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05.05.2008 
Regenerative Energien

Besseres Klima für die Umwelt

von Anja Müller

Quadratisch, praktisch, ökologisch: Das Familienunternehmen Ritter setzt seit rund 20 Jahren auf regenerative Energien. Für sein Umweltengagement wurde Alfred Ritter früher oft belächelt, heute wollen andere von ihm wissen, wie man ökologisch wirtschaftet. Immer mehr Mittelständler denken beim Thema Klimawandel um.

Alfred Ritter, Vorsitzender der Geschäftsführung der Alfred Ritter GmbH, setzt auf ökologische Unternehmensführung. Foto: ArchivLupe

Alfred Ritter, Vorsitzender der Geschäftsführung der Alfred Ritter GmbH, setzt auf ökologische Unternehmensführung. Foto: Archiv

DÜSSELDORF. Alfred Ritter fühlte sich in Unternehmerkreisen manchmal allein. Der Familienunternehmer in 3. Generation treibt nicht nur das Geschäft mit den bekannten Ritter-Sport-Schokoladen an. Er beschäftigt sich seit dem Atomunfall in Tschernobyl 1986 auch intensiv mit Umweltthemen. Weil er damals keine unbelasteten Haselnüsse mehr kaufen konnte, dachte er um: „Es geht darum, die Industriegesellschaft unabhängig von der Nukleartechnik zu machen.“

Zwei Jahre nach dem Atomunfall gründete er die Firma Paradigma, die thermische Solaranlagen und Holzpellets-Heizkessel entwickelt und baut. Bei Paradigma und deren Tochtergesellschaften in Europa arbeiten 400 Mitarbeiter. In China kommt ein Joint Venture mit einem chinesischen Partner hinzu, das weitere 800 Personen beschäftigt. Mit seinem Traditionsunternehmen Alfred Ritter in Waldenbuch setzte er im vergangenen Jahr 290 Mill. Euro um – mit rund 800 Mitarbeitern. Und auch bei der Schokoladenherstellung setzt Ritter auf ein eigenes Blockheizkraftwerk und Solaranlagen. Zurzeit wächst das Geschäft mit den regenerativen Energien bei Paradigma schneller als das Geschäft mit der Schokolade bei Ritter.

Für sein Umweltengagement wurde Alfred Ritter früher oft belächelt, später bekam er Preise. Heute wollen andere Mittelständler von ihm wissen, wie man ökologisch wirtschaftet. Ritter glaubt, dass die bisherige Zurückhaltung der Unternehmen bei dem Thema historisch bedingt ist. „Früher diskutierten nur linke Kreise über Klimaschutz“, erinnert er sich. „Das war ein echtes Feinbild für die Unternehmer, damit wollten sie nichts zu tun haben.“

Nun aber ändert sich etwas. Immer mehr Mittelständler denken beim Thema Klimawandel um, zeigt eine repräsentative Umfrage unter mehr als 4 000 Eigentümern und Geschäftsführern von TNS Infratest im Auftrag der von der Commerzbank initiierten Initiative „Unternehmer Perspektiven“, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Danach gehört der Klimawandel für mehr als 90 Prozent der Unternehmen zu den wichtigsten Herausforderungen (siehe: Entscheider wollen ökologischer wirtschaften). Ebenso viele sagen, dass die Wirtschaft eine besondere Verantwortung bei diesem Thema trägt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Steigern der Energieeffizienz.

Ritter versucht ständig, die Energieeffizienz in seinen Unternehmen zu steigern und lässt sich auch von hohen Anfangsinvestitionen nicht schrecken. „Das rechnet sich fast immer“, sagt er. Bis zu zehn Prozent mehr dürfen Maßnahmen kosten, die umweltschonender sind als andere, ohne dass die Geschäftsführung zustimmen muss. Wird es teurer entscheidet der Chef selbst.

Uwe Gohrbandt ging weniger idealistisch an das Thema Energiekosten heran. Der Vorstandschef des Automobilzulieferers Erbslöh mit rund 1 700 Mitarbeitern und 263 Mill. Euro Umsatz (2006) in Velbert erinnert sich: „Wir wollten nicht etwas für die Natur machen, sondern hatten ganz einfach betriebswirtschaftliche Zwänge.“ Die Autoindustrie fordert die Einhaltung der Umweltschutznorm 14 001.

„Wir müssen alle Dinge, die wir beim Thema Energie beeinflussen können, auch anpacken, das ist wenig genug“, sagt Gohrbandt. Und das bedeutete bei Erbslöh, vor allem Prozesse energieeffizienter zu gestalten. So wurden zunächst an vielen Stellen Zwischenzähler eingebaut, um den Strombedarf vor allem in den Spitzenzeiten zu ermitteln. „Heute wissen wir zu jeder Zeit, wie viel Strom wir wann und wo benötigen“, sagt Gohrbandt. „Früher konnten wir nur den Stromversorgern glauben...“ Heute hat der Autozulieferer die Spitzenstrombedarfe insgesamt bereits um ein Megawatt gedrückt. So ist es zum Beispiel jetzt technisch gar nicht mehr möglich bei Erbslöh zwei Warmaushärteöfen gleichzeitig einzuschalten, Pro Jahr sparen die Velberter rund 770 Tonnen CO2– umgerechnet entspricht das einem CO2-Ausstoß von 300 Autos.

Doch „es war zunächst gar nicht klar, wann sich die Investitionen in ein Energiemanagementsystem überhaupt rechnen“, sagt Gohrbandt. Das ist laut Umfrage ein Thema das viele Unternehmer zögern lässt, obwohl sie sich durch die stetig steigenden Energiepreise unter Handlungsdruck fühlen. Bei Erbslöh war der Return on Investment bereits nach gut einem Jahr – früher als erwartet – erreicht.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Rolle klimagerechter Produkte.

Erbslöh kann die Energiekosten um fünf bis zehn Prozent drücken. Doch „damit ist die Energie bei uns im internationalen Wettbewerb aber immer noch viel zu teuer mit rund 10 Cent pro Kilowattstunde“, rechnet Gohrbandt vor. „Die Preise liegen in den Nachbarländern zwischen 4,5 und 8,5 Cent.“ Erbslöh sieht den Wettbewerbsvorteil ganz klar beim Energieeinkauf. „Mit unserer Transparenz können wir ganz anders mit den Stromanbietern verhandeln.“

Laut Umfrage ist die Bereitschaft, Energie einzusparen aber noch höher als die, klimagerechtere Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Während Energie in den Unternehmen als Engpassfaktor erkannt wird, tun sich viele noch schwer damit, klimagerechte Produkte anzubieten oder diese an die Kunden zu bringen.

Das bestätigt auch Markus Beumer, im Commerzbank-Vorstand für die Mittelstandskunden zuständig: „Ein Druckpumpenhersteller ärgert sich, weil keiner die umweltfreundlichere teure Pumpe kauft, obwohl sie sich nach zwei Jahren bereits amortisiert.“ Dieses Problem spiegelt sich auch in der Umfrage wieder. Zwei Drittel der Unternehmen mit klimagerechten Angeboten beklagen, dass ihre Kunden nicht bereit sind, dafür mehr zu bezahlen.

Doch neben den Kunden und möglichen Gesellschaftern, die überzeugt werden müssen, dass sich Klimaschutz lohnt, dürfen die Unternehmer auch die Mitarbeiter nicht vergessen, sagt Erbslöh-Vorstand Gohrbandt. Ein Energiesparsystem zu installieren reiche nicht aus, „man muss die Mitarbeiter mitnehmen, sonst funktioniert das nicht“. Bei Erbslöh habe das wunderbar geklappt, sagt der Chef.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Vier Fragen an: Markus Beumer.

„Unternehmer erkennen die Chancen“

Handelsblatt: Laut Umfrage steht das Thema Klimaschutz nun weit oben auf der Agenda. Denken die Mittelständler wirklich um?

Markus Beumer: Ja und nein. Ja, weil es nicht mehr darum geht, ob die Mittelständler in Klimaschutz investieren, sondern eher wann und wie. Nein, denn es braucht noch verlässlichere Rahmenbedingungen.

Sehen die Mittelständler den Klimaschutz als Chance?

Ja, aus dem Risikothema ist ein Chancenthema geworden. Die deutschen Mittelständler sind beim Umweltschutz durchaus erfahrener als ihre europäischen Kollegen. Unserer Mittelständler handeln eher technologiegetrieben, das ist eine wirkliche Stärke.

Laut Umfrage zögern viele, in Klimaschutz zu investieren, weil sie glauben, dass ihre Kunden nicht bereit sind, für klimagerechtere Produkte mehr zu zahlen. Müssen die Mittelständler nicht auch ein wenig in Vorleistung gehen?

Das Problem ist, dass die Kunden der Mittelständler oft nicht die Verbraucher sind, die mittlerweile viel umweltbewusster einkaufen, sondern andere Unternehmen. Dennoch sind die deutschen Mittelständler im internationalen Vergleich vorn. Viele sind bereit, etwas mehr zu investieren, um ihr Geschäftsmodell zukunftsfähig zu machen. Sie denken ja in längeren Zeiträumen, das wirkt sich positiv auf das Klimathema aus.

Finanzieren Sie bei Ihren Mittelstandskunden Klimaschutzmaßnahmen?

Es kommt in der Praxis selten vor, dass Unternehmen ein reines Klimaprojekt finanziert haben wollen. Umwelt- oder Energieaspekte sind immer Teil einer Wachstumsfinanzierung. Viele Mittelständler wollen sich vor allem energiemäßig unabhängiger machen, daher spielt schon heute bei fast jeder Finanzierung das Thema Energie eine Rolle.


Markus Beumer ist Commerzbank-Vorstand, zuständig für den Mittelstand.

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