2 Bewertungen **
26.08.2008 
Studie

DIHK: Mindestlohn-Debatte verursacht bereits Personalabbau

von Dietrich Creutzburg

Die geplante Ausweitung von Mindestlöhnen wirft nach einer Erhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) auf dem Arbeitsmarkt bereits dunkle Schatten voraus. Die Mittelstandsbefragung zeigt: Allein die politische Debatte verursacht bereits Personalabbau.

BERLIN. Die geplante Ausweitung von Mindestlöhnen wirft nach einer Erhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) auf dem Arbeitsmarkt bereits dunkle Schatten voraus. Allein schon die politische Debatte über neue Lohnuntergrenzen sorgt offenbar in betroffenen Branchen dafür, dass Unternehmen ihre Personalpläne straffen, wie aus dem neuen DIHK-Mittelstandsreport hervorgeht, der dem Handelsblatt vorliegt. Der Report basiert auf einer Befragung von rund 20.000 Betrieben mit bis zu 500 Beschäftigten. Der Erhebung zufolge wollen zwar noch immer im Durchschnitt mehr Mittelständler Personal aufbauen als abbauen. In einigen Branchen, die besonders im Visier der Mindestlohn-Debatte stehen, hätten sich die Beschäftigungsperspektiven jedoch auffallend stark verschlechtert, berichtete der DIHK. Während der halbjährliche ermittelte Beschäftigungsindex seit Jahresbeginn insgesamt um einen Punkt auf plus sechs Punkte zurückging, sei der Index etwa im Sicherheitsgewerbe um acht Punkte abgestürzt. In der Reinigungswirtschaft, die 2007 in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz aufgenommen wurde, betrage der Rückgang sogar elf Punkte. Der DIHK wertete den Befund als "Alarmsignal" und forderte die Bundesregierung auf, ihre Mindestlohn-Pläne aufzugeben. Die Entwicklung sei "gerade deswegen bemerkenswert, weil einzelne Unternehmen sogar Nutznießer von Mindestlöhnen sind - offenbar überwiegen jedoch die negativen Effekte deutlich", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben dem Handelsblatt. "Das zeigt, dass Mindestlöhne generell und gerade jetzt falsch sind. Sie gefährden Arbeitsplätze." Die Große Koalition will nach der Sommerpause über eine Ausweitung des gesetzlichen Mindestlohn-Instrumentariums entscheiden. Zum einen geht es dabei um eine Aufnahme weiterer Branchen ins Entsendegesetz, mit dem die Regierung tarifliche Mindestlöhne für allgemein verbindlich erklären kann. Zu den davon betroffenen Branchen zählen etwa das Sicherheitsgewerbe, Pflegedienste und die Zeitarbeit. Zum anderen will die Regierung mit einem neuen Mindestarbeitsbedingungengesetz fallweise auch Vorgaben für solche Bereiche erlassen, in denen keine tarifliche Mindestlohnvereinbarung zu Stande kommt.
Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

Anzeige

Mehr schaffen – weniger arbeiten 

29.06.2009IT-Podcast

An vielen Arbeitsplätzen ist es um die Effektivität schlecht bestellt. Das liegt aber meist nicht an unmotivierten Mitarbeitern, sondern an der Ausstattung und Arbeitsweise, die in den Unternehmen vorherrscht. Moderne IT-Technologien und Arbeitsabläufe können zu enormen Effizienzsteigerungen führen. Gut fürs Unternehmen und die Arbeitnehmer. Anhören


weiterHandelsblatt Quiz

Quiz : Firmennachfolge: Der Nächste, bitte!

Los geht's!Tausende Unternehmen stehen in Deutschland jedes Jahr vor einem Generationenwechsel. Die Nachfolge ist nicht nur die Schlüsselübergabe von einem Chef...

weiterBildergalerien

zurück
  • In zehn Schritten zur eigenen Firma

    In zehn Schritten zur eigenen Firma

    Die deutsche Franchise-Wirtschaft boomt: Der Umsatz der Unternehmen stieg im vergangenen Jahr um zehn Prozent. Das Konzept bietet nicht nur den täglichen Duft von frischen Brötchen, sondern auch ein reduziertes unternehmerisches Risiko. Doch wie funktionieren...Bildergalerie 

  • Die fünf Todsünden im Umgang mit B-...

    Die fünf Todsünden im Umgang mit B-Playern

    Nicht jeder möchte in der ersten Reihe sitzen. Gerade die Gelassenheit der so genannten B-Player hinsichtlich der eigenen Karriere wird oft falsch ausgelegt. Ihnen fehlt aber nicht die Motivation für den Aufstieg – sie legen nur keinen Wert darauf. Wichtiger ...Bildergalerie 

  • Optimaler Versicherungsschutz für w...

    Optimaler Versicherungsschutz für wenig Geld

    Versicherungen garantieren Unternehmern einen ruhigen Schlaf. Nur: Viel zu oft zahlen Mittelständler zu hohe Beiträge. Mit einer Überprüfung des Versicherungsschutzes können sie die Prämien deutlich senken. Handelsblatt.com zeigt, wie das geht und sich viel G...Bildergalerie 

vor

 

 

Frage des Tages

Der Bundesregierung zufolge gibt es keine Alternative zu einer Enteignung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate. Teilen Sie diese Einschätzung?

Ja
Nein