0 Bewertungen
27.04.2008 

Doch auch wenn Optimismus vorherrscht - ungetrübt ist das Bild nicht. Denn während solide Unternehmen keine Probleme bei der Finanzierung haben, müssen eigenkapitalschwache Betriebe mit strengeren Blicken der Banken - und höheren Zinsen rechnen. Ein Trend, der auch PwC-Mittelstandsexperte Norbert Winkeljohann aufgefallen ist: "Die Kreditinstitute achten verstärkt auf die Einhaltung der Kreditbedingungen." Bei schwächeren Unternehmen nutzten die Banken heute schneller die Chance zum Ausstieg aus einer Finanzierung.

Für Banker wie Detlef Hermann sind solche Ergebnisse keine Überraschung: Das sei weniger ein Resultat der Subprime-Krise, sondern vielmehr Auswirkung von Basel II. Danach ist das Firmen-Rating entscheidend für die Kreditkonditionen. Weil die Banken größere Risiken mit höheren Eigenkapitalanteilen unterlegen müssen, verlangen sie einen Aufpreis für die Finanzierung von kapitalschwachen Firmen.

Für die Unternehmen beginnt damit ein Umdenken: In Deutschland haben das Steuersystem und die enge Bindung zur Hausbank über Jahrzehnte für einen fremdkapitalfinanzierten und chronisch eigenkapitalschwachen Mittelstand gesorgt. Die Finanzchefs mussten mit Basel II die Strategie wechseln - und haben dies größtenteils auch geschafft. Mit den Gewinnen aus dem Aufschwung konnten sie die Eigenkapitalquoten der mittelständischen Unternehmen erhöhen. Zudem werden die Beziehungen zu den Banken häufiger und tiefer. Transparenz statt Geheimniskrämerei gilt nun als Erfolgsformel.

Dresdner-Bank-Manager Hermann beobachtet, dass Mittelständler ihre Finanzierungsstrategien weiterentwickeln, was das alte Hausbanken-Prinzips aufweicht. "Die Unternehmen kennen ihren Finanzierungsbedarf heute genau und setzen alles daran, ihn abzusichern." Auch eine Finanzierung über Private Equity ist für manchen Mittelständler geeignet. "Wir haben mit zwei Kapitalmarktanleihen bis 2014 unsere Finanzierung langfristig gesichert", sagt Ulrike Heuser, Sprecherin des Sanitäranlagenherstellers Grohe.

Mittelständler gehen nicht mehr als Bittsteller in die Verhandlungen. Nicht nur die eigenen Leistungen, auch die Probleme einiger Finanzinstitute machen sie selbstbewusst. Die Kreditwirtschaft hat auf die neue Situation reagiert. So hat die Dresdner Bank das Produkt "Club Deal" auf Mittelständler zugeschnitten, die zwar ihren Finanzierungsbedarf über mehrere Banken abdecken wollen, dabei aber Unterstützung benötigen. Der Vertrag sieht einen Kreditrahmen mit vier Banken vor, mit denen man jederzeit über die Konditionen verhandeln kann. Davon profitierten alle, sagt Hermann. "Der Berater kann das Risiko gut einschätzen und der Unternehmer hat einen kompetenten Partner, der Fehlentwicklungen aufzeigt oder richtige strategische Weichenstellungen bestätigt."

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

weiterHandelsblatt Quiz

Quiz: Risk-Flow: Testen Sie Ihr Frühwarnsystem

Los geht's!Der Spielraum der Finanzjongleure hat sich erheblich verkleinert, die Risikoabsicherung wird immer wichtiger. Kennen Sie sich aus?

weiterStartup

Rosenblütensekt und Blütensalze für Feinschmecker  Artikel in Merkliste

15.09.2008

Vor vier Jahren gründete Diplombiologin und Blütenscout Anja Quäschning die Deutsche Blütensekt Manufaktur. Zu ihren Produkten gehören Rosenblütensekt und Blütensalze, ihre Kunden sind Gastronomen aber auch Privatleute. Das Geschäft mit dem Handerlesenen wächst – nun will Quäschning will die Firma auf Expansionskurs bringen. Artikel


Anzeige