Auf dem Geschäft mit dem Mittelstand ruhen derzeit die meisten Hoffnungen der Beteiligungsgesellschaften. Da angesichts der Finanzkrise an den Kapitalmärkten die großen Mega-Deals abrupt zum Stillstand gekommen sind, suchen die Private-Equity-Häuser verstärkt ihr Glück bei den kleinen und mittelgroßen Firmen. Warum das neue Spieler anlockt.
FRANKFURT. Bestes Beispiel ist Vestar Capital Partners, eine weltweit tätige Private-Equity-Gesellschaft, die jetzt in München ein Büro eröffnet hat. Im Fokus stehen Management- Buyouts sowie Wachstumsfinanzierungen für Unternehmen mit Bewertungen zwischen 100 Mill. Dollar und fünf Mrd. Dollar.
Hauptgrund für den Boom im Mittelstandssegment sind die versiegenden Kreditfinanzierungen der Banken für die ganz großen Transaktionen im ein- und zweistelligen Milliardenbereich. Die Geldhäuser trauen sich angesichts der Finanzkrise an den Kapitalmärkten eher an die Deals mit einem Volumen von unter einer Milliarde Euro heran. Investmentbanker sagen, Transaktionen bis zu 700 Mill. Euro seien auch weiterhin problemlos zu finanzieren – das würde dann das Gros der Mittelständler umfassen. Thomas Kubr, Managing Director von Capital Dynamics, sagt für den Bereich Wachstumskapital in den kommenden Jahren ein hohes Wachstum voraus. Der rasante Aufstieg des Private-Equity-Marktes werde durch die Verwerfungen an den Kapitalmärkten nur vorübergehend gebremst.
Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Rödl&Partner erwarten die meisten deutschen Beteiligungsgesellschaften ihre Erfolgsaussichten trotz der Kreditkrise positiv. Nach Einschätzung von Dr. Günther Niethammer, Partner von Odewald & Compagnie sowie stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), wird die Studie durch die aktuelle Entwicklung bestätigt: „Der konjunkturelle Aufschwung beflügelt den Kapitalbedarf der Unternehmen und die Investitionsbereitschaft der Beteiligungsgesellschaften. Die gegenwärtige Krise der Kapitalmärkte wird die Attraktivität von Beteiligungskapital weiter erhöhen, weil klassische Kredite verknappt werden.“
Die Beteiligungsunternehmen richten ihre Investitionen laut der Studie stark nach Branchen aus. Die Umwelttechnologie gilt momentan als attraktivste Branche, gefolgt von Medizintechnik/Gesundheit und der Telekommunikations- beziehungsweise Informationstechnik. Unternehmen dieser Branchen haben für Rödl&Partner große Chancen, Finanzierungsfragen durch den Einstieg externer Investoren zu lösen. Schwer haben es nach wie vor die Wirtschaftsbereiche Textil, Bau und Handwerk sowie Immobilien. Diese Branchen weisen nur eine sehr geringe Attraktivität für Finanzinvestoren auf. Insgesamt halten rund 75 Prozent der befragten Private-Equity-Gesellschaften diese Branchen für nicht attraktiv.
Für die mittelständischen Unternehmer bietet die aktuelle Lage viele Vorteile. Ihre Verhandlungsposition hat sich gebessert, weil einem hohen Angebot an Beteiligungskapital ein relativ geringes Angebot an Zielunternehmen zur Verfügung steht. Während die Private-Equity-Häuser in den Boom-Jahren vor allem am Mehrheitserwerb von Firmen interessiert waren, geben sich viele Finanzinvestoren mittlerweile auch mit Minderheitspositionen zufrieden. Außerdem rückt Mezzanine – als Mischform aus Eigen- und Fremdkapital – wieder verstärkt in den Fokus als Finanzierungsalternative.
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Andererseits gehören auch die hohen Bewertungen der Firmen nach der Finanzkrise der Vergangenheit an, überzogene Preise werden die Mittelständler für ihre Unternehmen nur noch selten erzielen. Insgesamt kehrt in den Markt eine Normalisierung zurück, die letztlich für alle Beteiligten Vorteile bringt.
Ebenfalls passé ist die reine Finanzakrobatik, um Firmen zu optimieren. An ihre Stelle tritt jetzt viel stärker als früher das Management des operativen Geschäfts. Strategien für Zukäufe, Markenbildung, Auslandsexpansion und neue Produkte brauchen Kapital, dass Finanzinvestoren bereitstellen können. Hier kann eine Beteiligungsfinanzierung als Alternative zu den klassischen Instrumenten sinnvoll sein.
Die Unternehmer können heute aus einer breiten Palette von Anbietern wählen. Die Beteiligungssummen reichen von einigen hunderttausend Euro bis zu hohen dreistelligen Millionenbeträgen, selten gehen die Transaktion darüber hinaus. Kleine mittelständische Firmen werden in der Regel von Private-Equity-Gesellschaften mit Förderaufgaben oder sparkassennahen Gesellschaften bedient. Klassische, mittelstandsorientierte Private-Equity-Gesellschaften streben dagegen einen Eigenkapitaleinsatz im mittleren einstelligen bis unteren zweistelligen Millionenbereich an. Etablierte mittelständische Unternehmen seien deshalb für klassische Private-Equity-Investoren in der Regel erst ab einem Umsatz über zehn Mill. Euro interessant, heißt es bei den Beratern von Rödl&Partner.
Am schwierigsten ist es für die Unternehmer, unter der Vielzahl der Angebote den richtigen Kapitalgeber herauszufiltern. Normalerweise wird die Branche meistens aus Sicht der institutionellen Geldgeber beurteilt, wobei diese auf die Renditen der Beteiligungsfonds schauen. Das sagt aber wenig darüber aus, wie die Firmen von den Finanzinvestoren behandelt worden sind. Ein Anhaltspunkt kann der Blick in die Vergangenheit sein. Wenn am Ende der Haltedauer einer Beteiligung ein profitables höheres Wachstum erzielt und mehr Arbeitsplätze geschaffen wurden, dann liegen Anhaltspunkte vor, dass die Beteiligungsmanager verantwortungsvoll handeln. Steigt dagegen nur die Verschuldung und werden Firmen innerhalb kürzester Zeit wieder weitergereicht, ist das eher ein negatives Zeichen.
