19.08.2004

IAS und digitale Steuerprüfung belasten Mittelstand: Bürokratie-Chaos findet kein Ende

Von einem Abbau der bürokratischen Auflagen können die Unternehmen in Deutschland wahrlich nicht berichten. Einen „Supergau für den deutschen Mittelstand“ befürchtet sogar der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU), wenn künftig auch kleine und mittlere Unternehmen dazu gezwungen sein sollten, für ihre Jahresabschlüsse die Regeln der internationalen Rechnungslegung anzuwenden.

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von Hans Eschbach und Siegfried Grass

HB DÜSSELDORF. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht in einem Positionspapier zudem den Mittelstand vor einem „Betriebsprüfungs-Chaos“ bei der Umsetzung der „digitalen Steuerprüfung“.

BDU-Präsident Rémi Redley ist besorgt: „Der Druck auf die Unternehmen, ihre Rechnungslegung umzustellen, wird steigen.“ Ab 2005 sind fast alle deutschen Konzerne, die als kapitalmarktorientiert eingestuft werden können, weil sie Aktien oder Anleihen emittieren, dazu verpflichtet Abschlüsse nach internationalen Regeln (IAS/IFRS International Accounting Standards/International Financial Reporting Standards) vorzulegen.

Redley befürchtet, dass es nicht bei diesem Kreis von größeren Unternehmen bleibt: „Auf mittlere Sicht sind auch die Mittelständler betroffen, wenn sie Kredite benötigen, Investoren oder Käufer suchen oder mit internationalen Konzernen zusammenarbeiten.“ Diese Geschäftspartner würden dann auf IAS/IFRS-Abschlüsse drängen, weil sie hierauf eingestellt sind. Dies aber, so Redley, würde die Mittelständler erheblich belasten, weil die bislang übliche Rechnungslegung nach dem Handelsgesetzbuch zur Ermittlung der Steuern erhalten bliebe.

Der BDU-Präsident stößt damit in dasselbe Horn wie der Saarbrücker Wirtschaftswissenschaftler Karlheinz Küting, der vor einigen Wochen mit Kollegen einen Aufruf veröffentlichte, über Alternativen nachzudenken, um kleineren deutschen Unternehmen den immensen zusätzlichen Aufwand zu ersparen: „Die Argumente, mit denen die internationale Rechnungslegung für kapitalmarktorientierte Konzerne eingeführt wurde, treffen auf Mittelständler nicht zu.“ Diese seien eben nicht auf internationale Finanzmärkte ausgerichtet und könnten sich die entsprechenden Finanzfachleute nicht leisten, wenn sie denn überhaupt zu finden wären. Küting: „Die Diskussion ist eingeläutet!“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Viele Unklarheiten bei digitaler Steuerprüfung

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