Das Unternehmen aus Hattenhofen produziert heute in erster Linie Aluminiumteile. Die Ursprünge der 1867 gegründeten Firma liegen allerdings in der Produktion von Leder für die Möbelindustrie. „Den Trend zum Autoleder hatten wir verpasst“, wie der geschäftsführende Gesellschafter Rudolf Louis Schweizer unumwunden zugibt.
Leder für die Automobilindustrie wurde jahrzehntelang vor allem in Südamerika und Südafrika hergestellt. In den 90er-Jahren entdeckte die Autolederbranche den Produktionsstandort Asien mit seinen Lohnkostenvorteilen.Für die Familie Schweizer bot sich durch die Beteiligung an Isa Tan Tec einen neue Chance ins Autoledergeschäft einzusteigen und gleichzeitig mit überschaubarem Risiko in China zu investieren. Die Familienunternehmer mussten sich weder einem schwer einschätzbaren lokalen Produzenten anvertrauen noch gleich eine eigene Fabrik aufbauen. Beides ist mühsam und riskant, schließlich gibt es keinen ausländischen Investor, der sich nicht vor dem speziell chinesischen „Technologietransfer“ fürchtet.
Für Mittelständler kommt hinzu, dass sie ihre fähigsten Mitarbeiter dringend in der Heimat brauchen. „Wenn ich 500 Leute habe, dann kann ich nicht zehn davon mal eben für ein halbes Jahr nach China schicken“, erläutert Rudolf Louis Schweizer. „Das reißt ein richtiges Loch.“
Dass die Partner Thomas Schneider und Schweizer Group im Reich der Mitte so gut zurechtkommen, ist für Experten keineswegs überraschend, schließlich stimmen die Voraussetzungen: „Gerade Mittelständler sind in China oft erfolgreicher als Großkonzerne“, sagt Harald Kayser, der beim globalen Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen PWC die „China Business Group“ leitet. „Ein wichtiger Grund dafür ist, dass es kleineren Firmen oft besser gelingt, vor Ort persönliche Beziehungen aufzubauen“, sagt Kayser. Ohne solche Beziehungen wie die zu Thomas Schneider geht gerade in China nichts. Seit einem Jahr vermarktet Schneider seine umweltfreundliche Produktionsweise offensiv unter dem Label „Low Impact Environment“. Schließlich legen auch seine Kunden aus der ganzen Welt immer mehr Wert darauf, ressourcenschonend hergestelltes Leder für ihre Schuhe oder Autositze zu verwenden.
Isa Tan Tec wird sogar regelmäßig auditiert, doch auf der politischen Bühne haben Schneider all seine Bemühungen nichts genützt: Auch er muss, wie die Wettbewerber, in Zukunft Einfuhrzoll und Umsatzsteuer auf sein Rohmaterialien bezahlen. Die chinesische Führung will mit der Maßnahme umweltbelastende Exportbetriebe aus dem Land treiben.
Thomas Schneider, der fließend Chinesisch spricht, hatte wegen seines Umweltengagements eine Ausnahmegenehmigung beantragt. „Aber natürlich haben die in Peking gerade andere Prioritäten als eine kleine Gerberei irgendwo in der Provinz.“ Durch die Maßnahme der Regierung verteuert sich das Schuhleder um 17 Prozent – zu viel, um konkurrenzfähig zu sein. Schneider lässt deshalb bereits einen Teil in Vietnam gerben. Bis 2009 soll dort eine neue Fabrik entstehen. Auf die Frage, ob er und seine Frau dann nach Vietnam ziehen, sagt Schneider nur: „Das sehen wir dann.“ Wer in Asien Erfolg haben will, muss eben flexibel sein.
