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01.07.2008 
Firmenhüllen

Der sanfte Weg aufs Parkett

von Peter Köhler und Christoph Schlautmann

Firma ohne Inhalt: Die Deutsche Bank bringt als erstes eine sogenannte "Spacs" an die Börse - und eröffnet damit auch Mittelständlern eine neue Finanzquelle. Ob sich die Finanzinnovation hierzulande durchsetzen kann, ist aber noch unklar.

Florian Lahnstein wird Chef eines börsennotierten Unternehmens ohne Geschäft. Lupe

Florian Lahnstein wird Chef eines börsennotierten Unternehmens ohne Geschäft.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Jetzt fällt auch in Deutschland der Startschuss für eine Finanzinnovation, die sowohl das Geschäft mit Aktienemissionen ankurbeln als auch Kapital für den Mittelstand mobilisieren soll. Mit der "Germany 1 Acquisition Limited" bringt die Deutsche Bank eine zunächst leere Unternehmenshülle an die Börse, die später durch die Beteiligung an einem Mittelständler zum Leben erwachen soll. Die "Special Purpose Acquisition Company" - abgekürzt "Spac" - soll bei institutionellen Geldgebern 275 Mill. Euro einsammeln und in Amsterdam notiert werden.

Da die Investoren eine Art "Blankoscheck" ausstellen und zunächst nicht wissen, an welchen Unternehmen Beteiligungen erworben werden, wurden bekannte Persönlichkeiten für das Management der Mantelgesellschaft gewonnen. Vorstandschef wird der Investmentbanker Florian Lahnstein, der zuvor für Bear Stearns und UBS tätig war, ihm zur Seite stehen der Vorstandsvorsitzende des Einzelhandelskonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, und Roland Berger, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der gleichnamigen Unternehmensberatung.

Die "Spacs"-Initiative sei "politisch gewollt" und stelle einen "schnellen und sanften Weg" für Mittelständler an die Börse dar, so Berger. Das Management ziele auf gesunde Unternehmen und nicht auf Sanierungsfälle, Finanzdienstleister und Internetfirmen blieben außen vor. Für Investmentbanker Lahnstein ist jetzt ein guter Zeitpunkt für den Start von Spacs in Deutschland, weil die Private-Equity-Häuser mangels Krediten durch die Banken in ihrer Aktivität eingeschränkt seien und die klassischen Börsengänge in der Finanzkrise schwierig seien.

Knackpunkt bei den Spacs ist die Vorgabe, dass das Management innerhalb der üblicherweise vorgegebenen zwei Jahre geeignete Ziele für Investments findet. Die Hauptversammlung des Akquisitionsvehikels muss dann dem Einstieg zustimmen. Sollte eine Mehrheit gegen die Übernahme stimmen, wird die Spac-Gesellschaft aufgelöst. Das beim Börsengang eingesammelte Kapital erhalten die Investoren dann mit Zinsen zurück. In den USA gibt es rund 170 Spacs, nur 17 fanden kein Übernahmeziel.

Eine Finanzexpertin meinte gestern, mit Spacs betrete man in Deutschland noch Neuland. Ob etwa Spacs ein Spielfeld für "räuberische Aktionäre" werden, ist unklar. In den USA soll es vereinzelt Fälle gegeben haben, wo sich Investoren ihr Zustimmungsrecht für ein Investment haben abkaufen lassen. Auch könne es zu Interessenkonflikten kommen, wenn eine Bank ein klassisches Private-Equity-Unternehmen berät und gleichzeitig ein Spac-Papier an die Börse bringt. "Das gilt vor allem dann, wenn beide ein Auge auf den gleichen Mittelständler werfen", sagte ein Experte für Börsengänge. Arcandor-Vorstandschef Middelhoff ließ gestern auf Anfrage mitteilen, dass es sich bei der neuen Aufgabe um einen ganz gewöhnlichen Aufsichtsratsposten handele, wie er ihn auch schon bei anderen Unternehmen wahrnehme. Die zeitliche Beanspruchung sei gering, ein Interessenkonflikt ausgeschlossen. Germany 1 werde nicht in Geschäftsfelder investieren, sagte ein Sprecher eines Konzerns, der mit Arcandor in Verbindung steht. Das Management von Germany 1 hat aktuell etwa 140 Firmen mit Unternehmenswerten bis drei Mrd. Euro im Blick, mit rund fünf Kandidaten sei das Management im Gespräch.

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