Der Messestand Deutschland ist weltweit in einer starken Position. Nun gerät der Mittelstand mit seiner zunehmend internationalen Ausrichtung in den Fokus der Messeveranstalter. Wie sich die Messeveranstalter auf die Bedürfnisse der kleinen und mittelgroßen Firmen eingestellt haben.
LEIPZIG. Bei seiner Messestrategie fährt Dietmar Bacher zweispurig. Im Terminkalender des Geschäftsführers der Automotive Cluster Ostdeutschland (Acod) ist neben der IAA die Zuliefermesse Z Leipzig dick angekreuzt. Das länderübergreifende Netzwerk vereint 380 Mitglieder. Die Präsenz auf den Messen soll die Marktchancen der oft kleinen ostdeutschen Automobilzulieferer verbessern.
„Messe ist hauptsächlich Kontaktpflege“, sagt Bacher. „Die Z ist wichtig, damit kleine Unternehmen Ansatzpunkte für Kooperationen finden.“ Auf der Mega-Messe IAA hingegen steht der Kontakt zu Kunden im Vordergrund. „Wir wollen ihnen das Potenzial unserer Mitglieder zeigen.“ Dabei rät Bacher zum Gemeinschaftsstand. „Das ist kostengünstig und hat eine höhere Sogwirkung auf das Publikum als der Mini-Stand irgendwo in der Ecke.“
Mit seiner zunehmend internationalen Ausrichtung gerät der Mittelstand in den Fokus der Messeveranstalter. „Allein auf internationalen Messen hatten wir im vergangenen Jahr 170 000 Aussteller; 130 000 davon waren kleine und mittelständische Firmen“, sagt Harald Kötter, Sprecher des Branchenverbandes Auma. Die Veranstalter haben sich auf die Bedürfnisse der kleinen und mittelgroßen Firmen eingestellt.
So gibt es mittlerweile kaum noch Messen ohne begleitende Veranstaltung – „in allen Varianten“, berichtet Kötter. „Die Verknüpfung von Messen und Tagungen ist sinnvoll, weil Besucher nur einmal reisen müssen. Das kommt besonders kleinen Unternehmen entgegen, wo Zeit und Geld knapp sind.“ Zudem wachse die Zahl komplexer Produkte und Verfahren. Es biete sich an, diese nicht am Stand, sondern auf einem separaten Forum durch Experten vorstellen und erläutern zu lassen.
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Auch dank gutem Service ist der Messeplatz Deutschland weltweit in einer starken Position. Nirgends sonst gibt es so viele internationale Veranstaltungen. Vier der weltweit fünf größten Ausstellungsgelände liegen in Deutschland, und fünf der zehn umsatzstärksten Veranstalter kommen aus der Bundesrepublik. Zwei Drittel der global führenden Messen finden in Deutschland statt; deutsche Veranstalter laden hierzulande in diesem Jahr zu 156 internationalen Messen ein. Die Auma-Mitglieder organisieren zudem jährlich mehr als 200 eigene Messen in ausländischen Wachstumsregionen.
Nicht nur die Veranstalter legen sich für den Mittelstand ins Zeug. Um den Unternehmen den Weg auf den Weltmarkt zu erleichtern, haben viele Bundesländer eigene Förderinstitutionen geschaffen. „Wir präsentieren das Land Sachsen und seine Industrie auf Messen“, sagt Burkhard Zscheischler, Sprecher der Wirtschaftsförderung Sachsen in Dresden. Dazu sind in diesem Jahr 16 Messen weltweit gebucht worden – von China bis Rumänien.
Der Messekalender ist auf die Wachstumsbranchen abgestimmt – von der Cebit über die Metallorabotka in Moskau oder die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin bis hin zur Bio in San Diego. Auch weite Reisen machen sich bezahlt, ist Auma-Sprecher Kötter überzeugt. „Messen sind auch im Internet-Zeitalter ein effizientes Instrument für die B2B-Kommunikation.“
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Drei Fragen an: Wolfgang Marzin
Was können Messen für den Mittelstand leisten?
Sie sind ein Forum, um sich im nationalen und internationalen Wettbewerb zu präsentieren. Zusätzliche Veranstaltungen wie Unternehmertreffen zwischen verschiedenen Ländern oder Kontaktbörsen, eröffnen der einheimischen Wirtschaft weitere Möglichkeiten.
Was sind die wichtigen Trends?
Der Mittelstand ist längst nicht mehr auf regionale oder nationale Märkte fokussiert. Wir bringen internationale Veranstaltungen und Gäste nach Leipzig, verstehen uns aber gleichzeitig als Botschafter für die Region auf internationalem Parkett. Unser Ziel ist, Unternehmen zu helfen, auf fremden Märkten Fuß zu fassen. Dazu bieten wir ein breites Auslandsvertreternetz und Kooperationen in vielen Ländern.
Wie stellen sie sich auf die Bedürfnisse des Mittelstands ein?
Wir nehmen unsere Kunden an die Hand – das geht los bei einer einfachen Buchung. Wir bieten dem Aussteller einen Nutzen-Check. So kann er schon anhand eines Kriterienkataloges prüfen, was ihm die Messebeteiligung bringen wird. Der Aussteller bekommt, wenn er möchte, den Standbau, das Catering und ein Event aus einer Hand. Auch Komplettstände, Pressekonferenzen und vieles mehr kann er buchen. Das ist gerade für kleine Betriebe interessant, die keine Abteilungen dafür haben.
