröffnen der Baubranche neue Möglichkeiten – doch die Baufirmen müssen lernen, in neuen Zeiträumen zu denken.

BREMEN. Bei der BAM Deutschland AG in Stuttgart knallten Anfang November die Sektkorken. Die mittelständische Baufirma unterschrieb den Vertrag für die Multifunktionshalle in der Ludwigsburger Innenstadt, mit Platz für 7 000 Zuschauer. Das Besondere: Es handelt sich um ein „Public Private Partnership“ (PPP). BAM Deutschland wird die Halle nicht nur bauen, sondern auch betreiben. Der Auftraggeber zahlt dafür regelmäßige Raten. „Die Multifunktionshalle ist unser zehntes PPP-Projekt“, berichtet BAM-Vorstand Alexander Naujoks. „Rund 20 Prozent unseres Umsatzes stammen aus PPP-Aufträgen.“ Und das Unternehmen plant, diesen Geschäftsbereich noch weiter auszudehnen.

Über 70 PPP-Projekte mit einem Investitionsvolumen von über zwei Mrd. Euro wurden bis heute in Deutschland unterzeichnet, mehr als 100 sind in der Vorbereitung. „Die Zahl der Projekte wird noch weiter ansteigen, und PPP wird als ganz normale Beschaffungsvariante der öffentlichen Hand zum Einsatz kommen“, prognostiziert Martin Weber, PPP-Experte bei Pricewaterhouse Coopers. „Der Trend wird sich nicht nur im öffentlichen Hochbau und im Straßenbau weiter fortsetzen, sondern auch im Bereich Krankenhäuser auf uns zukommen.“

Die Politik fördert die Zusammenarbeit zwischen Bauunternehmen und öffentlicher Hand: „PPP muss in Deutschland mehr noch als bisher zum Einsatz kommen“, erklärte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee kürzlich. Es sei effizienter, schon bei Planung und Bau an den Betrieb der Immobilie zu denken. Bereits 2005 hat der Bundestag ein PPP-Beschleunigungsgesetz beschlossen, das Steuerhürden für privat-öffentliche Bauvorhaben aus dem Weg räumt. Auch die für 2008 geplante Unternehmenssteuerreform soll PPP noch einmal begünstigen.

Wie viel günstiger PPP-Projekte sind, zeigt das Beispiel von neun Schulen und Kindertagesstätten, die das Rastatter Bauunternehmen Weisenburger Bau GmbH seit Dezember 2006 im Auftrag der Stadt Halle modernisiert. Hätte die Stadt den Neubau, die Sanierung und den Betrieb über 25 Jahre selbst gestemmt, wäre die Sanierung knapp vier Mill. Euro teurer gewesen, hat eine Studie ergeben. Anfang Dezember werden die ersten beiden Kindertagesstätten in Halle in Betrieb genommen. Zwei weitere folgen Ende 2008.

„Wir begrüßen Public Private Partnerships, weil sie der Bauwirtschaft neue Chancen eröffnen“, sagt Bernd Weisenburger, Geschäftsführer von Weisenburger Bau. Für ihn ist der Auftrag aus Halle das erste PPP-Projekt. „Wir wollen PPP als eigenen Geschäftsbereich ausweiten und hoffen auf die Ausschreibung weiterer Projekte.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Eine Menge Potential.

In Großbritannien beträgt der Anteil von PPP an allen öffentlichen Aufträgen schon zehn Prozent. „Nimmt man sich das zum Vorbild, steckt noch eine Menge Potenzial in deutschen PPP-Projekten“, sagt Weisenburger. Die größte Herausforderung für den Mittelstand sei dabei, die Lebenszyklen der Gebäude von bis zu 30 Jahren einzuplanen. „Das braucht Zeit und einen enormen Aufwand in der Vorausplanung, und es braucht geeignete Partner im Netzwerk, auf die man sich verlassen kann“, sagt Weisenburger. „Für viele Mittelständler ist das neu.“

So sieht das auch Marion Henschel-Bätz, Geschäftsführerin der Herrmann Kirchner Projektgesellschaft mbH in Bad Hersfeld. „Als Mittelständler muss man PPP als eigenes neues Geschäftsfeld aufbauen.“ Das Tochterunternehmen der mittelständischen Kirchner Holding GmbH betreibt aktuell vier PPP-Projekte. Eines davon ist die Modernisierung von drei Schulen im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen. „Der Vertrag über dieses Projekt ist fast 400 Seiten lang“, sagt Henschel-Bätz. „Diese komplexe Vorbereitung war eine Umstellung für uns.“

Dennoch setzt man auch bei Kirchner langfristig auf PPP. Über eine Laufzeit von bis zu 30 Jahren haben die derzeitigen Projekte ein Volumen von 150 Mill. Euro. „Und das Potenzial ist noch riesengroß, bei allein 42 000 Schulen in Deutschland“, sagt Marion Henschel-Bätz. „Wir rechnen damit, in den nächsten Jahren im PPP-Bereich jährlich 30 bis 40-prozentige Wachstumsraten zu erzielen.“

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