0 Bewertungen
24.03.2008 
Rohstoff-Diebstahl

Preisanstieg bei Stahl und Kupfer lockt Diebe

von Julia Groth

Metall verarbeitende Unternehmen müssen sich immer massiver gegen Rohstoff-Diebstahl schützen. Viele Unternehmer reagieren und verkleinern zum Schutz die Lagervorräte. Versicherungen warnen vor einer Unterdeckung der Einbruchdiebstahl-Versicherung und raten den Unternehmern, die Rohstoffpreise besonders gut im Auge zu behalten.

Skulpturen im Visier: Diebe stehlen Kunstwerke aus Edelmetall neuerdings allein wegen des Materials. Foto: dpaLupe

Skulpturen im Visier: Diebe stehlen Kunstwerke aus Edelmetall neuerdings allein wegen des Materials. Foto: dpa

KÖLN. Wenn Karl Schwanbeck aufzählt, mit welchen Sicherheitsvorkehrungen er das Lager in seinem Unternehmen absichert, könnte man meinen, er spreche über Fort Knox. Infrarotstrahler schützen das, was im Freilager auf dem Hof liegt, Kameras, die regelmäßig ein Funksignal abgeben, filmen die Umgebung. Wird das Signal unterbrochen, rückt die Polizei an. Die käme in diesem Fall allerdings nicht, um Goldreserven zu retten - sondern Kupferrohre.

Schwanbeck ist Geschäftsführer des Sanitärgroßhandels D. F. Liedelt GmbH im schleswig-holsteinischen Norderstedt. Und die Kameras und Infrarotstrahler hat er aus gutem Grund montieren lassen: Gleich sechs Mal beraubten Diebe in den vergangenen zwei Jahren das Unternehmen.

Sie schlossen die elektrisch gesicherten Tore kurz, schnitten Löcher in den Zaun, schalteten Kameras, Alarmanlage und Bewegungsmelder ab und rückten einmal gar mit einem gestohlenen Postwagen an, mit dem sie innerhalb von zwei Stunden acht Tonnen Kupferteile abtransportierten. "Das ist fast banküberfallmäßig gelaufen", sagt Schwanbeck. "Die sind immer professioneller vorgegangen."

Insgesamt klauten die Diebe Kupferrohre im Wert von 125 000 Euro. Nach dem sechsten Diebstahl entschloss sich das Unternehmen zu einer größeren Investition in die Sicherheit und schaffte für etwa 20 000 Euro die neuen Kameras und Infrarotstrahler an. Seitdem herrscht Ruhe. "Man kann sich nur schützen, wenn man Technik montiert, die kaum manipulierbar ist", ist heute Schwanbecks Fazit.

So wie der norddeutsche Sanitärhändler sind seit 2006 viele Unternehmen, die größere Mengen Metall lagern, Opfer von Metalldieben geworden. Seit dem frühen Sommer 2006 ist vor allem der Kupferpreis stark gestiegen und liegt derzeit bei etwa 8 670 US-Dollar pro Tonne. Auch die Preise für andere Metalle wie Blei und Aluminium zogen an. Infolgedessen wurden die Diebe immer dreister.

Mittlerweile transportieren sie sogar tonnenschwere Bronzeskulpturen aus öffentlichen Parks und Museen ab, schmelzen sie ein und verkaufen das in der Legierung enthaltene Kupfer - freilich für einen Bruchteil des Kunstwerk-Wertes. "Man sollte nicht leichtfertig mit Kupfer umgehen", appelliert deshalb Ingrid Keller vom Deutschen Kupferinstitut. "Es ist ein Wertstoff, es hat einen Wert." Den Wert ihrer Metalllager wissen inzwischen vermutlich mehr Metall verarbeitende Unternehmen als je zuvor zu schätzen - und geben sich entsprechende Mühe, ihr Eigentum so gut wie möglich zu schützen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Frei auf dem Hof lagernde Metallbestände sind besonders gefährdet

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Blogkommentare zu diesem Artikel

Anzeige

Mehr schaffen – weniger arbeiten 

29.06.2009IT-Podcast

An vielen Arbeitsplätzen ist es um die Effektivität schlecht bestellt. Das liegt aber meist nicht an unmotivierten Mitarbeitern, sondern an der Ausstattung und Arbeitsweise, die in den Unternehmen vorherrscht. Moderne IT-Technologien und Arbeitsabläufe können zu enormen Effizienzsteigerungen führen. Gut fürs Unternehmen und die Arbeitnehmer. Anhören


weiterHandelsblatt Quiz

Quiz : Firmennachfolge: Der Nächste, bitte!

Los geht's!Tausende Unternehmen stehen in Deutschland jedes Jahr vor einem Generationenwechsel. Die Nachfolge ist nicht nur die Schlüsselübergabe von einem Chef...

weiterBildergalerien

zurück
  • Zehn Schritte zur geförderten Kinde...

    Zehn Schritte zur geförderten Kinderbetreuung

    Kinder als Teil der Karrieplanung: Um qualifizierte Mitarbeiter langfristig an den Betrieb zu binden, bieten Unternehmer eine betriebliche Betreuung für die Youngsters an. Der Europäische Sozialfonds fördert solche Plätze mit bis zu 50 Prozent der Betriebskos...Bildergalerie 

  • In zehn Schritten zur eigenen Firma

    In zehn Schritten zur eigenen Firma

    Die deutsche Franchise-Wirtschaft boomt: Der Umsatz der Unternehmen stieg im vergangenen Jahr um zehn Prozent. Das Konzept bietet nicht nur den täglichen Duft von frischen Brötchen, sondern auch ein reduziertes unternehmerisches Risiko. Doch wie funktionieren...Bildergalerie 

  • Die fünf Todsünden im Umgang mit B-...

    Die fünf Todsünden im Umgang mit B-Playern

    Nicht jeder möchte in der ersten Reihe sitzen. Gerade die Gelassenheit der so genannten B-Player hinsichtlich der eigenen Karriere wird oft falsch ausgelegt. Ihnen fehlt aber nicht die Motivation für den Aufstieg – sie legen nur keinen Wert darauf. Wichtiger ...Bildergalerie 

vor

 

 

Frage des Tages

Der Bundesregierung zufolge gibt es keine Alternative zu einer Enteignung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate. Teilen Sie diese Einschätzung?

Ja
Nein