Gerät eine Bank in Zahlungsschwierigkeiten, betrifft das nicht nur die Bank selbst, sondern auch ihre Kunden und jene Banken, die mit dem von der Pleite bedrohten Institut gemeinsame Geschäfte machen. Die Sorge vor einer solchen Kettenreaktion veranlasste den Baseler Ausschuss – ein Gremium aus Vertretern von Zentralbanken und Bankenaufsichten – 1988, die nach ihrem Konferenzort benannten Richtlinien Basel I zu erlassen.
Sie besagen, dass Banken Kredite mit acht Prozent Eigenkapital sichern müssen. Bald wurde klar, dass es weitere Regeln geben muss. So tagte das Gremium 1999 erneut. Die Idee von Basel II besteht darin, den Eigenkapitalbedarf an den Kreditrisiken auszurichten.
Die Folgen für die Banken
Die Regeln von Basel I helfen den Banken: Zahlt ein Schuldner nicht, kann die Bank auf die acht Prozent Eigenkapital, die sie für die Summe aller Kredite vorhalten muss, zurückgreifen. Gut ist daran, dass die Banken das Kreditrisiko systematisch absichern. Doch das System hat auch Tücken: Es sieht keine Differenzierung nach der Bonität des Kreditnehmers vor. Für Kredite an zahlungskräftige Firmen muss daher genauso viel Eigenkapital vorgehalten werden wie für Kredite an weniger zahlungskräftige Firmen.
Mit den Modifikationen von Basel II, die rund 200 Seiten umfassen, soll dieses Problem ausgeschaltet werden. Basel II soll das internationale Finanzsystem stabiler machen. Und zwar in dreierlei Hinsicht: Erstens sollen Banken künftig nicht mehr alle Kreditkunden gleich behandeln, sondern die Kredite je nach Kreditnehmer und Bonität billiger oder teurer machen (Säule 1). Doch auch die Berücksichtigung der Risiken birgt Nachteile: Diese Art der Kreditvergabe veranlasst die Banken ausgerechnet im Konjunkturabschwung, weniger Kredite zu vergeben. Zweitens sollen Aufsichtsbehörden künftig prüfen, ob die jeweilige Bank über eine angemessene Risikobewertung verfügt (Säule 2). Und drittens sollen die Banken darüber hinaus transparenter agieren, das heißt ihre Kriterien für die Risikovorsorge offen legen (Säule 3). Geht es nach dem bislang geltenden Zeitplan, soll Basel II im Jahr 2007 in Kraft treten.
Die Folgen für die Unternehmen sind mindestens ebenso bedeutend.
Das Geschrei war groß, als 1999 die Eigenkapitalrichtlinien von Basel II bekannt wurden. Den meisten mittelständischen Unternehmern war klar, dass ihnen schwierige Zeiten bevorstanden. Und die begannen bereits, lange bevor Basel II überhaupt beschlossen wurde. Kreditgebenden Banken wollten sich mit einmal nicht mehr auf das Wort des Unternehmers verlassen, sondern sie wollen Zahlen, Daten, Fakten und vor allem eine ordentliche Eigenkapitalquote des Unternehmens präsentiert bekommen – schließlich muss die Bank auch Eigenkapital für die Kredite vorhalten. Und gerade damit können die meisten Mittelständler nicht dienen.
Doch das Geschrei hat genutzt: Erstens setzte sich der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für die Mittelständler ein. Zweitens legte sich auch der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, für die Mittelständler ins Zeug und setzte durch, dass die neuen Eigenkapitalregeln nicht dazu führen, dass die Kredite für den Mittelstand zu teuer werden.
