Facility Manager sorgen nicht nur für die Gebäudeverwaltung - die Dienstleister übernehmen immer Aufgaben, wie die Wartung von Produktionsanlagen oder die Pflege des Fuhrparks. Viele Unternehmen scheuen sich aber noch, die Kontrolle abzugeben.
KÖLN. Wer die M+W Zander GmbH in Stuttgart mit dem Facility Management beauftragt, bekommt nicht nur die Gebäudeverwaltung: „Es steckt weit mehr dahinter als das reine Managing von Sekundärprozessen“, sagt Ricarda Berg, Geschäftsführerin von M+W Zander. „Wir bieten Dienstleistungen in nächster Nähe des Kerngeschäfts, die unsere Kunden in ihrem Tarifgefüge teuer bezahlen müssten.“ So beschäftigen sich die 4 100 Mitarbeiter der Facility-Management-Sparte neben dem Wechseln von Glühbirnen und dem Entsorgen von Abfall auch mit der Wartung der produktionstechnischen Anlagen und der Fuhrparkautos. „Oft können wir als externer Dienstleister zusätzlich noch interne Prozesse optimieren, sozusagen alte Zöpfe abschneiden, die man im Unternehmen gar nicht mehr wahrnimmt“, sagt Berg. Die Kunden von M+W Zander kommen aus vielen Branchen: Finanzdienstleister, IT-Unternehmen, Automobilbauer und Chiphersteller gehören dazu. „Die Chemie- und Pharmaindustrie sowie die Gesundheitsbranche sind zögerlicher mit dem Outsourcing“, sagt Berg.
Infografik: Die größten Facility-Management-Anbieter in Deutschland
Und nicht nur die: Deutsche Unternehmen erbringen immer noch rund die Hälfte der Facility-Management-Dienstleistungen mit eigenen Mitarbeitern. Dabei sind die Vorteile des Auslagerns von Sekundärprozessen eindeutig: „Unternehmen reduzieren sowohl Kosten als auch Risiken, wenn sie externe Facility Manager beauftragen“, sagt Georg Wiesinger, Professor für Gebäudemanagement an der Fachhochschule Mainz. So bekomme man das geballte Know-How des Dienstleisters und habe gleichzeitig das Personalrisiko nicht mehr im eigenen Haus.
Zudem lassen sich Einkaufsvorteile realisieren: „Selbst Toilettenpapier ist günstiger, wenn es ein Dienstleister kauft, weil er Mengenrabatte besser nutzen kann“, sagt Wolfgang Inderwies, Inhaber der Facility-Management-Beratung Indeconsult in Pfaffenhofen. Der wichtigste Vorteil des Outsourcings ist laut Inderwies gleichzeitig auch der Werbespruch vieler Gebäudemanager: „Konzentrieren Sie sich auf Ihr Kerngeschäft, wir kümmern uns um den Rest.“ „Mit einem Facility Manager an Bord können sich die Unternehmen wieder ganz ihren Kunden zuwenden und geben alle anderen Aufgaben einfach ab“, sagt der Experte. Nichts desto trotz kennt Inderwies auch den Nachteil einer solchen Verbindung: „Man begibt sich in eine gewisse Abhängigkeit und muss darauf vertrauen, dass der Dienstleister seine Arbeit zuverlässig und den eigenen Anforderungen entsprechend erledigt.“
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Dazu sei der Aufbau von Vertrauen wichtig – und genau das haben viele Betriebe nicht. Die Konsequenz daraus sind Verträge mit kurzen Laufzeiten: „Besonders bei Erstaufträgen will das Unternehmen den Facility-Management-Dienstleister erst einmal kennenlernen“, weiß Inderwies. Doch gerade bei Kurzzeitverträgen sei es schwierig, sich zu profilieren: „In einem Jahr schafft man es kaum, nachhaltige Optimierungen anzugehen und deren Erfolg auch aufzuzeigen“, sagt der Berater. Eine Antwort auf die Vertrauensfrage sei die schrittweise Auslagerung von Aufgaben. Oft wird zunächst die Gebäudereinigung vergeben, gefolgt von der Bewirtschaftung der Park- und Außenanlagen. Bewährt sich der Facility Manager, kann er bald zum Partner für andere Aktivitäten werden.
Bei der Auftragsvergabe kämpfen Anbieter mit Argumenten um den Zuschlag, die je nach Branche und Objekt sehr unterschiedlich sein können: „Handelt es sich beispielsweise um sensible Produktionsanlagen oder um ein Datacenter, ist die Verfügbarkeit des Dienstleisters möglicherweise entscheidender als der Preis“, sagt Ricarda Berg von M+W Zander. Grundsätzlich müsse sich der Facility Manager ohnehin erst über seine Erfahrung und Kompetenz qualifizieren, sonst komme er gar nicht dazu, ein konkretes Angebot zu machen.
In letzter Instanz entscheide aber doch häufig das Budget. Für viele Kunden wird auch die internationale Präsenz eines Dienstleisters immer mehr zu einem ausschlaggebenden Kriterium bei der Wahl des Facility-Management-Anbieters. „Unsere Unterstützung ist momentan vor allem bei Ost-Expansionen gefragt“, sagt die M+W-Zander-Chefin.
Vor allem die öffentliche Hand ist zurückhaltend, wenn es um die Betreuung ihrer Einrichtungen geht. Wenn überhaupt werden Einzelverträge vergeben, die meist nur die Gebäudereinigung und Hausmeisterdienste beinhalten. Ändern könnte sich das durch so genannte Private Public Partnerships: „Braucht eine Gemeinde eine neue Schule, sucht sie sich einen Partner aus der Privatwirtschaft, der das Gebäude plant, errichtet und die nächsten 20 Jahre auch betreibt", erklärt Wiesinger das Prinzip. Der Dienstleister erhält im Gegenzug eine monatliche Zahlung.
