0 Bewertungen
09.10.2006 
Kunststoffverarbeitung

Playmobil in der Autoindustrie

von Johanna Lutteroth

Playmobil-Chef Horst Brandstätter hat für seine bekannten Spielfiguren die Kunststoffverarbeitung vorangetrieben. Das war Anfang der Siebziger Jahre. Inzwischen nutzt sogar die Autoindustrie seine Technik.

HAMBURG. Horst Brandstätter trägt Polohemd mit Sandalen, und berichtet begeistert von seinen Golfabenteuern in Florida, wo er das halbe Jahr über lebt. Ja, ja, das Geschäft laufe prächtig, versichert er, und es lasse sich auch aus der Entfernung gut steuern. Derweil verschickt er, wie jeden Tag, ein Fax, das Denkanstöße aber auch konkrete Anweisungen enthält. Empfängerin: Andrea Schauer, Geschäftsführerin Entwicklung, Marketing und Vertrieb bei Geobra Brandstätter im fränkischen Zirndorf. „Ich beaufsichtige meine Mitarbeiter nicht unmittelbar. Ich stachele sie lediglich ein wenig an“, sagt der „Hob“, wie sie ihn hier fast zärtlich nennen.

Brandstätter ist nicht der Patriarch, den man erwartet, die graue Eminenz in Schlips und Kragen, 73 Jahre alt und Chef eines Familienbetriebs in vierter Generation. „Ein Chef, der an seinem Schreibtisch klebt, ist kein guter Chef“, meint Brandstätter. Und so machte er sich vor 14 Jahren auf nach Amerika, wegen des Klimas, der Golfplätze und um den amerikanischen Markt zu sondieren, wo sich Playmobil nur langsam etabliert.

Der Hob ist unkonventionell. Oft entschied er sich für einen Weg, der auf den ersten Blick absurd erschien. „Ich mach nichts so, wie es alle machen. Ich mache es so, wie ich es für richtig halte“, sagt er fast schroff. Dass er sehr impulsiv sein kann, zeigt er in solchen spontanen Äußerungen. Mit einigen seiner Schachzüge hat er ein geradezu goldenes Händchen bewiesen.

Als er Mitte der Fünfziger Jahre - gerade einmal Anfang 20 und seit 1954 Teilhaber der Firma - seine beiden Onkel überzeugte, Spielzeug aus Kunststoff und nicht mehr aus den konventionellen Werkstoffen Metall und Holz zu bauen, schüttelte so mancher in der Branche den Kopf. Der Erfolg aber sprach für sich: Hula-Hoop-Reifen, große Traktoren zum Treten, und Schaukelpferde aus Plastik verkauften sich prächtig. Bis die Konkurrenz aufholte und der Preiswettbewerb zu stark wurde.

Anfang der Siebziger Jahre legte er mit der wohl mutigsten Entscheidung den Grundstein für seinen jetzigen Erfolg: Er beschloss, kleines Spielzeug aus Plastik herzustellen, weil Kunststoff angesichts der Ölkrise zu teuer geworden war, um es wie bisher in großen Mengen zu verarbeiten. Das Ergebnis der Arbeit seines Chef-Entwicklers Hans Beck war ein kleines Plastikmännchen, das 1974 auf den Markt kam. Dass Beck mit diesen unscheinbaren etwa 7,5 Zentimeter großen Figuren das Kult-Spielzeug schlechthin geschaffen hatte, war Hob damals noch nicht klar. Schließlich fiel die Entscheidung aus der Not heraus, weil etwas getan werden musste.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Playmobil-Schimpanse wird mit einem Verfahren hergestellt, das mittlerweile auch in der Automobilindustrie Anwendung findet.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

Anzeige

Mehr schaffen – weniger arbeiten 

29.06.2009IT-Podcast

An vielen Arbeitsplätzen ist es um die Effektivität schlecht bestellt. Das liegt aber meist nicht an unmotivierten Mitarbeitern, sondern an der Ausstattung und Arbeitsweise, die in den Unternehmen vorherrscht. Moderne IT-Technologien und Arbeitsabläufe können zu enormen Effizienzsteigerungen führen. Gut fürs Unternehmen und die Arbeitnehmer. Anhören


weiterHandelsblatt Quiz

Quiz : Firmennachfolge: Der Nächste, bitte!

Los geht's!Tausende Unternehmen stehen in Deutschland jedes Jahr vor einem Generationenwechsel. Die Nachfolge ist nicht nur die Schlüsselübergabe von einem Chef...

weiterBildergalerien

zurück
  • In zehn Schritten zur eigenen Firma

    In zehn Schritten zur eigenen Firma

    Die deutsche Franchise-Wirtschaft boomt: Der Umsatz der Unternehmen stieg im vergangenen Jahr um zehn Prozent. Das Konzept bietet nicht nur den täglichen Duft von frischen Brötchen, sondern auch ein reduziertes unternehmerisches Risiko. Doch wie funktionieren...Bildergalerie 

  • Die fünf Todsünden im Umgang mit B-...

    Die fünf Todsünden im Umgang mit B-Playern

    Nicht jeder möchte in der ersten Reihe sitzen. Gerade die Gelassenheit der so genannten B-Player hinsichtlich der eigenen Karriere wird oft falsch ausgelegt. Ihnen fehlt aber nicht die Motivation für den Aufstieg – sie legen nur keinen Wert darauf. Wichtiger ...Bildergalerie 

  • Optimaler Versicherungsschutz für w...

    Optimaler Versicherungsschutz für wenig Geld

    Versicherungen garantieren Unternehmern einen ruhigen Schlaf. Nur: Viel zu oft zahlen Mittelständler zu hohe Beiträge. Mit einer Überprüfung des Versicherungsschutzes können sie die Prämien deutlich senken. Handelsblatt.com zeigt, wie das geht und sich viel G...Bildergalerie 

vor

 

 

Frage des Tages

Der Bundesregierung zufolge gibt es keine Alternative zu einer Enteignung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate. Teilen Sie diese Einschätzung?

Ja
Nein