Eigentlich müsste sich die Baubranche freuen, denn sie hat 2007 endlich eine lange Durststrecke überwunden. Zwischen 1995 und 2006 sank der Umsatz von 116 Mrd. auf 80 Mrd. Euro, die Zahl der Beschäftigten halbierte sich auf 711 000. Seit Mitte 2005 geht es nun wieder aufwärts, 2006 schlug der Aufschwung in einer wahren Auftragswelle dann voll durch. Und traf viele Firmen völlig überraschend, die ihre Kapazitäten auf die Dauerkrise eingestellt hatten. Großkonzerne wie Hochtief profitieren von der Investitionslust des verarbeitenden Gewerbes und des Handels. Die kleineren Unternehmen freuen sich über den anhaltenden Boom am Wohnungsbaumarkt. Seit der Wiedervereinigung hat die Branche einen solchen Aufschwung nicht mehr erlebt, wären da nicht die hohen Rohstoffpreise, die kaum ein Auftraggeber übernehmen will.
Besonders Firmen, die sich während der noch schwachen Baukonjunktur vor zwei Jahren auf Fixpreise für langfristige Projekte eingelassen haben, stöhnen nun unter den Kosten für das Baumaterial. Gerne würden sie diese zumindest zum Teil an die Auftraggeber weiterreichen.
Doch das bleibt meist Wunschdenken. „Leider müssen wir feststellen, dass unsere Bauherren den Einfluss der Weltwirtschaft auf die Baupreise in Deutschland noch nicht richtig wahrnehmen“, ärgert sich Hauptverbandspräsident Keitel.
Aus der Sicht der Unternehmen gäbe es durchaus Möglichkeiten, die Risiken zu teilen, etwa durch so genannte Preisgleitklauseln, bei der die Auftraggeber einen Teil der Preissteigerungen übernehmen, die wiederum am Kapitalmarkt etwa durch Hedgefonds abgesichert würden. Die Unternehmen seien jedoch im Moment nicht in der Lage, solche Preissicherungsgeschäfte durchzuführen, weiß Hauptverbandsexperte Heiko Stiepelmann. „Für Projekte, die über ein Jahr laufen, finden sie keinen Partner, der ihnen das finanziert.“
