Deutsche Firmen sind bei Unternehmen aus China und Indien begehrt. Die geringen Transaktionszahlen täuschen, da Ausländer, die schon deutsche Firmen besitzen, häufig über ihre Töchter akquirierten.
FRANKFURT. Als die Rohstoffpreise in die Höhe kletterten und die Konkurrenz härter wurde, stieg Siegfried Pilz aus. Sechs Euro für ein Kilo Edelstahl, damit konnte der Mittelständler aus der Nähe von Bremen im Wettbewerb nicht mehr bestehen.
Dabei kennt jeder die Produkte der Norddeutschen: Sie produzieren Rohre für Treppenhausgeländer, Balustraden für Balkone und die Bleche für Küchenzeilen und Abzugshauben. "Aber wir hatten keine Chance mehr gegen die Großkonzerne", sagt Verkaufsleiter Oliver Köster. Gesucht wurde: ein Investor. Gefunden hat ihn Wei Wang, China-Experte der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte. Seit vier Jahren bringt der chinesischstämmige Berater Investoren aus dem Reich der Mitte und deutsche Mittelständler zusammen. In Bremen bekam Minmetals im September den Zuschlag, Chinas größter Stahlhändler.
Kein Einzelfall: Immer mehr deutsche Mittelständler werden von Ausländern vornehmlich aus Indien und China aufgekauft. "Wir hatten bisher eine Handvoll Mandate", sagt Markus Loy, Chef der WGZ Corporate Finance-Beratung, "aber die Nachfrage wächst rasant".
Die geringen Transaktionszahlen täuschten, da Ausländer, die schon deutsche Firmen besitzen, häufig über ihre Töchter akquirierten. Aber nicht nur chinesische, auch indische Investoren wollen deutsche Mittelständler kaufen - und inzwischen auch solche aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Doch während die Asiaten vor allem den Technologietransfer schätzen und neue Vertriebskanäle suchen, sind die Deals für die Investoren aus dem Nahen Osten eher strategischer Natur.
"Die Chinesen interessiert die Marke Made in Germany, das hat einen hohen Stellenwert in China", sagt Wei Wang. Vor allem der deutsche Maschinenbau hat es den Investoren aus dem Reich der Mitte angetan, aber auch erneuerbare Energien aus Sonne und Wind sowie Bahntechnik sind begehrt. "In China boomt der Maschinenbau derart, dass die Nachfrage sich über Importe aus Deutschland allein nicht mehr befriedigen lässt", so Wang.
Befürchtungen deutscher Arbeitnehmer, dass nach Übernahmen ihre Arbeitsplätze nach China abwandern, seien deshalb unbegründet. Auch das deutsche Management würde meist übernommen. So wie beim Stahlveredler aus Bremen. Dort haben die neuen Chefs gleich noch die umliegenden Areale gekauft und wollen in den kommenden Jahren kräftig expandieren und Arbeitsplätze schaffen. Doch nicht nur die Chinesen interessierten sich für den Mittelständler. Auch Bieter aus Indien zeigten Interesse.
"In der Regel zahlen die Chinesen rund 20 Prozent mehr als andere Interessenten", so die Erfahrung von Deloitte-Berater Wang. Damit kompensierten sie häufig Nachteile wie mangelnde Englischkenntnisse. Meist sind es Sanierungsfälle, oft deutsche Geschäftspartner, die man schon länger kennt.
Auch die Inder drängen nach Deutschland. Sie kaufen vor allem Automobilzulieferer und Pharmaunternehmen, interessieren sich aber auch für Anbieter erneuerbarer Energien. Ihnen geht es vor allem um die Vertriebskanäle. Den Markteintritt lassen auch sie sich oft zwischen 20 und 25 Prozent Aufschlag kosten.



