Dazu sei der Aufbau von Vertrauen wichtig – und genau das haben viele Betriebe nicht. Die Konsequenz daraus sind Verträge mit kurzen Laufzeiten: „Besonders bei Erstaufträgen will das Unternehmen den Facility-Management-Dienstleister erst einmal kennenlernen“, weiß Inderwies. Doch gerade bei Kurzzeitverträgen sei es schwierig, sich zu profilieren: „In einem Jahr schafft man es kaum, nachhaltige Optimierungen anzugehen und deren Erfolg auch aufzuzeigen“, sagt der Berater. Eine Antwort auf die Vertrauensfrage sei die schrittweise Auslagerung von Aufgaben. Oft wird zunächst die Gebäudereinigung vergeben, gefolgt von der Bewirtschaftung der Park- und Außenanlagen. Bewährt sich der Facility Manager, kann er bald zum Partner für andere Aktivitäten werden.
Bei der Auftragsvergabe kämpfen Anbieter mit Argumenten um den Zuschlag, die je nach Branche und Objekt sehr unterschiedlich sein können: „Handelt es sich beispielsweise um sensible Produktionsanlagen oder um ein Datacenter, ist die Verfügbarkeit des Dienstleisters möglicherweise entscheidender als der Preis“, sagt Ricarda Berg von M+W Zander. Grundsätzlich müsse sich der Facility Manager ohnehin erst über seine Erfahrung und Kompetenz qualifizieren, sonst komme er gar nicht dazu, ein konkretes Angebot zu machen.
In letzter Instanz entscheide aber doch häufig das Budget. Für viele Kunden wird auch die internationale Präsenz eines Dienstleisters immer mehr zu einem ausschlaggebenden Kriterium bei der Wahl des Facility-Management-Anbieters. „Unsere Unterstützung ist momentan vor allem bei Ost-Expansionen gefragt“, sagt die M+W-Zander-Chefin.
Vor allem die öffentliche Hand ist zurückhaltend, wenn es um die Betreuung ihrer Einrichtungen geht. Wenn überhaupt werden Einzelverträge vergeben, die meist nur die Gebäudereinigung und Hausmeisterdienste beinhalten. Ändern könnte sich das durch so genannte Private Public Partnerships: „Braucht eine Gemeinde eine neue Schule, sucht sie sich einen Partner aus der Privatwirtschaft, der das Gebäude plant, errichtet und die nächsten 20 Jahre auch betreibt", erklärt Wiesinger das Prinzip. Der Dienstleister erhält im Gegenzug eine monatliche Zahlung.
