Noch stärker als bei den Bauleuten geht die Angst bei Fuhrwerkern um. "Uns erreichen zwar noch keine Meldungen über Einschränkungen bei der Kreditvergabe", sagt Hermann Grewer, Fuhrunternehmer aus Gelsenkirchen und Präsident des Bundesverbandes Güterkraftverkehr (BGL) in Frankfurt. "Wenn es dazu käme, wäre unser Gewerbe eines der Hauptbetroffenen."
Keine wichtige Branche in Deutschland leidet unter einem derart schlechten Ruf, was Zahlungsfähigkeit und Konkursgefahr angeht. "Die Eigenkapitalquote unserer Mitgliedsunternehmen liegt im Schnitt deutlich unter fünf Prozent", klagt Grewer, "entsprechend hoch ist die Abhängigkeit von Bankkrediten." 616 Fuhrunternehmen und Kraftwagenspediteure meldeten 2006 Insolvenz an. Das heißt, rund jeder Hundertste Betrieb ging Pleite.
Bis vor einigen Jahren hatten die Unternehmen in ihren Bilanzen noch stille Reserven vergraben können, indem sie die Fahrzeuge selber kauften, schnell abschrieben und dadurch erreichten, dass der Wiederverkaufswert weit über dem Buchwert lag. Doch damit ist es vorbei, da mittlerweile fast 80 Prozent der Lkw geleast werden.
Eine weitere Ursache für die wirtschaftliche Anfälligkeit ist die ungesunde Unternehmensstruktur, die das Fuhrgewerbe zu einer der kleinteiligsten Branche Deutschlands macht. Nach den jüngsten Statistiken des Bundesamtes für Güterverkehr wuchs der Anteil der Minibetriebe noch weiter an. Großunternehmen wie Fixemer im rheinland-pfälzischen Perl oder Willi Betz im schwäbischen Reutlingen mit weit über 1000 Lastwagen und Trailern gelten nach wie vor als Exoten. So besaßen Ende 2005 etwa 56 Prozent der Fuhrunternehmer maximal drei Fahrzeuge. Ziehen die Banken die Kreditschraube an, liegen die Folgen auf der Hand: Noch mehr Unternehmen würden Pleite gehen, doch Lastwagen würde keine von der Straße verschwinden. Die Überlebenden übernähmen die Fahrzeuge. Es käme zur überfälligen Konsolidierung der zersplitterten Anbieterschar.
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