Im Kampf um Nachwuchskräfte kommt es auf die richtige Personalstrategie an. Mittelständler basteln an Konzepten, wie sie den Nachwuchs möglichst frühzeitig an sich binden können – und bieten schnellere Aufstiegschancen als Konzerne. Wie sich mittelständlische Unternehmen bei Fachkräften und Uni-Absolventen gegen Konzerne behaupten.
DÜSSELDORF. Nach dem Abitur zog es Dietrich Kanz zunächst an die Uni. Der heute 28-Jährige studierte zwei Semester Informatik an der TU München, merkte aber schnell, dass die Hochschule nicht das Richtige für ihn ist. Deshalb bewarb er sich beim Münchner IT-Unternehmen Consol und ließ sich dort zum "Fachinformatiker für Systemintegration" ausbilden.
Die Ausbildung in dem mittelständischen Unternehmen hat für Kanz viele Vorteile: Anders als in einem Konzern übernahm er schon früh eigenständige Projekte. Zurzeit etwa baut Kanz ein Team zur europaweiten Kundenbetreuung von verschiedenen Apple-Systemen auf, vor allem für Film- und Fernsehproduktionen: "Jeder hat hier die Chance, sich nach seinen eigenen Fähigkeiten zu entfalten", schwärmt er.
Dass Nachwuchskräfte früh Verantwortung übernehmen können, ist ein großer Vorteil der Mittelständler im Kampf mit den Konzernen um Nachwuchskräfte. Gerade in der boomende IT-Branche ist esschwierig, Fachkräfte zu finden. Allein in diesem Jahr soll die Zahl der Beschäftigten um 4 000 auf 820 000 steigen.
Als mittelständisches Unternehmen hat sich Consol deshalb ein Personalmarketing-Konzept ausgedacht. Seit 1999 bildet das Unternehmen Fachinformatiker aus, deren Schwerpunkte Programmieren oder Systemadministration sind und die einen IHK-Abschluss erwerben. "Wir gehörten zu den ersten, die diese Ausbildung angeboten haben", sagt Geschäftsführerin Andrea Stellwag.
Die Bilanz nach neun Jahren ist gut: Von den bislang 28 Auszubildenden wurden 23 übernommen, drei sind noch in der Ausbildung. "Unsere Mitarbeiter bekommen bei uns die größtmöglichen Freiheiten", sagt Stellwag.
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Das Unternehmen hält seine Leute auch mit hohen Gewinnbeteiligungen bei Laune - und macht keinen Unterschied zwischen Mitarbeitern mit Berufsausbildung und Uni-Absolventen. Die Stellen werden rein nach Leistung vergeben. Auf diese Weise gelingt es vielen mittelständischen Unternehmen, sich gegen Konzerne zu behaupten. Zwar sind die Gehälter dort oft höher und die internationale Ausrichtung ist stärker ausgeprägt, doch dafür sind die Hierarchien bei einem Mittelständler viel durchlässiger.
Dennoch bewerben sich viele der Nachwuchskräfte bei Großunternehmen, weil sie viele Mittelständler nicht kennen. "Es kommt deshalb auf die richtige Personalmarketing-Strategie an", sagt der Essener Unternehmensberater Malcolm Schauf. Zu ihr gehören nicht nur Angebote in der Berufs- und Weiterbildung. Viel Potential stecke laut Schauf auch in der gezielten Akquise von älteren Mitarbeitern und Frauen, die in typischen "Männerberufen" arbeiten.
So wie in der IT-Branche basteln auch andere Mittelständler an Konzepten, wie sie den Nachwuchs möglichst früh an sich binden - und das bei Fachkräften wie auch bei Uni-Absolventen. Matthias Getzlaff, kaufmännischer Leiter des Bohreinheiten-Herstellers Johannes Lübbering stellt vor allem die gute Arbeitsweise bei Mittelständlern heraus. "In Konzernen kümmern sich die Mitarbeiter oft nur um Teile der Produktionsketten, bei uns begleiten sie das Produkt oft vom Anfang bis zum Ende."
Gute Mitarbeiter bekomme der ostwestfälische Betrieb aber auch oft über einfache Mundpropaganda, sagt Getzlaff. So absolvieren viele Studenten aus der Region ihr Praktikum bei Lübbering und empfehlen die Firma dann weiter. Wenn das Unternehmen feststellt, dass ein Student gute Arbeit macht, schließt es einen Vorvertrag ab. "Wir bieten etwa eine finanzielle Unterstützung für das restliche Studium an, wenn er sich nach dem Abschluss für zwei Jahre an uns bindet", sagt Getzlaff.
Auch Consol-Mitarbeiter Kanz wird von seiner Firma bei seinem Neueinstieg ins Studentenleben unterstützt. Neben der Arbeit studiert er Betriebswirtschaft an einer Fernhochschule. "Das Studium gefällt mir heute besser als damals", sagt der angehende Fachinformatiker, "denn jetzt weiß ich, wie ich die Inhalte im Beruf anwenden kann."
