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25.06.2008 
Krise bei Automobilzulieferer

Karmann kassiert Niederlagen in Serie

von Mark C. Schneider

Die Osnabrücker Traditionsfirma Karmann bleibt in der Krise. Im Duell gegen den Konkurrenten Magna Steyr verlor sie zuletzt einen wichtigen Auftrag - denn der österreichische Rivale hat einige entscheidende Vorteile.

Ein Relikt aus besseren Zeiten: Der Karmann Ghia.Lupe

Ein Relikt aus besseren Zeiten: Der Karmann Ghia.

HANNOVER. Wenn sich heute Vormittag im Osnabrücker Gewerbegebiet Fledder die Gesellschafter von Karmann versammeln, ist das ein Familientreffen. Nicht einmal zehn Vertreter der drei Stämme Battenfeld, Boll und Karmann entscheiden über die Geschicke des Automobilzulieferers. Im Anschluss tagt der Aufsichtsrat, dann kommen Vertreter von Betriebsrat und IG Metall dazu. Auch Geschäftsführer Peter Harbig ist dabei. Doch der jährliche Pflichttermin ist diesmal alles andere als Routine: Seit dem 9. Juni ist klar, dass die Erben von Wilhelm Karmann darüber nachdenken, das Traditionsunternehmen zu verkaufen - scheibchenweise, aber auch in Gänze. Arbeitnehmervertreter und Gewerkschafter fordern von den Gesellschaftern, die Verkaufspläne zurückzunehmen.

Das Geschäft mit den Cabriodächern läuft hervorragend, aber die Lohnfertigung - seit den Zeiten des legendären VW-Coupés Karmann Ghia eine Osnabrücker Spezialität - steht vor dem Aus. Ursprünglich wollte Harbig den Fahrzeugbau schließen, falls bis zum 30. Juni kein neuer Auftrag vorliege. Er hat die Frist auf Druck von Betriebsrat und Gewerkschaft zwar verlängert, aber die Lage bleibt weiter bedrohlich.

Die Lohnfertigung von Nischenfahrzeugen wie Coupés und Cabrios ist seit Jahren rückläufig. Die Konzerne holen Aufträge zurück, um die eigene Fertigung auszulasten (siehe unten). Und selbst das klappt nicht grenzenlos, wie das Beispiel BMW zeigt: Karmann liefert das Dach für das 1er Cabrio der Bayern, das Auto baut der Hersteller aber selbst in seinem Leipziger Werk. Trotzdem streicht BMW 3 100 Jobs in der Stammbelegschaft. Auch VW stellt ein neues Golf Cabrio im eigenen Verbund her, Traditionspartner Karmann geht leer aus.

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