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17.06.2008 
Boom der Familienunternehmen

Bleibt alles in der Familie

von Christoph Hardt

Weltweit übernehmen familiengeführten Unternehmen eine Führungsrolle im globalen Kapitalismus. Warum traditionelle Firmen auch für die Zukunft mehr versprechen als börsennotierte Konzerne. Ein Essay.

Gerade in Deutschland werden Unternehmen oft von einer in die nächste Generation weitergereicht. Foto: dpaLupe

Gerade in Deutschland werden Unternehmen oft von einer in die nächste Generation weitergereicht. Foto: dpa

Die Nase, der buchstäbliche Riecher. Als am 28. April 2008 die Nachricht um die Welt ging, dass der Mann mit der beinahe größten und, ökonomisch gesehen, zweifellos besten Nase der Welt Mitte Mai nach Deutschland komme, da war die Aufregung gewaltig. Was Warren Buffett, der legendäre Anleger, der Erfinder des organisierten Gegen-den-Strom-Investierens, wohl wolle im Land des rheinischen Kapitalismus? Wenig später gab er selbst auf Nachfrage die Antwort: Familienunternehmen natürlich.

Mag Buffetts Performance vor einem Monat in Frankfurt auch nicht von direktem Erfolg gekrönt gewesen sein - welcher Patriarch hätte sein Kleinod je schon auf offenem Markt offeriert -, so markiert der Auftritt des Investment-Gurus für die Gemeinde der Weltkapitalisten doch einen Höhepunkt des Geschehens, das sich mit wenig Übertreibung als Renaissance des Familienkonzerns beschreiben lässt. Andere, ebenso berufene Zeitgenossen haben hier schon vom zweiten deutschen Wirtschaftswunder gesprochen.

Das freilich wäre möglicherweise zu kurz gegriffen. Wirtschaftswunder zwei reiht sich ein in eine weltweite Bewegung, die familiengeführten Unternehmen im globalen Kapitalismus eine Führungsrolle zuweist. Ob sich die Mars-Family mit Leichtigkeit ihren Konkurrenten Wrigley einverleibt, ob Ratan Tata Jaguar den Händen von Ford entwindet oder Lakshmi Mittal die Stahlindustrie umkrempelt und mit eiserner Faust nun nach den ergiebigsten Kohlevorräten greift: Es gibt im globalen Rahmen gerade in jüngster Zeit genügend Beispiele, in wie großem Maß familiengeführte Konzerne zu Antreibern des Wandels geworden sind. Dabei benutzen wir hier, das sei vorausgeschickt, die relativ grob gehaltene, aber einschlägige Definition, wonach Familienfirmen die Gesellschaften sind, in denen Nachfahren der Gründer maßgeblich auf die Strategie des Unternehmens einwirken.

Buffett selbst hat kürzlich, nach der Übernahme des israelischen Werkzeugspezialisten Iscar, dargelegt, warum er auf Familienunternehmen umgeschwenkt ist: Sie seien wie er auf langfristigen Wertzuwachs ausgerichtet. Sie glaubten an den Erfolg harter Arbeit und schwörten auf eine starke Unternehmenskultur.

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