Lasten bewegen und beherrschen, das ist die Spezialität des Kranbauers Helmut Kempkes GmbH. Seit über acht Jahrzehnten fertigt der mittelständische Betrieb Krane, Elektroseilzüge, Komponenten für den Kranbau und Arbeitsbühnen, die in Fabriken, auf Baustellen und Umschlagplätzen Gewichte heben. Heute liefert das Unternehmen seine Kran-Normteile in über 100 Länder.
KÖLN. Heinz-Helmut Kempkes braucht nur ein Blatt Papier, um zu präsentieren, worin der Trick der KULI-Krane besteht. Mit einer geschickten Handbewegung dreht er das Blatt zu einem Rohr, stellt es senkrecht auf den Tisch und sagt: „Darauf können Sie theoretisch sogar stehen, wenn Sie die Last richtig verteilen. Und genau das ist die Herausforderung.“
Lasten bewegen und beherrschen, das ist die Spezialität des Kranbauers Helmut Kempkes GmbH und seiner Marke KULI-Hebezeuge. Seit über acht Jahrzehnten fertigt der mittelständische Betrieb in seinen Werkhallen in Remscheid Krane, Elektroseilzüge, Komponenten für den Kranbau und Arbeitsbühnen, die in Fabriken, auf Baustellen und Umschlagplätzen Gewichte heben. Und zwar Schwergewichte von bis zu 200 Tonnen.
Regelmäßig verlassen riesige Kolosse von bis zu 43 Metern Länge auf Spezialtransportern den Werkshof am Rande der Remscheider Innenstadt. Am Einsatzort werden diese so genannten Kastenträger zu großen Portalkranen zusammengebaut, wie man sie von Häfen oder Güterbahnhöfen kennt. Oder sie gelangen als Einträger- oder Zweiträgerkrane unter die Decke einer Fabrikhalle und fahren dort auf Schienen hin und her.
KULI-Krane sind landauf, landab im Einsatz: Auf einer Baustelle im Leipziger Bahnhof, bei den Tunnelarbeiten für die Kölner Nord-Süd-U-Bahn oder im ThyssenKrupp-Schweißwerk, wo sie 180 Meter lange Eisenbahnschienen wuchten. Bei einem Brückenbauer lupft ein KULI-Portalkran mit 39 Metern Spannweite riesige vorgefertigte Brückenelemente in die Höhe, als seien es Sahnetörtchen.
„Die Marke KULI steht ursprünglich für den genügsamen, starken Lastenträger“, sagt Heinz-Helmut Kempkes. „Das ist die alte Idee. Heute verstehen wir uns als moderner Komponentenhersteller.“ Das Erfolgsgeheimnis des Remscheider Familienunternehmens liegt in seinem Baukastensystem. „Mit geringem Aufwand lassen sich die genormten Einzelteile zu Spezialanfertigungen zusammenfügen“, sagt Heinz-Helmut Kempkes, „je nach gewünschter Spannweite, Einsatzzweck und den Betriebsbedingungen.“
Der Chef kennt das Handwerk wie seine Westentasche. Mit einem blauen Firmenregenschirm bewaffnet schreitet er durch die Werkhallen und erzählt fachmännisch von Kopfträgern, Unterflaschen, Querschotts und manch anderen Besonderheiten. Bei jedem neuen Begriff hebt sich die Schirmspitze und deutet auf ein Werkstück in der Halle, es reicht nach frischem Lack, die Ventilatoren surren.
Ein neuer Raum, eine neue Schirmgeste, und Heinz-Helmut Kempkes raunt: „Hier beginnt das Leben der Katzen.“ Laufkatzen, so nennen Kranbauer die beweglichen Elektrozüge großer Krane, die an den Stahlträgern entlang gleiten und an denen der Flaschenzug mit dem Haken befestigt ist. Sie sind die eigentlichen Stars im Portfolio des Remscheider Kranbauers. „In dieser Halle werden sie mit Fahrwerken ausgestattet“, sagt Kempkes. „Denn erst, wenn sie sich bewegen können, sind es Katzen.“
Dass das Unternehmen die Getriebemotoren immer noch selbst baut, darauf ist Kempkes stolz. Das erlaube schließlich die direkte Kontrolle und eine hohe Flexibilität bei der Produktion. Rund tausend Katzen gehen jährlich in Remscheid über die Rampe, in großen Holzkisten, auf denen längst nicht nur deutsche Destinationen stehen, sondern auch Dubai oder Mauritius.
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In über 100 Länder liefert das Unternehmen heute seine Kran-Normteile, die Globalisierung ist längst in Remscheid angekommen. „Wir sind seit vielen Jahren im Export sehr aktiv“, sagt Heinz-Helmut Kempkes, „und der Trend schreitet immer weiter fort. Weltweit zählen wir zu den acht führenden Herstellern.“
Der wachsende Welthandel und die gute Konjunktur verschafften dem Remscheider Hersteller prall gefüllte Auftragsbücher. „Der Auftragseingang im ersten Quartal ist noch deutlich höher als das ohnehin schon exzellente Vergleichsquartal des Vorjahres“, berichtet Kempkes. „Inzwischen verlängern sich die Lieferzeiten, der Auftragsbestand ragt bis ins Folgejahr hinein.“
Kempkes kennt als Vorsitzender des Fachverbands Fördertechnik und Logistiksysteme im VDMA die Zahlen der gesamten Branche genau. Im Februar wird es ihn gefreut haben, als er auf der jährlichen Pressekonferenz verkünden konnte, dass die Krane und Hebezeuge im Jahr 2007 mit 19 Prozent Umsatzwachstums die am stärksten wachsende Produktgruppe in der Fördertechnik bildete.
Dennoch ist nicht alles Sonnenschein: Die Konkurrenz aus Fernost wächst, die Stahlpreise erschweren die Kalkulation, und in den letzten Jahren hat es einen deutlichen Konzentrationsprozess auf dem deutschen Markt gegeben. In dieser Situation setzt Kempkes ganz bewusst auf den Standort Deutschland. „So können wir uns mit Qualitätsarbeit von den Billigprodukten absetzen.“
Als Beleg für die Leistungsfähigkeit und Innovationsfreude der deutschen Hersteller präsentierte Kempkes vor drei Jahren einen Elektroseilzug mit einer Tragkraft von 192 Tonnen für ein Projekt in den Vereinigte Arabischen Emiraten – das war Weltrekord. Auch innovative Techniken wie eine automatische Geschwindigkeitskontrolle im Hubwerk sollen den technischen Vorsprung sichern.
Wenn es nach Heinz-Helmut Kempkes geht, bleibt Remscheid noch lange die Geburtsstube der Katzen. „Unsere Standortentscheidung hat sich bisher nur positiv ausgewirkt. Und uns wird es weiterhin gelingen, Marktnischen zwischen den Großkonzernen zu besetzen.“
Vita
1947 wird Heinz-Helmut Kempkes in Duisburg als Sohn des Unternehmers Helmut Kempkes geboren. 1968 beginnt er ein Maschinenbau-Studium an der Technischen Hochschule Darmstadt. Auf das Studium folgt die wissenschaftliche Tätigkeit am Lehrstuhl für Fördertechnik.
1975 steigt Heinz-Helmut Kempkes in die Firma seines Vaters ein – die Helmut Kempkes GmbH in Remscheid.
1982 wird er Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens.
2003 wird Heinz-Helmut Kempkes Vorsitzender des Fachverbandes Fördertechnik und Logistiksysteme im VDMA. Zudem ist er Mitglied des Hauptvorstandes des VDMA, Erster Stellvertreter des Präsidenten im Deutschen Institut für Normung DIN und Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid.
