Andreas Astroh ist einer von ihnen. Der Inhaber des Bochumer Küchenspezialisten Astroh hat das HVB-Programm bereits zweimal genutzt. Da sein Unternehmen, das rund 1 000 Mitarbeiter beschäftigt, Möbel und Geräte in fremde Immobilien einbaut und damit die Verfügungsgewalt aufgibt, zögern Banken mitunter mit Kreditzusagen. Deshalb sind Preps für Astroh „eine bankenunabhängige Finanzierung zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis". Das HVB-Angebot hat nicht nur bei Astroh Interesse geweckt, sondern auch Nachahmer angelockt. Im Jahr nach dem Preps-Start legten auch Trinkaus & Burkhardt, der Düsseldorfer Ableger der britischen Großbank HSBC, und die Deutsche Bank ein standardisiertes Programm auf. So werden die Mezzanine-Produkte genannt, weil Geldvergabe und Unternehmen gewissen Normen genügen müssen. Inzwischen ist auch die Commerzbank nachgezogen. Und einige Landesbanken haben ebenso Mezzanine-Finanzierungen in ihre Palette aufgenommen: WestLB, BayernLB und Helaba arbeiten in einem Programm zusammen, LBBW, HSHNordbank und Hamburger Sparkasse in einem anderen.
Rund 4,1 Milliarden Euro sind mittlerweile bei Investoren für deutsche Mezzanine-Programme eingesammelt worden. „Deutschland hat bei standardisierten Programmen eine führende Rolle in Europa", sagt Dirk Plankensteiner, Mezzanine-Experte bei der KfW. Neben den Standardprodukten gibt es individuelle Angebote, die in Maßanfertigung auf die Situation des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten werden. Insgesamt sind in den vergangenen drei Jahren schätzungsweise fast 20 Milliarden Euro an Mezzanine-Kapital Unternehmen in Deutschland zugeflossen.
„Und der Mezzanine-Markt wird weiter wachsen", sagt Oliver Weddrien, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft DZ Equity Partner, die zum Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken gehört. Schließlich habe bisher nur ein kleiner Teil der Unternehmer überhaupt diese Finanzmittel aufgenommen.
Bereits heute gibt es „einen intensiven Wettbewerb auf dem deutschen Mezzanine-Markt", sagt Stefan Boden von der Deutschen Bank. Das hilft den interessierten Unternehmen. Derzeit ist Mezzanine-Kapital nominal zwar teurer als ein klassischer Kredit. Da diese Mittel aber nicht durch Sicherheiten abgedeckt werden, können sie nach Einrechnung aller Kosten unter dem Strich sogar billiger als Darlehen sein. Davon profitieren vermehrt auch kleine Unternehmen. Die Förderbanken kennen seit jeher keine oder nur geringe Umsatzgrenzen, nun senken auch die Geschäftsbanken ihre Einstiegsmarken. Die HVB hat für Preps zunächst nur Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 50 Millionen Euro und mehr angeworben, inzwischen werden auch Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 30 Millionen Euro akzeptiert. Die Deutsche Bank hat ihre Umsatzgrenze sogar von 50 auf 25 Millionen Euro halbiert. Noch stärker hat HSBC Trinkaus & Burkhardt die Grenze gesenkt. Die Düsseldorfer finanzieren nun bereits Unternehmen ab einem Umsatz von 15 Millionen Euro. Die Landesbanken starten ihre Programme hingegen häufig schon bei zehn Millionen Euro.
„Der Mezzanine-Markt für Großunternehmen ist weitgehend gesättigt", sagt Eberhard Brezski von der Nord/LB. Angebote für kleinere Unternehmen wären der logische Ausweg. Zumal die Banken derzeit lieber kleine Summen auslegen, um das Risiko zu streuen. Denn die ersten Unternehmen, die sich mit Mezzanine-Kapital finanziert haben, mussten Insolvenz anmelden. Nach der Nici AG, die das WM-Maskottchen Goleo herstellte, schlitterten auch die Modefirma Hucke und der Schuhhersteller Rohde in die Pleite. Alle hatten Mezzanine-Mittel aufgenommen.
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