Das Unternehmen hält seine Leute auch mit hohen Gewinnbeteiligungen bei Laune - und macht keinen Unterschied zwischen Mitarbeitern mit Berufsausbildung und Uni-Absolventen. Die Stellen werden rein nach Leistung vergeben. Auf diese Weise gelingt es vielen mittelständischen Unternehmen, sich gegen Konzerne zu behaupten. Zwar sind die Gehälter dort oft höher und die internationale Ausrichtung ist stärker ausgeprägt, doch dafür sind die Hierarchien bei einem Mittelständler viel durchlässiger.
Dennoch bewerben sich viele der Nachwuchskräfte bei Großunternehmen, weil sie viele Mittelständler nicht kennen. "Es kommt deshalb auf die richtige Personalmarketing-Strategie an", sagt der Essener Unternehmensberater Malcolm Schauf. Zu ihr gehören nicht nur Angebote in der Berufs- und Weiterbildung. Viel Potential stecke laut Schauf auch in der gezielten Akquise von älteren Mitarbeitern und Frauen, die in typischen "Männerberufen" arbeiten.
So wie in der IT-Branche basteln auch andere Mittelständler an Konzepten, wie sie den Nachwuchs möglichst früh an sich binden - und das bei Fachkräften wie auch bei Uni-Absolventen. Matthias Getzlaff, kaufmännischer Leiter des Bohreinheiten-Herstellers Johannes Lübbering stellt vor allem die gute Arbeitsweise bei Mittelständlern heraus. "In Konzernen kümmern sich die Mitarbeiter oft nur um Teile der Produktionsketten, bei uns begleiten sie das Produkt oft vom Anfang bis zum Ende."
Gute Mitarbeiter bekomme der ostwestfälische Betrieb aber auch oft über einfache Mundpropaganda, sagt Getzlaff. So absolvieren viele Studenten aus der Region ihr Praktikum bei Lübbering und empfehlen die Firma dann weiter. Wenn das Unternehmen feststellt, dass ein Student gute Arbeit macht, schließt es einen Vorvertrag ab. "Wir bieten etwa eine finanzielle Unterstützung für das restliche Studium an, wenn er sich nach dem Abschluss für zwei Jahre an uns bindet", sagt Getzlaff.
Auch Consol-Mitarbeiter Kanz wird von seiner Firma bei seinem Neueinstieg ins Studentenleben unterstützt. Neben der Arbeit studiert er Betriebswirtschaft an einer Fernhochschule. "Das Studium gefällt mir heute besser als damals", sagt der angehende Fachinformatiker, "denn jetzt weiß ich, wie ich die Inhalte im Beruf anwenden kann."
