Von Hygieneartikeln und Büromaterial über Presse- und Fachliteratur: Immer häufiger bestellen mittelständische Dienstleister ihre Gebrauchsgüter per elektronischem Einkaufssystem. Mit Online-Portalen und intelligenten Beschaffungssystemen sparen Dienstleister beim Kauf von Büromaterialien.
AUGSBURG. Im Jahre 1991 gründete Jürgen Tschirner den Literatur-Service Leipzig, der Bibliotheken und Behörden mit Büchern belieferte. Seit fünf Jahren kümmert sich die LSL AG auch um den Einkauf mittlerer und großer Unternehmen. Per elektronischem Einkaufssystem bestellen nun Mitarbeiter von Siemens, MAN oder Hochtief ihre Zeitschriften und Bücher bequem vom Schreibtisch aus. Das spart nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch Geld: „Teure Abteilungen für die Beschaffung solcher Materialien gehören der Vergangenheit an“, verspricht LSL-Gründer Tschirner.
Immer häufiger setzen mittelständische Dienstleister auf derartige Strategien. Ob durch Stammkundenrabatt beim Bürospezialisten, Herstellerportale oder elektronische Bestellsysteme für Bücher und Zeitungen – bei so genannten indirekten Gütern können sie dann kräftig sparen. „Jedes mittelständische Unternehmen kann die Kosten für indirekte Materialien um 15 bis 25 Prozent senken“, sagt Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME). Einzelne Artikel können sogar um mehr als die Hälfte billiger werden, weiß der Experte für Materialwirtschaft.
Als Klassiker der indirekten Gebrauchsgüter nennt Geschäftsführer Tschirner Hygieneartikel, Büromaterial – aber eben auch Presse und Fachliteratur. Das erlebt der Geschäftsführer täglich bei seinen Kunden. Bücher und Zeitungen werden dort oft doppelt gekauft. Deshalb schlägt das E-Procuring-System von LSL Mitarbeitern zum Beispiel automatisch vor, sich die Lektüre zu teilen, falls der Kollege nebenan das Buch bereits besitzt oder die Zeitung abonniert hat. Ob er trotzdem ein eigenes Exemplar bestellen will, entscheidet der Mitarbeiter dann selbst. Bezahlt wird automatisch per Gutschriftverfahren. Der Mitarbeiter muss lediglich den Erhalt seiner Bestellung bestätigen. „Bislang lohnt ein solches System allerdings erst ab tausend Mitarbeitern“, sagt Einkaufsfachmann Tschirner. Bei kleineren Firmen sind die Wege meistens schon kurz genug. Extra Software ist dann nicht vonnöten.
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Bei der Ökofeeding GmbH in Berlin setzt man bei der Einkaufsstrategie auf den guten alten Stammkundenrabatt. Bürotechniker Paul Linde von nebenan verkauft Projektmappen und Etiketten außerdem noch einzeln. Gut für das Unternehmen, das gerade mal vier Mitarbeiter beschäftigt. „Linde versorgt eigentlich alle Kleinunternehmer im Kiez mit günstigem Schreibmaterial“, sagt Kai Hösselbarth, Bereichsleiter des Beratungsunternehmens für Landwirtschaft, das nebenbei noch Rollrasen produziert. Statt auf Verträge zu setzen, vertraut man in der Marienburger Straße auf den guten Draht. „Die Zeit der großen Verträge ist vorbei“, sagt Regine Linde, die Frau des pensionierten Gründers und Geschäftsführers des Büroartikelhandels. Zusammen mit ihrem Schwiegersohn und zwei Angestellten managt sie heute den Familienbetrieb. Langfristig binden wolle sich keiner mehr, sagt die Geschäftsfrau: „Die meisten Betriebe beziehen die Ware mittlerweile von Großherstellern.“ Ihre Stammkundschaft setze sich deshalb aus Privateinkäufern und Kleinstunternehmern aus der Nachbarschaft zusammen. Die wiederum bleiben oft jahrzehntelang treu – auch wegen der Rabatte.
Dabei geht diese Strategie nicht immer auf, warnt BME-Experte Hildebrandt: „Großeinkäufe bedeuten nicht automatisch bessere Preise.“ Marktrecherchen würden hier allzu häufig vernachlässigt. Besonders da, wo Verträge oder Online-Kataloge die Bestellung indirekter Einkaufsgüter automatisiere.
Die Neuland GmbH in Eichenzell, ein in Fachkreisen bekannter Hersteller von Seminar- und Schulungsmaterialien, setzt deshalb auf die Kooperation mit Kunden: Jedes Mitglied eines Berater- oder Trainerverbandes kann mittels eigener Zugangsdaten Flipcharts und Trainerkoffer im Neuland-Bestellshop ordern. Und zwar zu günstigen Preisen. Neben der Kundenbindung schafft das Unternehmen so einen direkten Draht zu seinen Kunden: „Die Kooperation mit Verbänden ist sozusagen unser heißer Draht direkt zur Zielgruppe“, erläutert Marketing-Chef Guido Neuland, dessen Vater das Unternehmen vor 40 Jahren gründete. Dabei bestätige sich immer wieder, dass für Neuland-Kunden Qualität höchste Priorität genieße. Nur selten sei der Preis ausschlaggebendes Kaufargument.
