Ob sich der Aufwand allerdings lohnt, ist bei den meisten mittelständischen Unternehmen eher fraglich. Denn eine gute Beurteilung der Bonitätsprüfer bedeutet nicht automatisch günstige Kredite bei der Hausbank. Am Ende entscheide die Bank immer nach ihren eigenen Bonitätskriterien - auch dann, wenn der Kunde bereits eine exzellente Bewertung von einer Agentur vorweisen könne, sagt Jörg Greitemeyer, Mittelstandsexperte bei der Strategieberatung Unity. "Das externe Rating hat in der Praxis das bankeninterne Rating nicht ersetzt."
Für mittelständische Betriebe ist es daher alles andere als eine sichere Investition, freiwillig die eigenen Finanzen durchleuchten zu lassen. Das hat sich herumgesprochen: Untersuchungen von Unity zufolge lehnen die Hälfte alle mittelständischen Unternehmen ein externes Rating strikt ab. Einige Agenturen, die ihr Geschäftsmodell auf den Mittelstand ausgerichtet hätten, seien inzwischen wieder vom Markt verschwunden, sagt Greitemeyer. "Der Hype um externe Ratings ist erst einmal verfloge."
Seinen Berechnungen zufolge ergibt eine eigene Bonitätsprüfung nicht einmal für jedes fünfte Unternehmen Sinn. Wer weniger als zehn Mill. Euro Umsatz macht, für den ist ein externes Rating in der Regel zu teuer. Berater Everling schätzt sogar, dass das Thema nur für drei Prozent aller Unternehmen relevant ist - das sind deutschlandweit gerade einmal 100 000 Betriebe.
Für Henry Faktor allerdings hat sich das Rating seiner Vorzeige-Immobilie ausgezahlt. Er ist sogar einen Schritt weiter gegangen - und hat im vergangenen Jahr ein Nachhaltigkeitsrating in Auftrag gegeben. Die Agentur Oekom Research untersuchte die Gesellschaft und ihre Immobilien auf die Einhaltung ethischer, sozialer und ökologischer Standards. Die Note fiel mit "C-" dabei allerdings nicht berauschend aus. Faktor hat nun der Ehrgeiz gepackt: Er will neue Richtlinien für sein Unternehmen aufstellen - und im nächsten Jahr ein besseres Rating erhalten.
