Im Markt für Gebäudereinigung herrscht ein harter Wettbewerb. Immer mehr Unternehmen bieten deshalb neue Dienstleistungen wie Garten- und Landschaftspflege an. Doch die neue Angebotsvielfalt ist nicht unbedingt ein Vorteil.
KÖLN. Seit fast zwanzig Jahren gibt es im thüringischen Schmalkalden die Putzteufel GmbH. Als reines Glas- und Gebäudereinigungsunternehmen gegründet, übernehmen die Putzteufel-Mitarbeiter mittlerweile auch Hausmeisterdienste, den Winterdienst, Schädlingsbekämpfung und kümmern sich um die Pflege von Grünanlagen. Die neuen Aufgaben kamen nach und nach zum Angebot dazu. „Wir waren dazu gezwungen, Sonderleistungen anzubieten“, sagt Geschäftsführer Egon Eckardt. „Es gibt viel Konkurrenz.“ Von dieser will sich das Unternehmen mit dem umfangreichen Angebot absetzen. Die Gebäudereinigung ist zwar nach wie vor das Kerngeschäft: Reinigungsaufträge machen sechzig Prozent des Umsatzes aus. Gleich an zweiter Stelle kommt aber die Garten- und Landschaftspflege – kein klassischer Tätigkeitsbereich für Reinigungsunternehmen.
Die Putzteufel aus Thüringen sind nicht die einzigen Reinigungs-Dienstleister, die ihr Angebot in den vergangenen Jahren erweitert haben. Einer Studie des Marktforschers MSI zufolge steigt die Nachfrage an Komplett-Leistungen rund um Gebäude. Gleichzeitig drängen seit 2004 besonders viele kleine Reinigungsunternehmen auf den Markt. Denn seit diesem Jahr muss ein Gebäudereinigungsunternehmen keinen Meisterbrief mehr vorweisen. Durch den geänderten Bedarf und die größere Konkurrenz erweitern immer mehr ehemals klassische Putztruppen ihr Angebot durch Dienste im Bereich des Facility Management – allerdings nicht immer zu ihrem Nutzen.
Denn mit dem größeren Angebot geraten viele Reinigungsunternehmen gleich in die nächste Konkurrenz-Falle. Sie betreten das Revier der großen Komplett-Anbieter, die rund um ein Gebäude sämtliche Dienstleistungen übernehmen. Eine Entwicklung, die man nicht übereilt in Kauf nehmen sollte, warnt Hans-Peter Haffner, Unternehmensberater für Facility Management. Reine Putz-Leistungen würden immer noch genügend nachgefragt. „Wer unruhig wurde, wurde es zu Unrecht“, sagt Haffner. „Der Markt für Gebäudereinigung ist nach wie vor da.“
Mittlere und kleine Unternehmen, die versuchen, mit den Komplettanbietern mitzuhalten, laufen seiner Ansicht nach sehr schnell Gefahr, ihre Möglichkeiten und Kapazitäten zu überstrapazieren. Unflexibel und nur auf den Grundreinigungsbereich fixiert muss ein Reinigungsunternehmen aber trotzdem nicht sein, sagt Haffner. „Intelligenten Unternehmen versuchen immer, anders zu sein als andere, um sich auf dem Markt abzuheben.“
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Statt voll ins Facility Management einzusteigen, hält der Unternehmensberater es für sinnvoll, spezielle Reinigungsleistungen anzubieten, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Der Marktforscher MSI prognostiziert, dass die klassische Reinigung im Jahr 2011 zwar immer noch drei Viertel des Geschäfts ausmachen wird. Das letzte Viertel könnte sich dann jedoch zu etwa gleichen Teilen aus Fenster- und Glasfassaden-Reinigung, Spezialreinigungen und zusätzlichen Dienstleistungen zusammensetzen. Zu den Spezial-Leistungen zählen zum Beispiel PC- und Jalousie-Reinigung. Es gibt sogar Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, völlig verwahrloste und zugestellte Wohnungen von Menschen zu reinigen, die unter dem so genannten Messie-Syndrom leiden.
Zu den Reinigungsunternehmen, die sich mit Sonderleistungen auf dem Markt behaupten wollen, gehört auch Clean Kontor in Hamburg. Als Kenneth Bollström das Unternehmen im Jahr 2000 gründete, bot er gleich von Anfang an auch PC-Reinigungen mit an. Wenig später kam der Mattenservice dazu, bei dem seine Mitarbeiter die Fußmatten der Kunden regelmäßig austauschen und reinigen. „Nach diesem Service haben unsere Kunden gefragt“, erklärt Bollström. Mehr Dienste will er nicht anbieten, sondern lieber auf seinen Kernbereich spezialisiert bleiben. „Es ist genug zu tun“, sagt Bollström. Schwierig werde es nur, wenn Kunden wegbrechen und neue her müssen. Denn seiner Schätzung nach gibt es allein in Hamburg etwa 2 000 Anbieter von Reinigungs-Dienstleistungen. „Die Branche ist ein Haifischbecken“, sagt er.
Das größte Problem für Bollström und viele andere Reinigungsunternehmer sind nicht die Komplettanbieter, sondern Konkurrenten aus den eigenen Reihen, die den Markt mit Dumpinglöhnen überschwemmen. Diese Anbieter sind auch Unternehmensberater Haffner ein Dorn im Auge – obwohl er unter anderem die Kunden der Putztrupps darüber berät, welches Angebot günstig ist: „Wer den Billigen hinterher rennt, der fängt auch an, unsozial zu werden und Gesetze zu übertreten.“
