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31.03.2008 
Vor allem bei international ausgerichteten Unternehmen

Fremdmanager setzen sich durch

von Bert Fröndhoff

Deutsche Familienunternehmen wünschen sich zwar Manager und Nachfolger aus der Familie. Doch in der Realität sind auch hier zu Lande familienfremde Führungskräfte auf dem Vormarsch – vor allem in Firmen, die ein starkes internationales Geschäft haben.

DÜSSELDORF. In deutschen Familienunternehmen gilt eine alte Regel: Am liebsten sieht man einen Manager aus der Familie an der Spitz der Firma – ein familienfremder Chef sei im Grunde nur eine Notlösung. Dass diese Ansicht prinzipiell noch immer gilt, zeigt eine aktuelle Untersuchung der Prüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PWC): 78 Prozent der befragten Familienunternehmer stimmten dieser Aussage über die „Notlösung“ zu, 60 Prozent sagten, man könne „eigentlich nur Familienmitgliedern richtig vertrauen“.

Familieninterne Nachfolge und Führung ist noch immer der große Wunsch vieler Unternehmer. Doch die Realität zeigt, dass vor allem die größeren Familienunternehmen mehr und mehr auf Fremdmanagement setzen: weil geeignete Nachfolger fehlen oder die professionelle Expertise des Managers von außen genutzt werden soll.

Das jüngste Beispiel liefert Unternehmer Adolf Merckle mit seiner weitverzweigten Firmengruppe, die nun zu einer echten Holding umgebaut werden soll. Merckle vertraut nicht etwa einem seiner Söhne die Führung dieser Holding an, sondern holt den Heidelberg-Cement-Chef Bernd Scheifele an die Spitze. Damit nicht genug: Auch bei der Tochtergesellschaft Ratiopharm wird Sohn Philipp Daniel Merckle durch einen weiteren familienfremden Manager an der Spitze ersetzt. Die Merckles ziehen sich damit künftig auf kontrollierende Funktionen im Beirat der Gruppe zurück. Man wolle klar zwischen Familie und Management trennen, die Professionalität bei wichtigen Entscheidungen sichern und „die emotionale Komponente rausnehmen“, begründete Adolf Merkle die Entscheidung. Ein Strategieschwenk, den viele andere große Familienunternehmen bereits vollzogen haben.

Die Öffnung der Familienunternehmen gegenüber externen Managern zeigt sich deutlich. Laut der PWC-Studie besteht das Top-Management heute in 40 Prozent aller Fälle mehrheitlich aus familienfremden Führungskräften. „Je größer ein Familienunternehmen ist und je stärker internationales Geschäft betrieben wird, desto umfangreicher ist der Einfluss familienfremder Führungskräfte“, sagt PWC-Vorstandsmitglied Norbert Winkeljohann. Oft wird eine Kombination gewählt: Ein oder zwei geeignete Familienmitglieder stehen ganz oben an der Spitze, dazu kommen mehrere familienfremde Manager: Miele etwa hat diese Führungsart gewählt – insbesondere, um das internationale Geschäft weiter voranzutreiben. Externe Manager sind bei fast jedem zweiten international tätigen Unternehmen bereits in der Mehrheit, ergab die Untersuchung von PWC. Bei ausschließlich in Deutschland aktiven Familienunternehmen ist dies mit 25 Prozent jedoch nur zu einem Viertel der Fall. Hat ein Familienunternehmen mehr als 500 Beschäftigte, liegt der Anteil externer Top-Manager sogar bei mehr als 60 Prozent.

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