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03.05.2008 
„Just-in-time-Lieferungen“

Die Lieferung landet direkt auf dem Laufband

von Julia Groth

Nicht nur in der Automobilindustrie verlangen immer mehr Unternehmen „Just-in-time-Lieferungen“. Diese Art der Logistik birgt besonders für Zulieferer mit verschiedenen Kunden Risiken. Schon bei kleineren Lieferpannen drohen empfindliche Doch die punktgenaue Lieferung hat auch einen entscheidenden Vorteil.

KÖLN. Mit komplizierten Kundenwünschen hat die Tübinger Sidler Automotive GmbH &Co. KG Erfahrung. Immerhin kann sie sich seit über achtzig Jahren auf dem Markt der Autozulieferer halten. Auch der Wunsch nach "Just-in-time-Lieferungen" konnte das Unternehmen nicht aus der Bahn werfen: Viele Kunden wollten ihre bestellten Teile plötzlich nicht mehr lagern - sondern exakt dann geliefert bekommen, wenn sie sie brauchten.

Seit zwanzig Jahren liefert Sidler Innenraumleuchten, Aschenbecher und Ablagen für etwa vierzig Prozent der Kunden direkt ans Band - darunter Daimler, Toyota und Ford. Und die haben laut Sidlers Logistikleiter Christopher Goold noch immer nicht genug: "Die Nachfrage nach Just-in-time-Produkten steigt noch."

Reibungslos geht die Lieferart nicht immer vonstatten. Denn den eigenen Produktions- und Lieferrhythmus mit den Rhythmen mehrere Kunden zu synchronisieren, ist gar nicht so leicht. "Alles, was schief gehen kann, ist schon schief gegangen", sagt Goold: Maschinenprobleme, defekte Werkzeuge, Fehler der Mitarbeiter. Bevor beim Kunden das Montageband stillstand, konnte er jedoch noch jedes Lieferproblem beheben.

Nicht nur in der Autoindustrie verlangen immer mehr Unternehmen "Just-in-time-Lieferungen". Zeitlich abgestimmte Lieferungen flexibilisieren nämlich die Serienproduktion nicht nur. Sie senken auch die Kosten, erspart das Liefersystem doch die komplette Lagerung, die sehr gerade bei teuren Bauteilen ins Geld geht. Und wenn Produkte erst einmal falsch gelagert werden oder zu lange liegen bleiben und nicht mehr zu gebrauchen sind, ist der Ärger groß.

Im BMW-Werk in München etwa kommt daher mittlerweile ein Drittel der Teile "just in time" an: Getriebe, Motoren, Türverkleidungen, Scheinwerfer, Bodenverkleidungen und vieles andere. "Lagerhaltung verschlingt einerseits Fläche, die dann für wertschöpfende Tätigkeiten fehlt", sagt BMW-Sprecher Frank Wienstroth. "Zugleich bindet sie Kapital. Und außerdem wird die Flexibilität beeinträchtigt."

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Just-in-time" - ob man will oder nicht

Für die Zulieferer ist das "Just-in-time-System" freilich zunächst mit Risiken behaftet: Denn mit punktgenauen Lieferungen steigt die Gefahr, dass Aufträge bei kleinen Panne nicht mehr pünktlich zu erledigen sind. Und dann drohen Vertragsstrafen. "Anlaufprobleme sind nicht unüblich", bestätigt Logistik-Professor Gerhard Heß von der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg. Zudem ist der Steuerungsaufwand bei Lieferung und Produktion höher, wenn man versuchen muss, im gleichen Takt wie die Kunden zu arbeiten.

Der große Vorteil der "Just-in-time-Lieferungen" für Zulieferer ist allerdings die engere Kundenbindung. Wer stets pünktlich liefert und sich anpasst, macht sich zum bevorzugten Partner - den man ungern wechselt, weil damit oft erst einmal Lieferverzögerungen und Chaos in der Produktion drohen.

Die meisten Zulieferer sehen sich heute gezwungen, "Just-in-time-Lieferungen" anzubieten - ob sie wollen oder nicht. "Der Mittelstand reagiert dabei allerdings oft flexibler als große Konzerne", sagt Logistik-Experte Heß. Ihm sind jedenfalls kaum Fälle bekannt, in denen ein mittelständischer Autozulieferer Existenzprobleme bekam, weil er die Lieferung nicht bewerkstelligen konnte.

Auch die Eissmann Automotive Deutschland GmbH aus dem schwäbischen Bad Urach hat die Umstellung auf den neuen Lieferstandard geschafft. Seit etwa drei Jahren bringt das Unternehmen unter anderem Türverkleidungen für den Porsche Cayman auf die Stunde genau nach Finnland. Jeden Tag macht sich ein neuer LKW auf den Weg nach Norden. Ohne "Just-in-time-Lieferung" hätte das Unternehmen den Auftrag nicht bekommen, erklärt Vertriebsleiter Uwe Eulenberg.

Zwar produziert er schon seit 2003 auf Wunsch punktgenau, die Logistik übernahm aber bis 2005 ein Dienstleister. Die Umstellung war dann vor allem eine Frage der Software. Nach sechs Wochen Lernphase funktionierte alles. Heute läuft die Lieferung für etwa 20 Prozent der Kunden "in time" - was wiederum für volle Auftragsbücher sorgt.

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