„Unternehmer erkennen die Chancen“
Handelsblatt: Laut Umfrage steht das Thema Klimaschutz nun weit oben auf der Agenda. Denken die Mittelständler wirklich um?
Markus Beumer: Ja und nein. Ja, weil es nicht mehr darum geht, ob die Mittelständler in Klimaschutz investieren, sondern eher wann und wie. Nein, denn es braucht noch verlässlichere Rahmenbedingungen.
Sehen die Mittelständler den Klimaschutz als Chance?
Ja, aus dem Risikothema ist ein Chancenthema geworden. Die deutschen Mittelständler sind beim Umweltschutz durchaus erfahrener als ihre europäischen Kollegen. Unserer Mittelständler handeln eher technologiegetrieben, das ist eine wirkliche Stärke.
Laut Umfrage zögern viele, in Klimaschutz zu investieren, weil sie glauben, dass ihre Kunden nicht bereit sind, für klimagerechtere Produkte mehr zu zahlen. Müssen die Mittelständler nicht auch ein wenig in Vorleistung gehen?
Das Problem ist, dass die Kunden der Mittelständler oft nicht die Verbraucher sind, die mittlerweile viel umweltbewusster einkaufen, sondern andere Unternehmen. Dennoch sind die deutschen Mittelständler im internationalen Vergleich vorn. Viele sind bereit, etwas mehr zu investieren, um ihr Geschäftsmodell zukunftsfähig zu machen. Sie denken ja in längeren Zeiträumen, das wirkt sich positiv auf das Klimathema aus.
Finanzieren Sie bei Ihren Mittelstandskunden Klimaschutzmaßnahmen?
Es kommt in der Praxis selten vor, dass Unternehmen ein reines Klimaprojekt finanziert haben wollen. Umwelt- oder Energieaspekte sind immer Teil einer Wachstumsfinanzierung. Viele Mittelständler wollen sich vor allem energiemäßig unabhängiger machen, daher spielt schon heute bei fast jeder Finanzierung das Thema Energie eine Rolle.
Markus Beumer ist Commerzbank-Vorstand, zuständig für den Mittelstand.
