Der Kostendruck zwingt Krankenhäuser, wirtschaftlicher zu arbeiten: Eine Chance für Gebäudemanager, in einen neuen Markt vorzustoßen. Doch dazu ist spezielles Know-How nötig, die Dienstleister brauchen mehr Fachleute.
KÖLN. Als die Famis GmbH, ein Facility-Management-Dienstleister aus Saarbrücken, vor über zehn Jahren ins Krankenhausgeschäft einsteigen wollte, stieß sie auf ein Hindernis: „Unser Wissen reichte nicht aus, denn die Krankenhäuser erwarteten neben den üblichen Dienstleistungen zusätzlich medizintechnisches Know-How von uns“, sagt Rainer Vollmer, Geschäftsführer von Hospitec, der Famis-Tochtergesellschaft für das Gesundheitswesen. Mit der Gründung von Hospitec verpasste man sich damals nicht nur den passenden Namen für die neue Sparte, sondern holte auch Fachpersonal an Bord: „Bei uns arbeiten Ingenieure, die Krankenhausbetriebstechnik studiert haben“, sagt Vollmer. „Mittlerweile sind wir dadurch in der Lage, sogar einen kompletten OP-Saal medizintechnisch zu planen.“
Hospitec ist längst nicht der einzige Facility-Management-Dienstleister, der Gesundheitsbetriebe als Kunden ins Visier nimmt. Auch andere Gebäudemanager wagen den Sprung in das Spezialgebiet. Die Auftragschancen stehen gut: „Der Kostendruck zwingt Krankenhäuser dazu, wirtschaftlicher zu arbeiten und deshalb Aufgaben auszulagern“, sagt Sigrid Odin, Sprecherin des Arbeitskreises Krankenhaus im Branchenverband German Facility Management Association (GEFMA).
Horst Gudat, auf Facility Management spezialisierter Berater, formuliert es konkreter: „Der Grund für das Outsourcing von Sekundärprozessen ist für viele Kliniken, dass sie eigenes Personal los werden möchten.“ Kosten würden dann zu Preisen, und die könne man mit einem Dienstleister schließlich verhandeln. Der Nachteil ist allerdings ein erhöhter Kontrollaufwand: „In Krankenhäusern hat man natürlich weit höhere Hygieneanforderungen als in einem Bürogebäude“, sagt Gudat. „Die meisten Klinken führen deshalb gemeinsam mit dem FM-Dienstleister ein Qualitätsmanagement ein.“
Eine andere Besonderheit: Erlöse von Krankenhäusern sind nicht umsatzsteuerpflichtig, demzufolge kann bei Aufträgen an Fremdfirmen auch keine Vorsteuer abgesetzt werden. „Um die Problematik zu umgehen, wählen viele Kliniken ein Organschaftsmodell“, weiß Sigrid Odin von der GEFMA. Dienstleister und Krankenhaus gründen gemeinsam eine Betriebsgesellschaft, die aber mit 51 Prozent bei der Klinik verbleibt. „So wird die Auslagerung betriebswirtschaftlich vernünftig“, sagt Odin.
Bei der Wahl des Dienstleisters entscheidet laut der Expertin oft nur der Preis: „Die Krankenhäuser merken im Nachhinein dann relativ schnell, dass auch die Leistungsqualität sinkt, wenn sie den Preis drücken.“
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Die Aufgaben der Facility Manager reichen weit über die reine Gebäudeinstandhaltung hinaus. Neben Wäscherei, Hol- oder Bringdiensten und Haustechnik kümmern sich die Blaukittel auf Wunsch sogar um die Sterilgutversorgung: „Die Sterilisation ist sehr kostenträchtig, gehört aber üblicherweise nicht zum Kerngeschäft einer Klinik“, sagt Hospitec-Chef Rainer Vollmer. „Wir sehen hier großes Potenzial.“
Ein Musterbeispiel für gelungenes Facility Management in der Gesundheitswirtschaft ist die Kooperation des Münsteraner St.-Franziskus-Hospitals mit dem Dienstleistungsunternehmen Fact GmbH. Für die Entwicklung des Konzepts wurde der Zusammenschluss sogar mit dem Facility-Management-Anwenderpreis 2007 ausgezeichnet. Das Besondere daran: Die Fact GmbH ist eine Ausgründung des Krankenhauses. „Die ehemalige technische Abteilung ist heute ein eigenständiges Unternehmen, das seine Leistungen am Markt anbietet“, sagt Tobias Krüer, Geschäftsführer von Fact.
Begonnen hat der Betrieb mit rund 30 Mitarbeitern, die sich vor allem um die technische Instandhaltung des Krankenhausgebäudes in Münster kümmerten. Nach und nach wurden alle Sekundärprozesse übernommen, heute ist Fact auch für die Reinigung, Gartenpflege, Energiewirtschaft und die logistische Versorgung mit Verbandsmaterial und Operationsbesteck zuständig.
Das Unternehmen mit mittlerweile 740 Mitarbeitern hat sich zum Systemdienstleister im Facility Management gemausert: „Rund 500 Kunden aus dem Gesundheitswesen vertrauen auf unsere Erfahrung“, sagt der Geschäftsführer. Das Vertrauen geht so weit, dass Fact-Mitarbeiter sogar dem Pflegepersonal zur Hand gehen: „Wenn ein Patient eine Wasserflasche braucht oder in den Operationssaal geschoben werden muss, ist nicht immer ein Krankenpfleger nötig“, sagt Krüer – das kann auch ein Mitarbeiter des Dienstleisters.
