Die Automobilzulieferer-Verbundinitiative Sachsen (AMZ) will die mittelständischen Betriebe untereinander vernetzen und die Kontakte zur Wissenschaft vorantreiben. Kleinere Unternehmen sind auf Forschungsverbünde mit Großunternehmen angewiesen – doch vielen mangelt es an guten Kontakten zu Universitäten.
DÜSSELDORF. Claudia Scholta will helfen. Und das setzt die umtriebige Geschäftsführerin der Automobilzulieferer-Verbundinitiative Sachsen (AMZ) auch in die Tat um – wie etwa im Fall der Firma Steffen Söhner in Glashütte.
Konkret: Sie hat den Kontakt zwischen dem Mittelständler und der AB Elektronik aus Werne hergestellt. Mit deren Hilfe konnte Söhner nicht nur das „Leise Gaspedal“ entwickeln, das die Geräusche beim Gas geben deutlich reduziert. Auch das Werkzeug, das zur Herstellung der Erfindung notwendig ist, konnte die Firma herstellen.
Inzwischen hat das neue Produkt Einzug in die Serienfertigung von BMW erhalten. „Aus einem Kunststoffproduzenten ist damit ein innovativer Produktentwickler für die Autoindustrie geworden“, sagt Scholta zufrieden.
Geschichten dieser Art kann die AMZ-Leiterin viele erzählen. Seitdem die Initiative im Jahr 1999 gegründet wurde, hat sie 236 Projekte und damit eine Fülle von Kooperationen angestoßen – beteiligt waren insgesamt 934 Unternehmen. Solche Zusammenarbeit ist wichtig für den Mittelstand. „Innovationen sind die einzige Chance, um in der Autoindustrie voranzukommen“, sagt Scholta. „Über den Preis alleine hat der Mittelstand keine Chance.“
Die AMZ will aber nicht nur die Betriebe untereinander vernetzen, sondern auch die Kontakte zur Wissenschaft vorantreiben. Die Autohersteller in der Region – etwa Volkswagen – sehen die Arbeit des Clusters gern. Die Automanager haben längst erkannt, dass Forschung und Entwicklung (FuE) nicht allein eine Sache der Hersteller und der großen Systemlieferanten sein darf.
„Je mehr Arbeit auf kleinere Unternehmen verlagert wird, desto wichtiger ist es, dass auch sie forschen“, sagt Michael Rothgang, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen (RWI). So komme es durchaus vor, dass Mittelständler nicht nur zur Kosteneffizienz, sondern auch zum Aufbau von Entwicklungsabteilungen gedrängt werden.
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Doch eine eigene Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung zu betreiben, ist gerade für die Mittelständler schwierig. Sie können in der Regel ihre Margen nicht durch Massenproduktion hochschrauben. Deshalb bleibt wenig Geld für Innovationen übrig. Das Institut für Mittelstandsforschung hat vor zwei Jahren herausgefunden, dass Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten ihre FuE-Personalausgaben immer weiter herunterfahren.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt das RWI Essen, das die unterschiedlichen Forschungsstrategien kleinerer und mittlerer Unternehmen und der Großunternehmen erforscht hat. Fazit: Nur ein kleiner Teil der Mittelständler kann es sich leisten, überhaupt FuE zu betreiben. Und für die gilt: „Ihre Möglichkeiten sind beschränkt, da sie naturgemäß über einen geringeren Etat als Großunternehmen verfügen“, sagt Wissenschaftler Rothgang. Den Trend der Internationalisierung in der Forschung können sie nicht mitgehen.Zudem müssen sich die Mittelständler auf die Forschung beschränken, die die bestehenden Produkte verbessert. Neue Technologien zu entwickeln, ist zu teuer.
Meist ist mittelständische FuE daher an die der Konzerne angedockt. „Rein mittelständische Entwicklungskooperationen sind seltener“, sagt Rothgang. Auch die Möglichkeiten von Kooperationen mit Universitäten schöpfen die Betriebe längst nicht aus. „In der Regel gehen Mittelständler nur auf die Unis zu, wenn sie vor ganz konkreten Problemen stehen“, sagt Rothgang.
Software-Riese SAP baut gezielt im Umfeld von Universitäten – wie zum Beispiel in Darmstadt und Dresden – Entwicklungs- und Forschungskooperationen auf, die aus Großunternehmen, Mittelständlern und der Wissenschaft bestehen. Orestis Terzidis, Chef des Karlsruher SAP-Forschungszentrums, gibt mittelständischen Unternehmen zwei Ratschläge: Erstens sollten sie die Nähe zu Hochschulen suchen, um dort mit der Wissenschaft echte Innovationen aufzuspüren.Zweitens sollen sie auf Entwicklungskooperationen mit Großunternehmen setzen, um Innovationen schneller zur Marktreife zu bringen. „Gerade in der IT-Industrie ist die Kooperation der richtige Weg, weil neue Lösungen erst eine gewisse Masse erreichen müssen, um sich durchzusetzen“, so Terzidis. „Ein Mittelständler allein kann dies im Normalfall nicht leisten.“
