Doch eine eigene Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung zu betreiben, ist gerade für die Mittelständler schwierig. Sie können in der Regel ihre Margen nicht durch Massenproduktion hochschrauben. Deshalb bleibt wenig Geld für Innovationen übrig. Das Institut für Mittelstandsforschung hat vor zwei Jahren herausgefunden, dass Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten ihre FuE-Personalausgaben immer weiter herunterfahren.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt das RWI Essen, das die unterschiedlichen Forschungsstrategien kleinerer und mittlerer Unternehmen und der Großunternehmen erforscht hat. Fazit: Nur ein kleiner Teil der Mittelständler kann es sich leisten, überhaupt FuE zu betreiben. Und für die gilt: „Ihre Möglichkeiten sind beschränkt, da sie naturgemäß über einen geringeren Etat als Großunternehmen verfügen“, sagt Wissenschaftler Rothgang. Den Trend der Internationalisierung in der Forschung können sie nicht mitgehen.Zudem müssen sich die Mittelständler auf die Forschung beschränken, die die bestehenden Produkte verbessert. Neue Technologien zu entwickeln, ist zu teuer.
Meist ist mittelständische FuE daher an die der Konzerne angedockt. „Rein mittelständische Entwicklungskooperationen sind seltener“, sagt Rothgang. Auch die Möglichkeiten von Kooperationen mit Universitäten schöpfen die Betriebe längst nicht aus. „In der Regel gehen Mittelständler nur auf die Unis zu, wenn sie vor ganz konkreten Problemen stehen“, sagt Rothgang.
Software-Riese SAP baut gezielt im Umfeld von Universitäten – wie zum Beispiel in Darmstadt und Dresden – Entwicklungs- und Forschungskooperationen auf, die aus Großunternehmen, Mittelständlern und der Wissenschaft bestehen. Orestis Terzidis, Chef des Karlsruher SAP-Forschungszentrums, gibt mittelständischen Unternehmen zwei Ratschläge: Erstens sollten sie die Nähe zu Hochschulen suchen, um dort mit der Wissenschaft echte Innovationen aufzuspüren.Zweitens sollen sie auf Entwicklungskooperationen mit Großunternehmen setzen, um Innovationen schneller zur Marktreife zu bringen. „Gerade in der IT-Industrie ist die Kooperation der richtige Weg, weil neue Lösungen erst eine gewisse Masse erreichen müssen, um sich durchzusetzen“, so Terzidis. „Ein Mittelständler allein kann dies im Normalfall nicht leisten.“
