Für die Zulieferer ist das "Just-in-time-System" freilich zunächst mit Risiken behaftet: Denn mit punktgenauen Lieferungen steigt die Gefahr, dass Aufträge bei kleinen Panne nicht mehr pünktlich zu erledigen sind. Und dann drohen Vertragsstrafen. "Anlaufprobleme sind nicht unüblich", bestätigt Logistik-Professor Gerhard Heß von der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg. Zudem ist der Steuerungsaufwand bei Lieferung und Produktion höher, wenn man versuchen muss, im gleichen Takt wie die Kunden zu arbeiten.
Der große Vorteil der "Just-in-time-Lieferungen" für Zulieferer ist allerdings die engere Kundenbindung. Wer stets pünktlich liefert und sich anpasst, macht sich zum bevorzugten Partner - den man ungern wechselt, weil damit oft erst einmal Lieferverzögerungen und Chaos in der Produktion drohen.
Die meisten Zulieferer sehen sich heute gezwungen, "Just-in-time-Lieferungen" anzubieten - ob sie wollen oder nicht. "Der Mittelstand reagiert dabei allerdings oft flexibler als große Konzerne", sagt Logistik-Experte Heß. Ihm sind jedenfalls kaum Fälle bekannt, in denen ein mittelständischer Autozulieferer Existenzprobleme bekam, weil er die Lieferung nicht bewerkstelligen konnte.
Auch die Eissmann Automotive Deutschland GmbH aus dem schwäbischen Bad Urach hat die Umstellung auf den neuen Lieferstandard geschafft. Seit etwa drei Jahren bringt das Unternehmen unter anderem Türverkleidungen für den Porsche Cayman auf die Stunde genau nach Finnland. Jeden Tag macht sich ein neuer LKW auf den Weg nach Norden. Ohne "Just-in-time-Lieferung" hätte das Unternehmen den Auftrag nicht bekommen, erklärt Vertriebsleiter Uwe Eulenberg.
Zwar produziert er schon seit 2003 auf Wunsch punktgenau, die Logistik übernahm aber bis 2005 ein Dienstleister. Die Umstellung war dann vor allem eine Frage der Software. Nach sechs Wochen Lernphase funktionierte alles. Heute läuft die Lieferung für etwa 20 Prozent der Kunden "in time" - was wiederum für volle Auftragsbücher sorgt.
