19.01.2005

: Haustarifverträge machen flexibler

Bei Saint-Gobain wird wieder länger gearbeitet: 2 300 von 3 200 deutsche Mitarbeiter des französischen Glasherstellers verlängern ihre Arbeitszeit von 37,5 auf 39,5 Stunden – ohne Lohnausgleich.

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von Hans Eschbach und Handelsblatt

HB DÜSSELDORF. Das steht im neuen Haustarifvertrag, der Anfang November nach harten Verhandlungen – wie es sich für einen ordentlichen Tarifvertrag gehört – in den frühen Morgenstunden unterzeichnet wurde.

Zwar haben Haustarife bei Saint Gobain eine jahrzehntealte Tradition, wie Deutschland-Geschäftsführer Reinhard Runte erzählt. Dennoch waren die Verhandlungen, die sich über vier Monate hinzogen, auch diesmal wieder „hart, aber fair“. Runte unterzog sich dieser Mühe, weil ein Flächentarifvertrag, wie in der Chemieindustrie, „für uns derzeit nicht verkraftbar wäre“.

Dabei ist es nicht nur der externe Wettbewerb, der dem Aachener Unternehmen zu schaffen macht: „Es gibt bei uns einen enormen Wettbewerb der Tochterunternehmen untereinander, und zwar weltweit“, sagt Runte. Mit dem jetzigen Vertrag, der wie der Flächentarif mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) abgeschlossen wurde, fühlt er sich stark genug, seine höheren Löhne durch eine größere Produktivität auszugleichen. Die Mitarbeiter erhalten rückwirkend zur Jahresmitte eine Einmalzahlung von 200 Euro sowie eine Gehaltserhöhung von 1,25 Prozent und 15 Euro; die Laufzeit beträgt 24 Monate.

Nicht alle Unternehmen können auf so gute Erfahrungen mit Haustarifen zurückblicken. „Manch einer hat sich eine blutige Nase geholt“, berichtet Friedrich Fratschner, Geschäftsführender Partner bei der Managementberatung Baumgartner & Partner in Hamburg mit Blick auf Mittelständler, die besonders gerne mit dem Thema Haustarifvertrag liebäugeln. Denn einerseits versuchten die Gewerkschaften, mit denen der Haustarif abgeschlossen werden soll, die Arbeitgeber im Flächentarif zu halten, indem sie dafür sorgten, dass der davon abweichende Unternehmer nicht mit einem günstigen Abschluss davonkomme. Damit wolle man andere Unternehmen von der Nachahmung abhalten. Andererseits unterschätzten mittlere Unternehmen, wie groß der Aufwand für eine individuelle Regelung sei, warnt Fratschner.

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