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23.07.2008 
Mezzanine-Finanzierung

Pleitewelle im Mittelstand

von Hans G. Nagl

Über Jahre verzeichnete der Markt für Standard-Mezzanine kräftige Wachstumsraten. Doch seit geraumer Zeit häufen sich die Pleiten bei den Unternehmen, die auf diese spezielle Form der Finanzierung gesetzt haben. Experten gehen davon aus, dass Insolvenzen wie beim Möbellieferanten Schieder, Stofftierproduzenten Nici oder Schuhhersteller Rohde nur der Anfang sind.

War die Insolvenz beim Möbellieferanten Schieder nur der Anfang einer Welle von Unternehmenspleiten im Mittelstand? Foto: dpaLupe

War die Insolvenz beim Möbellieferanten Schieder nur der Anfang einer Welle von Unternehmenspleiten im Mittelstand? Foto: dpa

FRANKFURT. Die Zahl der Mittelständler, die in Schwierigkeiten geraten, dürfte mit der bevorstehenden Abkühlung der Konjunktur noch steigen.

"Es gibt einige Unternehmen, bei denen Mezzanine dazu beigetragen hat, das Siechtum zu verlängern", urteilt Oliver Kehren von der US-Investmentbank Morgan Stanley. In diesen Fällen seien die eigentlichen Probleme der Firmen nicht angegangen worden, weil durch die Finanzierungen vermeintlich ausreichend Liquidität vorhanden gewesen sei. Kehren muss es wissen: Er ist Leiter der sogenannten Special Situations Group von Morgan Stanley in London. Kriselnde oder gar zusammengebrochene Unternehmen sind sein Job. Er kauft und restrukturiert sie.

Mezzanine ist eine Zwischenform aus Fremd- und Eigenkapital. Es ist nachrangig gestaltet, endfällig und höher verzinst als ein gewöhnlicher Bankkredit. Die Banken bündelten beim Standard-Mezzanine die einzelnen Finanzierungen und verbrieften sie am Kapitalmarkt an Investoren.

Auch Peter Briggs, Deutschland-Chef beim Restrukturierungsberater Alvarez & Marsal, rechnet für die kommenden Jahre mit einer Zunahme der kritische Fälle im Mittelstand - vor allem, wenn Mezzanine im Spiel war. Er verweist auf das aggressive Vorgehen der Banken bis zum Ausbruch der internationalen Finanzkrise im vergangenen Sommer. Häufig seien dabei zu optimistische Geschäftspläne vorgelegt worden. So hätten die Unternehmen mit anhaltend niedrigen Zinsen, konstantem Euro-Kurs und vor allem stabilen Rohstoffpreisen kalkuliert. "Man ist da sehr nah an der Kante gesegelt", resümiert Briggs.

Eines der Unternehmen, das offenbar zu weit segelte, ist der nordhessische Schuhhersteller Rohde. Das 1947 gegründete Unternehmen hatte bereits in den 90er-Jahren den Anschluss verpasst. Zu konservatives Design, hohe Kosten und ein verschlafener Vertrieb. Da die wirtschaftlichen Probleme irgendwann Überhand nahmen, begann man, die Bilanzen zu schönen. Zugleich verschaffte sich das vermeintlich grundsolide Unternehmen Liquidität über Standard-Mezzanine-Programme. Experten zufolge lag das gesamte Mezzanine-Finanzierungsvolumen am Ende bei mehr als 100 Mill. Euro.

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