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26.04.2008 
Bonitätsprüfung

Ein gutes Rating ziert den Mittelstand

von Ingmar Höhmann

Wer seine Firma von externen Bonitätsprüfern bewerten lässt, hat bei Banken und Kunden oft bessere Karten. Denn die Kreditmarktkrise hat die Finanzierungsbedingungen erschwert. Doch der Aufwand lohnt nicht für jedes Unternehmen.

DÜSSELDORF. Immobilienunternehmer Henry Faktor hat sich ein Rating verpassen lassen, oder besser gesagt: einem seiner Gebäude. Dem Bürokomplex an der Frankfurter Marie-Curie-Straße 30 verlieh die Ratingagentur Feri ein "A" - das ist für Immobilien ein überdurchschnittlich guter Wert. Das Objekt ist das Schmuckstück im Portfolio der Plan Plus Faktor Entwicklungsgesellschaft. Unternehmenschef Faktor schätzt, dass er bei einem Verkauf der Immobilie nun einen um bis zu 15 Prozent höheren Preis verlangen kann als vorher. Das macht bei einem Wert von 110 Mill. Euro eine ganze Menge aus - und das Rating hat nur knapp 30 000 Euro gekostet. "Das ist als ob mir ein Arzt bescheinigt, dass ich gesund bin", sagt der Unternehmer.

Henry Faktor hat für einen Mittelständler etwas Ungewöhnliches getan, denn Rating ist in den meisten Unternehmen ein unbekanntes Thema. Und doch ist es von Bedeutung: Denn die derzeitige Kreditmarktkrise hat die Finanzierungsbedingungen teilweise erschwert. Die Kreditinstitute schauen verstärkt auf die Bonität ihrer Kunden und prüfen, ob diese neue Darlehen auch zurückzahlen können. "Die Banken sind höchst nervös", sagt auch Immobilienunternehmer Faktor. Er könne nur ein sauberes Finanzmanagement anbieten, und dafür sei ein gutes Rating der Schlüssel.

Sein Kalkül: Wer glaubhaft macht, dass er seine Finanzen im Griff hat, kann unter Umständen niedrigere Zinsen bei den Banken aushandeln. Ganz billig ist das allerdings nicht: In der Regel verlangen externe Ratingagenturen mehrere Zehntausend Euro für ihre Dienste. Dazu kommen Folgekosten, da die Prüfer ihre Bewertung der Kreditwürdigkeit regelmäßig auf den neuesten Stand bringen müssen.

Im Grundsatz gilt daher: Je größer ein Unternehmen ist, desto größer ist der Nutzen. Wer neue Finanzierungsquellen suche, beispielsweise durch eine eigene Anleihe auf dem Kapitalmarkt, könne bei einem guten Rating günstigere Konditionen erwarten, sagt Stephan Paul, Vorstand des Instituts für Kredit- und Finanzwirtschaft an der Ruhr Bochum. -Universität

Die meisten Unternehmer allerdings pflegen mit den regionalen Instituten langfristige Beziehungen - und sehen keinen Grund, sich nach Alternativen umzusehen. "Mittelständler, die ihre Finanzen offen legen müssen, sind gegenüber einer fremden Agentur skeptischer als gegenüber ihrer Hausbank, die seit Jahrzehnten der Ansprechpartner ist", sagt Paul.

Ein Fehler - das meint zumindest der Frankfurter Ratingberater Oliver Everling. "Viele Mittelständler haben falsche Vorstellungen: Auch die Hausbank kauft ein Risiko ein, und das immer möglichst günstig", sagt Everling. Seiner Ansicht nach könne ein externes Rating den Anstoß geben, sich nach besseren Kreditangeboten umzusehen, weil es Schwachstellen in der Finanzierung verdeutliche. Zudem habe eine gute Note gegenüber Lieferanten und Kunden Signalwirkung, da sie für Verlässlichkeit stehe, sagt Everling.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Alles andere als eine sichere Investition.

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